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Wie wir intelligenter essen

Wie Sie hundert Jahre alt werden

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Italien: Alghero - Schafe bei AlgheroRobust sind auf Sardinien nicht nur die Schafe, auch ihre Hirten gelten als äußerst langlebig. Foto: dpa

Adventisten leben länger. Das ist doch mal eine gute Nachricht. Die schlechte ist: Mit Weihnachten und der bevorstehenden Adventsvöllerei hat das rein gar nichts zu tun. Lebkuchendiät, Glühweinkur und Gänsekeulen, gewissermaßen als lebensverlängernde Maßnahmen, das wäre eine wirklich frohe Botschaft. Stattdessen drohen wie jedes Jahr Speckröllchen und der Kater im Januar. Grund zur Freude haben da eigentlich nur die Karnevalisten, die schlüpfen einfach in ihre loose fit Kostüme. Doch zurück zu den Adventisten. Jene leben in  Loma Linda, was nach einem fiktiven Lummerland klingt, tatsächlich aber eine Stadt in Kalifornien ist. Loma Linda gehört zu den sogenannten Blue Zones. Nach einer Erhebung von National Geographic sind das weltweit Regionen, in denen die Menschen sehr alt werden und sehr lange sehr gesund bleiben. Das Rheinland gehört nicht dazu, auch wenn dort viel gelacht wird, was nicht verkehrt sein kann, wenn man hundert Jahre alt werden möchte. Insgesamt gibt es fünf dieser Blue Zones. Die Insel Ikaria in Griechenland gehört dazu, Okinawa vor Japan, Nicoya Pensinula in Costa Rica, Sardinien und eben Loma Linda, das Reich der Adventisten.

„Ernährung ist der Schlüssel zu einem langen Leben – genauso Sex, Mittagsschlaf, Wein und gute Freunde“, resümierte Dan Buettner, Leiter der Studie. Ist das wirklich alles?

Auf Ikaria in Griechenland sieht das Leben ungefähr so aus:  die Bewohner ernähren sich vorwiegend pflanzlich, trinken regelmäßig Rotwein, machen öfter ein Nickerchen, verzichten auf technische Hilfsmittel im Haushalt, bestellen einen Garten, gehen spazieren, sind sozial, haben offenbar Sex. Auf Okinawa in Japan hält man es ähnlich. Die Menschen dort befolgen zusätzlich die sogenannte 80 Prozent Regel, wenn der Magen zu 80 Prozent gefüllt ist, soll man aufhören zu essen. Die kleinste und letzte Mahlzeit wird auf Okinawa am frühen Abend gegessen. Außerdem gibt es die Moai. Das ist ein Kreis aus fünf Freunden, die ein Leben lang auf einander Acht geben. Hochbetagte auf Sardinien leben vor allem im Hochland und sind von früh bis spät auf den Beinen: Sie wandern mit ihren Schafen, hacken Holz, produzieren Pecorinokäse, den sie neben Gemüse, Obst  und  Fisch verspeisen. In Loma Linda essen die Bewohner ebenfalls hauptsächlich Gemüse, neben Nüssen und Hülsenfrüchten. Obendrein verzichten sie auf Alkohol und Zigaretten, sind aktiv und legen Wert auf ein friedliches Miteinander. Im Schnitt bringt ihnen das zehn zusätzliche Jahre Lebenszeit, verglichen mit dem amerikanischen Durchschnitt.

