Filmfestival

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Was sonst noch geschah: Notizen aus Venedig

Die Frauen des André Téchiné

André Téchiné in Cannes mit Isabelle Huppert, Sandrine Kiberlain und Emmanuelle Beart

Der Applaus war tosend, als André Téchiné auf die Bühne trat. Mit Téchiné beklatscht wurde das französische Kino überhaupt. Und seine Frauen – die Frauen, deren Geschichten er erzählt hat, und ebenso die Darstellerinnen, die in seinen Filme großartige Rollen fanden. Das französische und das Kino der Welt verdankt Téchiné, der seinen ersten Film 1970 vorstellte, unter sehr vielen anderen Filme wie „Meine liebste Jahreszeit“ oder „Diebe der Nacht“ oder „Mit siebzehn“, der vor einigen Monaten auch in Deutschland lief. Zum Geburtstag des Festivals hatte er Ausschnitte aus eigenen und fremden Filmen kompiliert, französisch alle, und das sah im Zusammenschnitt so aus, wie das Kino einmal war: leidenschaftlich, hinreißend, lustig, traurig, todtraurig, immer voller großer Gefühle, manchmal auch voller Albernheiten. Blicke trafen sich, Menschen tanzten, lachten, weinten. Fünf Minuten, höchstens zehn ging das so, dann brach der Applaus los. Téchiné genoss das eine Weile, hob schließlich das Mikrofon vom Boden auf und bedankte sich bei seinen Darstellerinnen. Und aus dem Meer von Zuschauern und Bewunderern standen sie eine nach der anderen auf: Als erste Isabelle Huppert. Auf der gegenüberliegenden Seite des Raums Juliette Binoche. Zwischen ihnen Emmanuelle Béart, Sandrine Kiberlain und als letzte Catherine Deneuve. Jede für sich eine Ikone des Kinos, alle in den Filmausschnitten zu unterschiedlichen Zeiten ihrer Karrieren zu sehen, alle noch aktiv, manche mit Filmen auch in diesem Jahr im Festival.

Wie sie dort standen und die Ovationen entgegennahmen, nicht auf der Bühne, sondern mitten im Zuschauersaal, bevor das Licht wieder ausging für Téchinés neuestes Werk „Nos années folles“ (auch dies ein Film mit einer komplexen Frauenrolle, gespielt von Céline Sallette, die natürlich auch da war) schien noch einmal auf, was dieses Festival so besonders machte. Glamour und Eleganz verbunden mit einer selbstironischen Kultiviertheit und einer Nonchalance, die jede Abweichung von der Norm zulässt. Es war ein Bild, das für einen Augenblick vergessen ließ, was sich gleichzeitig auf dem roten Teppich abspielte, wo Influencer mit Millionengefolgschaft bei Instagram den Kinostars den Rang abgelaufen haben. Ein Bild, würdig eines Geburtstags wie dem Siebzigsten, den Cannes in diesem Jahr feiert.

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