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Filmfestival

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Was sonst noch geschah: Notizen aus Berlin

Sean Penn? Kitsch as kitsch can

In seiner etwas verhaltenen Pressekonferenz sagte Sean Penn, er „stehe zu seinem Film“. Was bleibt ihm übrig? Soll er sich distanzieren, weil die Presse buht und lacht, schon bevor es richtig losgeht? Weil schon das Motto wie eine Terrence-Malick-Parodie klingt und was dann kommt, genauso aussieht? Mit schrägen Einstellungen von Gesichtsfragmenten und in den Himmel hinein geschwenkte Bilder zu dröhnendem Orchestersound, wahlweise Harfenzirpen? Kurz vor Schluss des Festivals war Penns Beitrag zum Wettbewerb, „The Last Face“ gleichzeitig einer der Tiefpunkte – zwei glamouröse Stars, Charlize Theron und Javier Bardem, an höllischen Orten wie dem Südsudan mit der Absicht, die Welt zu retten. Verlieben sie sich? Na klar. Ineinander? You bet. Und drumherum wird geschossen, operiert, verstümmelt und gestorben. Gut gemeint? Bestimmt. Aber vor Eitelkeit strotzend, zirkulär erzählt in vergeblichem Kunstbemühen am falschen Gegenstand, schauerlich beschallt von der Musik von … genau: Hans Zimmer.

Vierlieben sie sich? Na klar! Charlize Theron und Javier Bardem in "The last Face"© Festival de CannesVierlieben sie sich? Na klar! Charlize Theron und Javier Bardem in „The last Face“

Das Festival neigt sich dem Ende zu. Die Branchenblätter haben ihr Erscheinen eingestellt, vorbei ist es mit den Kritikerlisten, auf denen Mare Ade einen historischen Punktestand von 3.8 aus 4 erreichte. Wobei das für Sonntag Abend, wenn die Preise vergeben werden, gar nichts heißt.

Immer noch wird offiziell behauptet, nein, der Eindruck habe getäuscht, dass es in diesem Jahr nicht ganz so voll war wie sonst – dabei erklärten Firmen, die im Filmmarkt arbeiteten, sie hätten deutlich weniger Leute mitgebracht, während die patrouillierenden Soldaten vermutlich die Touristen zögern ließen, sich hier in die Taschen gucken zu lassen.

Aber ja, es war deutlich leerer, um das festzustellen, musste man nur auf die Straße gehen. Leichtes Schwächeln in Cannes? Ja und Nein. Das Programm strotzte nur so von Stars, von großen Namen, Tradition. Im Wettbewerb und nebenan. Und jetzt schon beginnt das Geschnatter darüber, was kommt, wenn es für dieses Jahr mit dem Festival tatsächlich vorbei ist. Also im nächsten Jahr. Oder dem übernächsten. Niemand glaubt, es könne vielleicht einmal nicht so weitergehen wie bisher.

Das lauteste Geschnatter verursachte der schwerste Deal des Jahres, der dem „Irishman“, den Martin Scorsese mit Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci drehen wird, 50 Millionen Dollar für den Verkauf der internationalen Rechte bescherte. Es soll um die Ermordung des Teamsterchefs Jimmy Hoffa gehen, und der Bieterkampf soll unerbittlich gewesen sein. Ein Mobster-Film von Scorsese? Immmer noch unwiderstehlich.

Fast so unwiderstehlich, wenn auch deutlich billiger, ist ein Serienmörderfilm von Lars von Trier. Ein Serienmörderfilm, der dem Serienmörder über zehn Jahre auf dem Weg zum perfekten Mord folgen will. Was das kostet? Knapp zehn Millionen, heißt es.

Und noch preiswerter sollte „Sheik Jackson“ von Amr Salama zu haben gewesen sein, ein Film über einen ägyptischen fundamentalistischen Imam, der ein Fan von Michael Jackson ist.

Wollen wir das alles sehen im nächsten, übernächsten Jahr? Unbedingt!

 

 

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