Wanderwege statt Schnellstraßen

Wenn es Blue Zones gibt, muss es auch das Gegenteil davon geben, folgerte Buettner, Gebiete in denen die Menschen früh sterben, unter anderem aufgrund von Zivilisationskrankheiten. Buettner brauchte diesmal nicht weit zu reisen. Spencer in Iowa  war so eine ‚ungesunde‘ Stadt. Wer dort einen Fuß vor die Tür setzte, stolperte förmlich von einem Fast Food Anbieter zum nächsten. Bereits Kleinkinder saßen stundenlang vor dem Fernseher, tranken dazu nach Vorbild der Erwachsenen Cola und Limonade. Sport machte so gut wie niemand, Alkohol und Zigaretten konsumierten dafür viele. Die meisten Bewohner waren krank, auch der Bürgermeister, er hatte ein schweres Nierenleiden und stimmte Buettners Plan zu , aus Spencer eine Blue Zone zu machen. Weil es schwer ist, den Einzelnen auf Dauer zu Sport und Diäten zu motivieren, und diese Maßnahmen selten länger als wenige Wochen oder Monate anhalten, gestaltete man kurzerhand eine urbane Infrastruktur, die ein aktives Leben fördert. Getreu dem Motto: Wenn du willst, dass die Leute Fahrrad fahren, dann bau einen Radweg, keine Schnellstraße. Die Menschen in Spencer wurden im Sinne von positivem Nudging angestupst, die gesünderen Entscheidungen im Supermarkt zu treffen, beispielsweise indem man auf dem Weg zur Kasse keine Süßigkeiten mehr präsentierte; oder sich mehr zu bewegen, indem man Wanderwege und öffentliche Gärten anlegte, Parks pflegte, Vereine unterstützte. Der Bürgermeister ist inzwischen wieder gesund. Mehr als die Hälfte aller Bewohner bringt sich aktiv in ehrenamtliche Projekte ein. Die Blue Zones wurden von anderen Städten kopiert,  mit ähnlichem Erfolg. Bis zum Jahr 2016 plant der Staat Iowa die gesündeste Region der Vereinigten Staaten zu werden. New York Times Bestseller Autor Dan Buettner mahnt in seinem neuesten Buch „The Blue Zones Solutions“ zur Nachhaltigkeit. „Keine Diät der Welt hat jemals langfristig funktioniert“. Gesundheit und ein langes Leben solle man eher als längerfristiges Projekt betrachten, bestenfalls eines von Jahrzehnten oder eben lebenslänglich.

Die Verantwortung sieht er beim Einzelnen. „Jederzeit wenn ihr einen Bissen tut, überlegt euch, welche Auswirkungen das auf eure unmittelbare Umwelt hat. Unterstützt ihr damit ein gesundes Wohnumfeld, oder helft ihr, es weiter zu verschmutzen?“ Aber Advent dürfen wir schon noch feiern, oder?

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14 Lesermeinungen

  1. Warum?
    Liebe Frau von Kopp,
    können Sie mir bitte mal erklären, warum Mann und Frau 100 und mehr Jahre alt werden sollen?
    Die Welt soll immer mehr Menschen aufnehmen, nach den 9 Milliarden werden es dann 10 und 11 und wir sollen immer älter werden?
    Lassen Sie uns unsere „Sünden“ und machen wir den Weg frei für André Menschen!
    Natürlich ist eine gesunde Lebensweise mit mehr Bewegung besser.
    Heutzutage habe ich allerdings das Gefühl, es wird alles extremer ausgeführt. Lassen sie uns für eine moderate Lebensweise eintreten, gemäßigt und ohne Übertreibung weder in die eine noch in die andere Richtung.
    Dieses ständige Streben nach mehr geht mir auf den Zeiger.

    Mit lieben Grüßen
    Peter Riese

    • Möglicherweise haben Sie Recht lieber Herr Riese. Wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde ich dennoch lieber mit hundert Jahren gesund und hellwach Schafe hüten, als mit achtzig im Altersheim vergessen zu haben was es zum Frühstück gab. herzlich, Ihre Diana von Kopp

