Filmfestival

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Was sonst noch geschah: Notizen aus Venedig

Ein Bilänzchen

© Twentieth Century FoxFrances McDormand in „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“

Manchmal riecht es in einem der Vorführsäle komisch, manchmal bohrt der Nachbar im Dunkeln etwas zu auffällig in der Nase, aber insgesamt ist so ein Festival eine bereichernde und vielschichtige Erfahrung, bei der die Journaille unappetitliche Lieblingswörter wie „bewegend“ und „berührend“ gleich dutzendweise in die Geräte hacken darf – eine Erfahrung, der man mit einer kurzen persönlichen Favoritenliste betr. Wettbewerb jedenfalls nicht gerecht wird. Egal.

PLATZ FÜNF belegt bei mir der australische Western „Sweet Country“ von Warwick Thornton, nicht nur wegen Sam Neill in einer sehr schön schlimmen Nebenrolle.

PLATZ VIER hat sich Schorsch Clooney als Regisseur mit „Suburbicon“ verdient, nach einem alten Drehbuch, das die Coen-Brüder irgendwo liegengelassen hatten, woraufhin Clooney es fand und das Beste draus machte.

Auf PLATZ DREI gehört für mich Guillermo del Toro mit „The Shape of Water“, so ein süßer Film, echt.

PLATZ ZWEI besetzt Vivian Qu mit „Jia Nian Hua“ (Engel tragen Weiß), extrem trockener Stil, unvergessliche Schauspielerinnen.

Und PLATZ EINS müssen sich zwei Filme teilen, das amerikanische Dialog- und Rhythmenwunder „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ von Martin McDonagh und das japanische Mysterium „Sandome no Satsujin“ (Der dritte Mord) von Hirokazu Kore-eda – zwei Nennungen an der Spitze deswegen, weil diese beiden Filme mit nichts zu vergleichen sind, was hier sonst lief,  also auch nicht miteinander, und deshalb die wechselseitige Abwägung u. Entscheidung einfach unmöglich machen.

Ehrenerwähnung: Andrew Haigh war mit „Lean on Pete“ zwar wieder mal sehr gut, aber ein bisschen weniger als gewohnt, und vielleicht hab‘ ich schlecht geschlafen. Gut geschlafen hab ich während „Mektoub, My Love: Canto Uno“ von Abdellatif Kechiche, denn der war bewegend, berührend, sterbensöde und viel zu lang.

Im Orizzonti-Teil lief einiges Interessantes, seltsame Iraner zum Beispiel und ein sehenswerter neuer Rick-Ostermann-Film, in dem Ulrich Matthes als Mann mit zerstörtem Leben sich in den Schnee wagt, um dort zu suchen, was man nur in der Einsamkeit suchen kann, und etwas ganz anderes zu finden, mit dem er und der Film dann zusammen kämpfen müssen: „Krieg“. Davon und von anderem dann mehr, wenn das alles in Deutschland ins Kino kommt, jetzt sollen sie hier ihre Löwen vergeben, I’m outta here, mille grazie.

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