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Wie wir intelligenter essen

Wie Werbung unsere Kinder dick macht

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###Zucker in Sicht: Die Minions gibt es längst auch als Kekse                                           Foto AP

Ich hasse die Minions. Und zwar seit diesem Kinderfußballturnier, für das ich extra einen Obstsalat mitgebracht hatte. Durchschwitzte und abgekämpfte Kinder haben von Natur aus große Lust auf Obst, dachte ich zuversichtlich. Möglicherweise hätten sie das sogar gehabt, wären da nicht diese Muffins gewesen, mit dem bananengelben, triefenden Zuckerguss. Der Obstsalat weckte nicht halb soviel Interesse wie die klebrigen Minion-Muffins. Sie wurden ausnahmslos aufgegessen. Den Obstsalat hätte ich unversehrt mit nach Hause nehmen können, wären da nicht ein paar ernährungsbewusste Eltern gewesen, die sich darüber hermachten.

Wozu eigentlich die ganze Liebesmüh? Wozu die absurden Regeln vom ersten Tag der Schwangerschaft an: keine scharfen Gewürze, kein Alkohol, kein Tiramisu, Mozzarella schon gleich gar nicht und Zucker nur in Maßen, aber ohne Zimt, denn der wirkt wehenauslösend. Dann die Expertengespräche mit anderen Müttern und Vätern. Die beiden Dauerthemen: Schlaf und Ernährung des Säuglings. Dass das eine das andere bedingt,  zeigt sich schon nach wenigen Nächten mit dem neuen Familienmitglied. Das Nahrungsmittel- und Genussverbot gilt insofern natürlich auch für die Zeit des Stillens, also mindestens für acht Monate. Das alles zum Wohl des Kindes. Wer käme heutzutage schon auf die Idee, das „Zufüttern“ mit einem Nutella-Toast zu beginnen, oder gar den Säugling, wie früher üblich,  mit einem in Honig getunkten Schnuller ruhig zu stellen. Es gibt schließlich Regeln! Ich kenne eine Frau, die in Tränen ausgebrochen ist, weil ihr Mann das Baby mit Eis gefüttert hatte. Nein, es waren keine Tränen der Rührung, sondern der Desillusionierung. Wie soll man einem Säugling Karottenbrei und Pastinaken schmackhaft machen, wenn er Eiscreme kennt!

Leistungen werden mit Süßigkeiten belohnt

Je älter das Kind wird, desto größer wird die Kluft zwischen den eigenen Vorstellungen und denen der Umgebung. Die Verführung lauert überall: auf der Kaffeetafel der Verwandtschaft, im Supermarkt, in den Frühstücksdosen von Kindergartenfreunden. Kinder bekommen außer Haus so viele Süßigkeiten, dass man sie zu Hause sofort einer Reinigungskur unterziehen möchte, mit Brokkoli und Quinoabrei. Was natürlich zu Kämpfen führt, und dazu, dass die Nahrungsquellen außer Haus verstärkt angezapft werden. Bei den Großeltern etwa, die den ganzen Ernährungswahnsinn sowieso nicht nachvollziehen können. Einem Kind gehört nach deren Ansicht auch mal eine Freude gemacht. Zum Beispiel mit Minion-Keksen. Die sind neuerdings auch in der Großpackung auf Amazon erhältlich. Die Käufer sind offenbar begeistert:

„HAMMMMER  meine kleinen süßen Babys die mich besuchen kommen haben sich drauf gefreut  der Hammer einfach diese Kekse miniooooonnnns“

„Leibniz Kekse kenne ich schon lange und liebe es welche zu essen, seit ich klein bin. In diesem Fall ist geschmacklich wohl kaum was anderes, aber kleine Leibniz Kekse zu haben war bei mir der Reiz. Dazu kommt, dass auch meine Cousine begeistert war, aufgrund ihrer Form. Sie ist momentan etwas schwierig, wenn es ums Essen geht. Da ist das Aussehen doch oftmals sehr entscheidend.“

„Die Minions kennt ja mittlerweile jeder und sie sind (jetzt auch im wahrsten Sinne des Wortes :-) zum anknabbern niedlich.“

Zum Inhalt nur soviel: eine Packung Minion Kekse enthält  29 Gramm Zucker. Trinkt das Kind dazu eine Minion Capri-Sonne, nimmt es weitere 20 Gramm Zucker auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, maximal 25 Gramm Zucker pro Tag zu verzehren. Bei dem derzeitigen Konsumangebot ist das eine utopische Zahl.