  2. Pingback: Lernen wir zu leben

  3. Lernen wir zu leben
    Wie auch immer, das mit dem sich niemals ganz satt essen, gleich, ob jetzt 80 oder 90 % gefüllter Magen, und nahezu gleich, was dessen Inhalt ist, halte ich auch so. Und darüber hinaus essen ich nur, wenn ich richtig hungrig bin, und nur das, was mir schmeckt. Einfache Dinge ziehe ich komplexen Genüssen vor. Obwohl ich diese auch nicht meide. Doch dann verbunden mit gewissen Ritualen, dem Gefühl des Besonderen. Genießen halt, aber mit Verstand. Ein wenig nach Epikur: Genießen heißt Prioritäten setzen. Und seitdem ich das tue, habe ich keinerlei Nahrungsmittelunverträglichkeiten mehr, und kaum noch Migräne, es sei denn nach zu viel, zumal schlechten Rotwein. Und da sind wir schon beim vielleicht wichtigsten Thema. Wie schädlich ist Alkohol im Verhältnis zur Schädlichkeit von billigen Gewohnheiten? Also den Dingen, die wir unter unseren Möglichkeiten anstellen? Also den Dingen, die uns nicht nur überfordern, sondern eher unterfordern. Schlechter Wein mag unseren empfindlichen biologischen Organismus überfordern, aber vor allem unterfordert er unseren Geschmack, also unsere ästhetischen Möglichkeiten. (Wenn wir uns nur schlechten Wein leisten können, sollten wir ihn ganz lassen, und vielleicht auf andere, billigere und bessere Laster umsteigen!)
    Worauf es ankommt, ist die Gesamtheit und die Wechselwirkung aller Einflüsse. Einflüsse, die alle zusammen, in ihrer Zellschädigung miteinander und auch gegeneinander wirken. Dass wir 100 werden können und sogar älter und dabei vor allem gesund bleiben, ist gar keine Frage. Doch wollen wir das auch, wenn wir doch fast unser ganzes Leben lang Langeweile erleiden müssen? Unterforderung! Unser Herz, hab ich mal gelesen, ist auf 150 Jahre Lebenszeit angelegt. Sterben tun wir dann oft aber an Nierenversagen, Diabetes, oder eben dann schlichtweg an Überdruss, infolge von Unterforderung – Langeweile. Organversagen vs. Lebensversagen. Lernen wir zu leben, dann werden wir vielleicht auch alt. Hoffen wir dann, dass das nicht zum Überdruss unserer Umwelt wird.

    • "Verhältnismäßig"...relativ...
      Wir Menschen leisten uns im Verhältnis zu unseren Möglichkeiten
      der Ratiowegfindung mäßig bis regelmäßig uns(er) „Selbst“ über
      den/die Leisten zu ziehen. Also relativ wenig bis relativ oft.
      Die „Wette“ die in der Relativität, in der Relativierung verborgen ist,
      zeigt sich im relativ friedlichen komplexen Mit- und Nebeneinander
      von Krieg und Frieden…Parallelitäten und Analogien der Geschichte.
      Fast schon relativ langweilig diese „same procedure every year“…
      um verhältnismäßig kurzweilige Genüsse zu erzeugen.

      Die „Wette“…das/der „Wetter“…die „Wette“R“(atio-Bildung-Weg)“…
      Energietechnisch atmosphärisch ästhetischer Interaktionswechsel,
      der jedoch bezogen auf die humane Weltatmosphäre und Interaktion
      doch relativ zynisch klingt…was die „Liebe““EVOL“ution der humanen Ratio betrifft.

      Zitat:
      „Strebe behutsam danach glücklich=gesund zu sein“,
      noch sei zynisch was die „Liebe der Evolution betrifft“.

      Geht der Mensch, gehen wir Menschen zynisch mit uns(erem)
      „Selber“ als humanes Evolutionsprodukt und auch mit
      der gesamten Erdschöpfung Erdevolution um?

      Fehlt Selbstbegreifung unserer „Selben“…“Selbst“ und „Selber“?

      Absolut kurzweilige Ratio-Reife-Genuß-Geistnahrung?

  4. Stimmt also: Wer rastet, der rostet
    und Menschen, die sich in Bewegung halten achten auch auf ihre
    Ernaehrung.

  5. Eine wirklich frohe Botschaft....
    …wäre, wenn die Völlerei nicht mehr als erstrebenswertes Lebensziel artikuliert würde. Wenn Kleinkinder aus Profitsucht schon mit möglichst viel Zucker, der als gesundes Lebensmittel beworben wird, gemästet werden, wie soll da ein gesundes Leben entstehen können. Seit Jahrzehnten schauen unsere Politiker zu, wie die Menschen systematisch vergiftet werden und unterstützen dies mit ihrer Politik. Das hebt so schön das BIP. Schafft Arbeitsplätze im „Gesundheits“-Wesen. Kranke demonstrieren nicht so wirkungsvoll wie Gesunde. Die paar Menschen, die nicht ab 18:00 in Reichweite des Fernsehers festgewachsen sind und sich lieber um ihr persönliches Heilsein bemühen, werden in der Regel gnadenlos verteufelt und wenns geht in die Tonne getreten. Blue Zones ist ein „schöner“ Begriff, der zu nichts anderem dient, als sich die wenigen Reste der Menschheit, die ihrem körperlichen und geistigen Wohl erste Bedeutung beimessen, schleichend unter Kontrolle zu bringen. Lange wird es nicht dauern, bis man denen Vorhaltungen macht, auf Kosten der Anderen so alt zu werden. Dann kann man sie isolieren und zumindest medial beseitigen. Ein Beispiel an ihnen nehemen kann man nicht, das bedeutete Einbußen beim Umsatz.

