Food Affair

Food Affair

Wie wir intelligenter essen

Mein Haus, mein Auto, meine Küche

| 5 Lesermeinungen

###Statussymbol Kühlschrank: Der „Quellomat“ stammt aus dem Jahr 1959    Foto dpa

 

Mein Kühlschrank ist klein, weiß, ohne Gefrierfach – und damit völlig unzeitgemäß. Als Statussymbol taugt er so wenig, wie zur Bevorratung von einem Dutzend Sixpack Bier. Genau das sollte ein moderner Kühlschrank aber offenbar können. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man sich in den entsprechenden Fachabteilungen von Elektronikgeschäften umschaut, wie ich neulich bei Saturn. Dort bekommt man jedenfalls einen, der nicht nur groß, sondern von oben bis unten mit Bier der Firma Becks bestückt ist. Marketingtechnisch ist das ein Volltreffer, denn das Modell findet reißend Absatz, wie der Verkäufer erzählt. Ein Werbespot der Firma Heineken zeigte einst mit  dem  „Walk in Fridge“ eine ähnliche Allianz und landete damit eine virale Supernova. Millionen Menschen schauten einem Paar dabei zu, wie es Freunde durch das neue Eigenheim führt. Die Frauen jubeln kollektiv beim Betreten des Ankleidezimmers, die Männer tun dasselbe, im begehbaren Kühlschrank.

Nun ist also auch der Kühlschrank zum Statussymbol avanciert. In seiner Sendung Cribs führt der Musiksender MTV den Zuschauer durch die Villen der Stars und auffallend häufig zelebrieren diese ihren absurd überdimensionierten Kühlschrank, der natürlich immer voller Lebensmittel ist. Man fragt sich, wann und von wem der Inhalt jemals verspeist werden soll, aber darum geht es ja gar nicht.

Während für meine Großeltern eine gut gefüllte Speisekammer die Versorgung für Monate sicherstellte, zeigen Stars wie Robbie Williams ihren Kühlschrank mit derselben Gleichgültigkeit wie die Oldtimersammlung oder das Kinozimmer, als Trophäe in einer Sammlung – die trophy kitchen eben. Als Jack Nicholson nur mit einem Hemd bekleidet in dem Film „Was das Herz begehrt“ zwei Flaschen Champagner in den Kühlschrank seiner Geliebten stellen will und dabei von deren Mutter, Diane Keaton, überrascht wird, prägt sich nicht nur ein köstliches Wortgeplänkel in das Bewusstsein der Zuschauer ein, sondern auch der zweitürige, stahlfarbene Kühlschrank inmitten einer perfekt durchgestylten Küche. „Kaschmirwelten“ nennt Daphne Merkins in der New York Times die Küchen der Regisseurin Nancy Meyers. Aufgeräumte, großartige Orte in denen sich Darsteller während nächtlichen Pfannkuchendates schmachtvoll in die Augen blicken. Das ist natürlich etwas ganz anderes als eine einsame nächtliche Heißhungerattacke wie sie die meisten von uns kennen dürften. Meyers Konzept ist jedenfalls überaus erfolgreich, die Küche aus „Was das Herz begehrt“ gehört zu den meist kopierten Filmsets. Verglichen mit einem Strandhaus in den Hamptons ist ein statusträchtiger, großer Kühlschrank spottbillig.

Was aber lagert man, abgesehen von Bier, in so einem Kühlschrank, wenn man nicht täglich für eine Schulklasse oder eine große Sippe Verwandte kochen muss?

Wenn ich einkaufe, dann meistens nur soviel wie ich innerhalb der nächsten Tage auch verbrauchen kann. Sollte ich jemals über einen zweitürigen Kühlschrank verfügen, droht ihm möglicherweise dasselbe Schicksal wie meinem Kleiderschrank, er wird vollgestopft mit notwendigen Basics und überflüssigen Schnäppchen. Studien deuten an, was der gesunde Menschenverstand ohnehin längst ahnt: Besitzer von großen Kühlschränken kaufen mehr ein als notwendig. Es ist eben ungeheuer praktisch, Lagerkapazität im Kühlschrank zu haben. Aber essen die Menschen deswegen auch mehr?  Brian Wansink, Direktor des Food and Brand Lab der Cornell University untersuchte die Auswirkungen des Konsumverhaltens auf das Essverhalten. Er fand heraus, dass die meisten deutlich mehr Essen zu sich genommen hatten, sobald mehr Nahrungsmittel im Haus vorrätig waren. Versuchsteilnehmer, die angaben, sich Vorräte für einen ganzen Monat anzulegen, vertilgten einen Großteil dessen innerhalb der ersten zehn Tage.

Praktisch oder verschwenderisch: ein Supermarkt zu Hause

Wer im Kühlschrank Platz für Sonderangebote und Großpackungen hat, greift im Supermarkt schneller zu. Dass es sich dabei oftmals um industriell verarbeitete Lebensmittel ohne Nährwert handelt, liegt auf der Hand. Zu fettig, zu süß, zu salzig. Dummerweise ist unser Gehirn darauf ausgerichtet, uns für den Konsum energiereichen Essens zu belohnen. An Impulskontrolle scheitern häufig die besten Diäten, bestätigt Richard Wilk von der Indiana University. „Wenn neun Sorten Häagen-Dazs Eiscreme im Kühlschrank bereitstehen, ist es einfach zu verlockend zuzugreifen.“ Einen großen Kühlschrank zu haben, vergleicht er mit einem Shop im Haus. 24 Stunden geöffnet, gefüllt mit gekühlten Softdrinks, Eis, Pizza und hochkalorischen Desserts. Für den modernen berufstätigen Menschen, der oft erst zu später Stunde nach Hause eilt und einen entspannten Fernsehabend herbeisehnt, eine beruhigende Option. Sie verführt aber auch dazu, oft unbemerkt, Unmengen von Kalorien zu vertilgen.