Diabetes durch Übergewicht ist vermeidbar

Sandra Hummel vom Institut für Diabetesforschung des Helmholtz Zentrums München warnt im Interview mit dieser Zeitung vor den Folgen einer zuckerlastigen Ernährung. Besonders Softdrinks seien ein großes Problem. Die Kinder konsumieren schlicht zu viel davon. „Kinder sind sich nicht im Klaren, was es bedeutet Hunger mit einem Schokoriegel zu stillen und mit Cola den Durst zu löschen, was zählt ist der Coolnessfaktor.“ Diabetes äußert sich oft schleichend und wird daher nicht sofort erkannt. Typische Symptome wie Durst, häufiges Wasserlassen und Müdigkeit können auch bei gesunden Menschen vorkommen. Im Gegensatz zur vorwiegend genetisch determinierten Diabetesvariante  Typ-1 kommt es bei dem durch Fehlernährung und Bewegungsmangel bedingten Typ-2 selten zu akutem Stoffwechselversagen. Langfristig sind die Folgen jedoch alarmierend: Nervenschädigungen an Augen und Beinen, cardiovaskuläre Erkrankungen oder Krebs. Die Zahlen der Diabetes-Neuerkrankungen steigen stetig. In Deutschland sind etwa eintausend Kinder mit Diabetes Typ-2 registriert. Wobei von einer großen Dunkelziffer auszugehen ist, vermutet Hummel, denn noch fehlen deutschlandweite, flächendeckende Screeningprogramme in Kinderarztpraxen.

Kinderernährung ist längst ein Schlachtfeld. Anspruchsvollen Eltern, die ihren Kindern Vollkorn-Pfannkuchen backen, steht eine Gummibärchen-Armee gegenüber, mit schrillen Farben und Comic-Helden. Kinder sind eine attraktive Konsumentengruppe. Auch weil sie schon relativ früh lernen, sich um Verbote herum zu schleichen. Selbst wenn sie zu Hause um des Friedens willen schon mal einen Apfel essen, verschmähen sie woanders den Obstsalat, sofern sich eine zuckerreiche Alternative bietet. Renate Künast fordert eine klare gesetzliche Regelung zum Schutz der Kinder vor ungesunder Ernährung. Als größtes Übel prangert sie den Zucker an. Kindern, die an Karies und Übergewicht leiden, drohen nicht nur Gefahren durch schwerwiegende Folgeerkrankungen, sondern auch soziale Ausgrenzung. Irgendwann wird aus dem süßen pausbäckigen Dreijährigen ein übergewichtiger Zehnjähriger. Der Bundesernährungsminister Christian Schmidt dagegen hält nichts von gesetzlichen Verboten. Seiner Meinung nach sollen Bildung und Wissensvermittlung das Problem lösen. In der Realität sieht das dann folgendermaßen aus: Erstklässler malen fleißig Obst- und Gemüsesorten, basteln eine Ernährungspyramide und können mehr als ein dutzend gesunde Lebensmittel aufzählen. Dafür werden sie mit einer XL-Weingummi-Schlange belohnt, mit Cola-Geschmack. Das ist ungefähr so erfolgreich, wie einen Raucher mit einer Packung Zigaretten zu belohnen, wenn er die Gefahren von Tabakkonsum aufzuzählen weiß.

Die Minions wollen Schurken sein. Im Film sind sie auf eine entzückende Weise untalentiert. Im wirklichen Leben kommt niemand an ihnen vorbei. Die mit einem 593 Millionen US-Dollar schweren Etat gestützte Marketingkampagne erreicht früher oder später jeden. Ob Capri-Sonne, Tic Tac oder Kekse, was den Minions schmeckt wollen Kinder auch! Warum, so fragt man sich, kann Marketinggeld eigentlich nicht in gesundheitsförderliche Produkte fließen? Auch wenn der Bundesernährungsminister es ablehnt, die „Schultüte mit Gesetzen vollzupacken“ ist es möglicherweise genau das, was derzeit fehlt. Ich bin jedenfalls  für ein Minion-Verbot.