  6. Flucht in die Nische
    Als ich meinen Beruf Apotheker noch ausübte, es ist nun über 20 Jahre her, las ich die ärztliche Fachpresse, die regenmäßig über die Belastung der Atemluft Diagramme lieferte. Eines wurde klar. Nur an der Nordsee wurde man atmend auf die Dauer nicht vergiftet. Die Flucht in die Nische wurde obligat. Reine Luft und reines Wasser, eine natürliche Ernährung sind die Voraussetzungen für ein gesundes Alter. Andere Faktoren, etwa genetische kommen natürlich hinzu. Übrgens befindet sich die Halbinsel von Nicoya nicht in Nicaragua, sondern in Costa Rica. Ich habe dort drei Jahre lang in einem Dschungelhaus gelebt.

    • Danke für Ihren freundlichen Hinweis, Costa Rica muss es natürlich heißen und wurde im Text ergänzt.

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  8. Titel eingeben
    Was die zitierten Leute alle gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie in engen ländlichen Gemeinschaften oder auf Inseln leben, wo man sich gegenseitig unterstützt. Ich fragte eine Bekannte aus dem kanadischen Neuschottland, ob sie in ein Seniorenheim ziehen werde. Sie erwiderte:
    „Sowas brauchen wir nicht. Wir helfen uns doch alle gegenseitig.“

  9. "Blue Zones" ist marketingorientiert und daher nicht verlässlich
    So wird auf Sardinien tatsächlich VIEL Fleisch und wenig Fisch gegessen. Umgekehrt kling es halt besser. Und es scheint ein weit verbreiteter Gendefekt (Mutation die zum Favismus führt) ein Rolle zu spielen. Der überaus hohe Alkohol und Käsekonsum gilt auch nicht gerade als gesundheitsförderlich. Alles Tatsachen, die am Mythos des gesunden Lebensstils kratzen. Aber „Blue Zones“ ist halt ein nur zu werbewirksamer Titel (mit zugehörigem Buch), um es mit der Wahrheit genau zu halten. Dabei ist der verteufelte Alkohol eben doch in geringen Mengen überaus gesundheitsförderlich (zumal als Rotwein) und fettiger Käse von Weidetieren wegen vielen Omega-3-Fettsäuren ebenso. Nur gelten Fett und Alkohol eben oftmals pauschal als Gesundheitsfeinde. Dann wird doch eben lieber die Realität passend gemacht. Somit sind Ratgeber wie „Blue Zones“ kaum ernst zu nehmen.

  10. Putzerfisch oder Made im Speck?
    Blue(hende) Zonen(Landschaften) oder
    blue(hende) eyes(Veilchenaugen…Stacheldrahtzonen)?
    Hans im 100 jährigen Glück…weil er seine(n) Esel(Seele) trägt,
    und nicht als Lastenesel für Eitelkeiten, Gier, Geld, Macht…
    „Schulden“…mit tödlichem Zins…benutzt?
    Seele…Seh-Halle…3. Auge…Se(h)sam(en) öffne dich(Märchen)…
    Vernunft(gedanken)-halle-auge…Gehirn, „Schatzkammer voller
    Gold und Edelsteine…“, für 100 Jahre humane Gedanken und Bescheidenheit-Leben?
    Es ist Veilchenzeit auf der Erde, statt „Deine blauen Augen machen
    mich so sentimental“…100jähriges Gesundheitglück…
    Erde, Selbst, Gesellschaft, Geschehen…selbst wahrnehmen
    mit dem 3.Auge…nicht die Waage entscheidet über Gesundheit, es könnten ja Muskeln sein und nicht Fett…
    der „Spiegel“ zeigt die Wahrheit des Körpergewichtes, sowie
    die Gegenwart der Spiegel unserer aus der Schatzkammer geborgenen Schätze zeigt und erleben läßt…
    die wir Kraft unserer Gedanken zur Realität gemacht haben.

    • Korrektur
      ..,sowie
      die Gegenwart der Spiegel unserer aus der Schatzkammer geborgenen Schätze ist und unsere Wahrheit zeigt und uns unsere Wahrheit erleben läßt…

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