In jeder Hinsicht ist das eine Kultur, die den Exzess fördert. Lisa Young, Autorin und Professorin an der New York University bringt es auf den Punkt: „Wir kaufen mehr, essen mehr und werfen mehr weg.“

Bis zu 40 Prozent des Kühlschrankinhalts landen im Müll. Empfehlungen der Hersteller, den Kühlschrank aus Energiespargründen gut gefüllt zu halten, dürften kaum zu einer Verbesserung der Situation beitragen. Dann doch lieber eine Nummer kleiner und das Bier für die Party in der Badewanne kühlen. Bei Saturn habe ich jedenfalls keinen Kühlschrank gekauft, sondern eine Waschmaschine.

 

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5 Lesermeinungen

  1. Küchenkühlmaschinen-Manie
    Ohne Doppeltür, Klarsichtfenster, Humidorabteil und „ICE cruncher“ mit einer Kapazität für mindestens 12 Personen läuft da gar nix – mehr!

    • Zigarren im Kühlschrank? Oder was lagern Sie in Ihrem Humidor (musste ich glatt erst googeln)

  2. Das (Selbst-)Belohnungsprinzip und das (Selbst-)Begrenzungsprinzip...
    Gesundheitprinzipien die ohne humanes Vernunftmaß zu Krankheitprinzipien werden?

    Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.
    Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)

    Mensch: ein vernunftbegabtes Wesen, das immer dann die Ruhe verliert, wenn von ihm verlangt wird, dass es nach Vernunftgesetzen handeln soll.
    Oscar Wilde

    An den Statussymbolen, nicht nur Kühlschrank, den Status Quo
    des auch Gesundheit erzeugenden/bildenden/erhaltenden Statussymbols
    des Human, die humane Vernunft(-BILDUNG), humane Ratio, erkennen?
    Sowohl von Einzelpersonen, als auch von Gruppen, Familien…
    auch VW(-Familien), „Wir sind eine (Firmen-)Familie“…Dörfern, Städten,
    Ländern und Staaten, Völker?…s. Weltgegenwartgeschehen.

    Selbst-Fremd-Liebe-Gemische gehen auch durch den Magen/die Mägen?
    Der Mensch ist manipulierbar…
    Selbstmanipulationen und Fremdmanipulationen…Mischmanipulationen,
    Status Gesundheit Manipulationen, Gesundheit Status Manipulationen…
    Geist-Reife-Manipulationen?
    Je reifer der Geist, desto immun?…gegen alle Manipulationen?
    Über „Krankheiten“, Unreife, zu „Gesundheiten“…(Geist-)Reifungen?
    humane Vernunftbildungssymbole…Bildungssysteme…
    Staatsgesundheit, Volksgesundheit = Sta(a)t(u)s-Quo-Ratio-Symbole?
    Transport der Symbole/Symbolik(en)…
    Geistkörper-Un/Reife…Körpergeist-Krankheit/Gesundheit?

    Kontrollverlust der 2-Körper-Reifungen, Ganzheitreifungen, ist ein Such(t)-Kriterium.

    Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.
    Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)
    …die satten und zufriedenen “Intelligenz-Schichten”…
    “Parallelgeseilschaften”?

    Ein ungeübtes Gehirn ist schädlicher für die Gesundheit als ein ungeübter Körper.
    George Bernard Shaw

    Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahr haben möchte, hält er auch für wahr.
    Demosthenes

    Seine eigene Dummheit zu erkennen mag schmerzlich sein. Keinesfalls aber eine Dummheit.
    Oliver Hassencamp

    Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.
    Aldous Huxley

    Aufgetautes Eingefrorenes…der Kühlschrank Intelligenz…
    der E-Herd Emotion…die Waschmaschine…Gehirnwäsche Ratio?:=)

    • Geht es auch einfach?
      Sehr geehrter Herr Henning,
      da ich leider nur eine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung habe… könnten Sie Ihre Aussage nochmals kurz in „Deutsch“ wiedergeben?

    • Sehr geehrter Herr Schwarz
      Ich habe intensiv nachgedacht und mir fiel der letzte Desiderata-Satz
      ein.
      Zitat: Strebe behutsam danach glücklich zu sein.

      Und folgender „griechischer“…“Erkenne Dich“…:
      Selbsterkenntnis und Einsicht führt zur Klarheit.
      Der Weg der Klarheit, ist der Bildung-Weg der humanen Vernunft, humane Ratio.
      Ich hoffe kurz und deutsch genug, ohne unhöflich zu sein.

      Auch die „Maßlos-Kühlschrankbauer“, Vermarkter, Werbung,
      Verkauf-(Geschäft-)Coaching-Psychologen…-Spezialisten…
      die (Wirtschaft-)Gesellschaft“creme“…handeln „nicht behutsam“…
      nicht nur die dadurch zum unreifen Kauf, zum unreifen handeln Manipulierten…vorsichtig ausgedrückt:=)
      Unsere Lebensgeschwindigkeit ist zu hoch, d.h. Unklarheit wegen
      Wahrnehmungsmangel…
      Geschwindigkeit und Wahr(heit)nehmung hängen ursächlich zusammen.
      Ich bin elektroenergietechn.-wissenschaftlich ausgebildet.
      Meine Denkbasis für Selbsterk…Einsicht…Klarheit…Ratio.

      Dieser Blog macht auf „nicht behutsames
      Glück-= Gesundheit-Streben“ aufmerksam.
      Das Elend der Welt…“nicht behutsames Glückstreben“.
      Bescheidenheitmangel.

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