 

 

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36 Lesermeinungen

  1. Wo kommt den die Nährwertangabe für die Kekse her?
    Sie schreiben „Zum Inhalt nur soviel: eine Packung Minion Kekse enthält 75 Gramm Zucker.“
    Die einzige mir bekannte Packungsgröße hat 125g – und die hat 23g Zucker pro 100g, also knapp 29g Zucker und nicht 75g.
    Mit 29g sind wir jetzt auch nicht so weit von einem Schälchen Obstsalat weg. Daß der durch seine Vitamine dennoch bestimmt gesünder und überhaupt ernährungspädagogisch wertvoller ist, wird niemand ernsthaft bestreiten – aber eine Argumentation mit nicht nachvollziehbaren Zahlen hilft der Sache auch nicht.

    • Vielen Dank für diesen Hinweis. Wird sofort korrigiert. Richtig muss es heißen: Eine Packung Minion Kekse enthält 75 Gramm Kohlenhydrate, davon 29 Gramm Zucker.

  2. Ein Teil des Problems
    besteht meiner Meinung nach vor allem in der Präsentierung von Nahrung, welche keine Rückschlüsse mehr auf Inhaltsstoffe oder gar die Herkunft des Essens gibt.

    Wie viele Kinder und sogar Erwachsene mäkeln an geräucherter Forelle herum, meckern über die Knochen in einem Huhn welches in einem Stück gebraten wurde und finden gedünsteten Brokkoli widerlich!
    Gleichzeitig verputzen sie frittierte Fischstäbchen oder „Dinos“ aus Formfleisch als wäre es das größte und loben ehemals tiefgefrohrenen, aufgekochten Spinatbrei in den siebten Himmel! Das sind dann auch die, die ihren Kindern auf Verlangen quietschbunt glasierte Muffins oder Schlumpfeis zum Naschen hinstellen. Und selbst in den Feinkostabteilungen tauchen „Garnelen“ auf, welche aus „Garnelenimitat“ (hergestellt aus Fischimitat) hergestellt sind.

    Trockene und geschmacklose Geburtstagskuchen werden mit Hilfe farbiger Zuckerglasuren bunten Bildern oder gar Fotos versehen, denn wenn das Auge sowieso mitisst, kann der Gaumen auch mal Pause machen.

    Naturreis wird von Kindern bereits heute lautstark als „falsch“ erklärt, denn er hat gefälligst weiß zu sein. Onkel Ben reibt sich schon die Hände in Vorfreude.

    Der nächste Schritt wird wohl aus regenbogenfarblich ansprechenden aber geschmacklosen Protein- und Kohlenhydratriegeln bestehen. Die benötigen auch keine Kochkunst.

  3. Die ständige Belohnung ist auch ein Teil des Suchtpotentials beim Rauchen
    Bringt man zur Feier Haribo mit oder „belohnt“ die gelernte Ernährungspyramide mit Gummischnecken oder geht „zur Feier des Tages“ zu McDonalds, löst der Süßkram die Glücksgefühle aus, nicht die Bananenscheiben. Süßkram ist aber hygienisch einwandfrei, im Gegensatz zu mundgerecht geschnitzten Birnen- und Gurkenstückchen, in Zimtzucker getaucht oder mit Leberwurst bestrichen, damit sie dem Sensationsbedürfnis der Kids gerecht werden. Das ist das Dilemma! Auswege wären Nüsse (Omega-3!), Rosinen und Trockenfrüchte. Und dass die Kindergartentanten und -onkels in der Runde sitzend Äpfel schälen und großherzig Spalten verteilen. Aber Obst als Pflicht und Süßkram als Kür wird immer den Drang zum „Besseren“ beibehalten. So pflichtbesessen sind die Deutschen in Jugendjahren nun doch nicht…

