Home
Filmfestival

Filmfestival

Was sonst noch geschah: Notizen aus Berlin

Der Club der alten Männer

Ken Loach mit der Goldenen Palme im Blitzlichtgewitter von Cannes© AFPKen Loach mit der Goldenen Palme im Blitzlichtgewitter von Cannes

Sind die von Sinnen? Schon wieder Ken Loach? Mit einem Film, der nicht nur ein voll zu unterschreibendes Plädoyer für das uneingeschränkte Grundeinkommen mit besten Argumenten ist, sondern auch ein Sozialmärchen über die Solidarität derer, die das System aussperrt – diesem Film des Neunundsiebzigjährigen die Goldene Palme zu geben, das nehme ich persönlich. Er hat doch schon eine vor zehn Jahren hier gewonnen! Müsste für die zweite nicht mal mindestens ein Meisterwerk, etwas ganz anderes her? Und nicht ein Film, der aussieht wie seine anderen, nur nicht ganz so gut?

Nicht, dass ich per se für den deutschen Film die Daumen drücke, wenn einer in der Nähe ist. Nicht, dass ich immer glaube, eine Frau müsse gewinnen, weil endlich mal eine dran wäre. Obwohl endlich mal eine dran wäre! Aber dass „Toni Erdmann“ von Maren Ade der originellste Film im diesjährigen Wettbewerb war, voller frischer Energie, riskanter Entscheidungen, mit einem brillanten Drehbuch und großartigen Darstellern, daran dürfte es doch gar keinen Zweifel geben. Und der Lieblingsfilm fast aller war er auch. Außer der Jury, wie sich jetzt herausstellt. „Toni Erdmann“ bekam gar nichts.

Die Schauspieler Thomas Loibl (l.), Lucy Russell, Trystan Putter, Sandra Huller und Peter Simonischek mit der Regisseurin Maren Ade (2. v.r.) auf dem Weg zur Vorführung von "Toni Erdmann" in Cannes© dpaDie Schauspieler Thomas Loibl (l.), Lucy Russell, Trystan Putter, Sandra Huller und Peter Simonischek mit der Regisseurin Maren Ade (2. v.r.) auf dem Weg zur Vorführung von „Toni Erdmann“ in Cannes

15 Filme hat Ken Loach in Cannes über die Jahre im Wettbewerb gezeigt, und vor der Goldenen Palme vor zehn Jahren und nach der Goldenen Palme vor zehn Jahren auch sonst einiges gewonnen. Der Club der alten Männer möchte unter sich bleiben. Anders ist diese Entscheidung überhaupt nicht zu verstehen.

Da helfen auch die anderen Preise nicht weiter, die jeder für sich nicht skandalös sind, und einige der besten Filmen des Wettbewerbs sind tatsächlich dabei, „Sieranevada“ aber zum Beispiel, einer der allerbesten, fehlt auch. Ob „Personal Shopper“, was die Regie angeht, auf einer Ebene mit „Bacalaureat“ liegt, darüber ließe sich streiten, wenn man will, und nicht, von der Entscheidung über die Goldene Palme platt, schlecht gelaunt und sehr verärgert, gar nicht mehr geneigt ist, irgendetwas ernst zu nehmen, das diese Jurytruppe unter dem Vorsitz des alten Mannes Georges Miller hinter verschlossenen Türen ausgedealt hat. Mit der Goldenen Palme für „I, Daniel Blake“ findet ein zwar interessantes, aber nicht starkes Festival einen Abschluss zum Heulen. Denken Sie sich hier alle Kraftausdrücke, die Sie mögen, sie treffen, was ich sagen will. Die Hoffnung, es würde sich endlich etwas ändern in Cannes, war naiv, verführt, verfehlt.

Unter sich: Regisseur Ken Loach (M.) mit dem amerikanischen Schauspieler Mel Gibson (l.), dem britischen Drehbuchautoren Paul Laverty, der Produzentin Rebecca O'Brien und dem australischen Regisseur und Jury-Präsidenten George Miller© AFPUnter sich: Regisseur Ken Loach (M.) mit dem amerikanischen Schauspieler Mel Gibson (l.), dem britischen Drehbuchautoren Paul Laverty, der Produzentin Rebecca O’Brien und dem australischen Regisseur und Jury-Präsidenten George Miller
37