Filmfestival

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Was sonst noch geschah: Notizen aus Cannes

Ein unwahrscheinliches Paar: Nicole Kidman und Colin Farrell

Vier Mal Nicole Kidman im Festival, zwei Mal davon mit Colin Farrell – kann das gutgehen? Drei Mal habe ich sie gesehen, den vierten Film leider verpasst. Dabei war sein Titel vielsprechend – „How to Talk to Girls at Parties“ – wie auch sein Regisseur, John Cameron Mitchell. Er erntete dann böse Verrisse, dennoch hätte ich ihn gern gesehen.

© Sebastien Nogier/EPA/REX/ShutterstockFarrell und Kidman bei der Premiere von „Beguiled“ in Cannes

Die anderen drei aber haben mich mit Nicole Kidman versöhnt, der ich in den vergangenen Jahren nicht mehr so gern zugeschaut habe. Hier war sie zweimal in großen Rollen im Wettbewerb zu sehen und in einer kleineren in Jane Campions Fernsehserie „Top of the Lake“. Da spielt sie die Mutter der Tochter von Robin – wie das geht, ist zu kompliziert zu erklären -, und sie hat gerade entdeckt, dass sie eine Frau lieber lieben möchte als ihren Mann. Was dann geschieht, weiß ich nicht. Aber das Wenige, das von Nicole Kidman zu sehen war, war subtil arrogant, wie es die Rolle verlangt, hart und rechthaberisch, und sprach auch von einer gewissen Selbstermächtigung, von der wir im Fortgang vielleicht mehr sehen werden.

Mit Colin Farrell bildet sie ein merkwürdiges Paar. Vielleicht kam auch deshalb niemand auf die Idee, die beiden als „Traumpaar“ des Festivals zu etikettieren. Es blieb für Nicole Kidman bei der „Königin von Cannes“, was lächerlich genug ist. Colin Farrell knüpft langsam wieder an seine Anfänge an, als er etwa in Spielbergs „Minority Report“ Tom Cruise mit Karacho an die Wand spielte. Mit Nicole Kidman macht er das nicht, aber er ist ihr ebenbürtig. Dunkel, manchmal gefährlich, aber auch naiv. So ist er in Sofia Coppolas Südstaatenmelodram „Beguiled“. Nicole Kidman hingegen streng, frustriert, überdreht, klug – als Direktorin des Mädchenpensionats, in dem der Film spielt, schüttelte sie das alles aus dem Ärmel und verliert auch im Äußersten ihre Haltung nicht. Colin Farrell ist hier ihr Opfer, sich zwar über seine Wirkung auf sie durchaus bewusst, aber ohne Arg. Bis er den Kronleuchter von der Decke schießt, was angesichts dessen, was Nicole Kidman ihm antut, eine sanfte Reaktion ist.

Deutlich anspruchsvoller für beide waren die Rollen in „The Killing of a Sacred Deer“. Ambivalenter angelegt, stilisiert, überdreht. Es war nicht ganz leicht, den Mann, der da am offenen Herzen operiert und dann über Uhrenarmbänder spricht, mit dem irischen jungen Soldaten zusammenzubringen, der in „Beguiled“ die Rosen schneidet. Jedenfalls würde ich die beiden gern weiter zusammen spielen sehen. Auf dem roten Teppich muss es nicht sein. Da ist Colin Farrell immer konservativ. Nicole Kidman kam dieser Tage im weißen Tutu.

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