  4. Ganztagsaufbewahrung mit Kantinenfraß
    Ist ein gewaltiges Problem: Wenn man sich mal die Speisepläne und die (geschmackliche) Qualität der Ernährung ansieht mit der Kinder in Ganztagseinrichtungen gequält werden fragt man sich wann die Kinder erleben sollen, daß gesunde Ernährung auch gut schmecken kann.
    Kindererziehung wird ausgelagert, ist kein Wert mehr. Und zur Erziehung gehört eben auch die Ernährung. Eltern müssen heutzutage nicht kochen können, das macht die Kita mit 1,75€ täglich Bionahrung. Ich kenne Frauen die ihre Kinder, wenn sie denn mal kochen, fleischlos ernähren weil sie nicht wissen wie man ein Schnitzel oder einen Braten zubereitet. Die für einfachste Gerichte ihren Thermomix brauchen weil sie keine Ahnung haben.
    Selbstverständlich gibt es auch bei uns zuhause Probleme mit den Süßigkeiten. klar werden davon zu viel gegessen. Da aber auch viel Sport gemacht wird hält sich der Schaden in Grenzen. Am Süßkram essen ist aber nicht die Werbung schuld. Kinder lieben einfach Süßes. Ob mit oder ohne Werbung. Die Kunst der Erziehung besteht eben darin die Kinder auf den richtigen Weg zu leiten. Wie gesagt, Sport ist dazu ein gutes Mittel. Deshalb ist es auch dramatisch, daß gerade mehr und mehr Sporthallen zweckentfremdet werden. Das geht gegen die Gesundheit unserer Kinder. Wie wäre es stattdessen die ein oder andere öffentliche Verwaltung als Unterkunft zu nutzen?
    Zurück zum Thema: Bei uns bin ich fürs kochen zuständig. Ein täglicher Kampf, ausser wenn es Currywurst gibt. Ich mach da die Soße selbst. Dauert ca. 2min und ich weiß was drin ist. Das Verteufeln von „ungesunder“ Ernährung bringt doch nix. Wenn der Mix stimmt ist weder McDonalds noch ein Softdrink das Problem. Aber um das zu überwachen muß man sich halt selber um die Brut kümmern und nicht alles delegieren.

    Und zum Sportturnier bring ich die große Dose Haribo mit, wenn gefeiert wird ist gesunde Ernährung unwichtig. Ich trink ja auch bei besonderen Anlässen meinen Wein. Und ich bin auch nicht für die Ernährung der anderen Kinder zuständig. Darum sollen sich deren Eltern kümmern.

    • Zum Sportturnier die große Dose Haribo… Warum eigentlich?

    • Warum nicht?
      Als Belohnung für die Spieler.
      und noch besser wenn jede mannschaft ein solches Ding bekommt, dann ist es nämlich unwichtig wer gewonnen hat. (Bei den Kleineren) Und der Spaß bleibt erhalten. Der Spaß an Bewegung. Und der Spaß an Bewegung ist wesentlich wichtiger als die korrekte Ernährung beim Turnier. Denn wenn die Kinder gerne Sport machen gleicht das eine Menge Muffins und Haribos aus.

    • Sport ist enorm wichtig, stimmt! Und mal was Süßes auch. Dennoch, wenn wir so weiter machen, schaffen wir die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nie!

    • Ach die WHO
      die empfiehlt so viel.
      Und es trifft halt nicht auf alle zu. Ein Kind, so wie zufällig eines bei uns im Haus, groß, schlank, guter Futterverwerter, friert fast nie, immer in Bewegung, 3-4 mal die Woche im Training, plus Schulsport (so es ihn nächstes Schuljahr noch gibt), wenn ich dieses Kind nach irgendwelchen Empfehlungen ernähre klappt mir der in ein paar Wochen wegen Unterernährung zusammen.

  5. Sicherheit gegen Freiheit
    Utilitaristisch gesehen ist das nicht überzeugend. Minions Kekse und dergleichen, sowie die entsprechende Werbung und Verknüpfung von Geschichte und Lebensmittel machen vielen beträchtliche Freude. Die Gesundheitsschäden sind nicht offensichtlich schwerwiegender. Solche Verbote befördern zudem eine Sicherheits- und Eingriffskultur, staatlichen und allgemeinen Paternalismus.

    Rechtstheoretisch wird in Eigentum, Berufsfreiheit, Meinungsfreiheit, Erziehungsrecht, und allgemeine Handlungsfreiheit eingegriffen. Die Freiheit vieler (vereinfacht: schlanker Kinder; schlanker und dicker Teenager, und Erwachsener) wird zum Schutz einiger reduziert. Beachtlich ist dabei, dass die Personen die als Kinder zu viel essen als verantwortliche Teenager und Erwachsene gegensteuern können. Tun sie dies nicht, so handelt es sich um Selbstgefährdung.

    Gegen Ende verbirgt sich ein treffender Gedanke. Statt Werbung und Produkte zu verbieten sollten Sie Ihr eigenes Vermögen verwenden um konkurrierend für Ihr Verständnis vom guten Leben (inklusive Risikoaversion und Zeitpräferenz) zu werben und zu produzieren. Bringen Sie Gleichgesinnte zusammen und betätigen Sie sich „gemeinnützig“. Sofern Verbote erfolgen, sollten diese grundsätzlich auf lokalen Standards beruhen (Dezentralität, Pluralismus). Zudem sollten sie möglichst eng gefasst werden. Z.b. Untersagen des Verkaufs von „bösen Lebensmitteln“ an dicke Kinder. Hier sind paternalistisch Begünstigter und Eingeschränkter derselbe. Belohnstrukturen sind ebenso vorzugswürdig, so z.b. (finanzieller) Bonus für Eltern schlanker Kinder, und für schlanke Kinder. Wenn sie das Probewiegen (optional, aber notwendig für Bonus) irgendwie anmaßend finden, sollten sie vielleicht grundsätzlich vom Paternalimus Abstand nehmen.

  6. Ohne Minions dick geworden
    Zu meiner Zeit gab es kaum Werbung die ich hätte sehen können, und doch habe ich es, mit Hilfe von Zuckerhaltigem, geschaft dick zu werden. Nicht die Minions haben schult, sondern der akzeptierte Lebenswandel, oder eben der untersagte.
    Wenn man einem Kind etwas vorlebt dann lebt es es nach. Aber bitte als gesunde Mischung

  7. Ich muss die Minions verteidigen
    Die Autorin hat hier einiges durcheinandergebracht, denn es waren ja nicht die Minions, welche die in ihrer Farbe gemachten ekligen Muffins gebacken haben, sondern andere Eltern.
    In den Filmen ist die bevorzugte Speise der Minions Bananen.
    Dann zur Kindererziehung: Es ist einfach verlockend, etwas zu tun, was Eltern verbieten. Deshalb ist es kontraproduktiv, Kindern ständig etwas darüber zu erzählen, was gesund und ungesund ist. Viel effektiver ist es, sie darüber aufzuklären, warum man das eine oder das andere besser oder schlechter findet. Denn Kinder sind ja nicht dumm.
    Dann zum Diabetes Typ 2: Er wird nicht von Zucker, sondern von Übergewicht bei zusätzlichen erblichen Anlagen verursacht und das bedeutet, dass es sich hier nicht um leicht übergewichtige Kinder sondern um richtig extrem dicke Kinder handelt. Und diese werden nicht nur vom Zucker essen sondern vor allem auch durch Bewegungsmangel krank, womit wir bei den Eltern wären, die vielleicht den ganzen Tag am Kind herumnörgeln, was gesund und was ungesund beim Essen ist, es aber nicht fertigbringen, einfach mal den Fernseher oder den Computer (was macht ein 9 Jähriger vor PC/Smartphone? schon das ist Irrsinn) auszuschalten und das Kind zum Spielen rauszujagen.
    Ich selbst habe seit ich 16 Jahre alt bin Diabetes Typ I und ich musste mir so einiges von besonders gescheiten Verwandten anhören, was mir tierisch auf die Nerven ging und im Nachhinein betrachtet einfach nur schlecht war: Ich hätte diesen, weil ich so viel Süsses gegessen hätte, während mein Bruder das doppelte aß und kein Problem hatte.
    Ein Arzt hat mir dann erklärt, was wirklich Sache ist und mich damit getröstet.
    Ein Artikel wie dieser hier, voller Halbwahrheiten, hilft jedenfalls nicht, Kinder gesünder zu ernähren. Vielmehr hilft es, wenn man sich vor Kindern wundert, warum sie lieber künstliche Himbeerbonbons, welche die Zähne ruinieren essem, anstatt echte Himbeeren zu essen. Denn wie gesagt: Kinder sind nicht dumm.

  8. Titel eingeben
    Yeah, und die lex Minions trifft dann auch Personen, die kein Problem haben. Selbst mit Dunkelziffer ist der Anteil von Diabetes und dergleichen gering. Utilitaristisch gesehen scheinen die (schlanken und dicken) Leute durchaus Freude an den Minions-Keksen (und dergleichen) zu haben und es ist nicht ersichtlich, dass ein Verbot die Glücklichkeit erhöht. Was Rechte angeht, greifen Sie in Eigentum, Berufsfreiheit, Meinungsfreiheit, und allgemeine Handlungsfreiheit ein. Demgegenüber haben Sie es mit Selbstgefährdung zu tun, insbesondere auch von Teenagern und Erwachsenen die gegen „falsche Ernährung“ der Vergangenheit nicht gegensteuern. Gesellschaftlich befördern Sie eine Sicherheitskultur, und staatlichen Paternalismus sowie Interventionalismus. Zum Schluss haben Sie fast einen guten Gedanken. Machen Sie (mit eigenem Vermögen) Werbung für körperliche Gesundheit und Ihre Idee vom guten Leben, und produzieren Sie entsprechende Lebensmittel und Dienstleistungen (Funsport etc.), statt Werbung und Produkte zu verbieten. Schicken Sie übergewichtige Kinder zum Sport (Verantwortung der Eltern), statt „schlanken“ Kindern (und Erwachsenen) den Spass an Freiheit und Zucker zu verbieten.

  9. Kekse
    Belangloses und weltfremdes Übermuttergerede. Alle „normalen“ Eltern wissen, dass Minions-Kekse und ähnliches nur von den Gastkindern in beängstigenden Massen verschlungen werden, die zu Hause mit Gemüse gesundgequält werden. ‚Unter’m Strich essen dann alle Kinder gleich viel von dem Zeug, das ihnen nun einmal schmeckt, nur dass die Supermuttikinder besessen davon sind. Mit dem Fernsehen ist es dasselbe.

    • Ja, wenn es doch nur so einfach wäre… Leider enthalten heutzutage nicht nur Süßigkeiten Zucker sondern auch Bratwürste und Ketchup. Ich kenne auch keine einzige Mutter, die ihr Kind mit Gemüse quält, nur das Klischee davon…

    • Titel eingeben
      Das schockierendste an diesem Artikel ist, daß er offenbar ernst gemeint ist.

  10. Soziale Standards ändern: Ächtung von Schwabbel-Fett!
    Butterbrote sollten ihr Arme-Leute-Image schnell verlieren! Obstschnetzel,Milch … die Veganen sind auch
    mehr gefragt. Dann die Bewegung … die Kids nicht immer bis in
    die Veranstaltung fahren;,verantwortlich sein muß
    neue Erziehungsdisziplin werden. Wenn alles ohne erhobenen
    Zeigefinger klappt – was es kann – ist viel gewonnen.

    • Und jetzt?
      Was tun, wenn nicht mal mehr Obstsalat auf ein Fußballturnier mitbringen hilft! Da hätte ich ja jetzt auch eher Bratwurst mit Ketchup mitgebracht, aber da ist ja nun auch Zucker drin, wie ich lese. Ist natürlich alles ein alter Hut, Zucker war schon vor 30 Jahren in allem möglichen und die Diskussion über Manipulation der Kinder über Werbung ist noch älter. Das zeigt aber auch, dass es überhaupt nicht an den Kindern und der Werbung liegt, sondern nur an den Eltern. Sind die aus Zeitgründen nicht in der Lage, sich zu kümmern oder schlicht zu dumm (häufigster Fall), dann werden die Kinder eben adipös. Und das auch ganz ohne Minions (über die ich nichts kommen lassen…)

    • Die Eltern zu dumm? Haben Sie dafür eine Lösung? Was tun kluge Eltern?

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