Food Affair

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Wie wir intelligenter essen

So lieben Veganer

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Activists with People for the Ethical Treatment of Animals(PETA), pose in front of Union Station as they celebrate Earth Day and promote a vegan diet in Columbus Circle April 22, 2016 in Washington, DC. / AFP PHOTO / Brendan SmialowskiPETA-Aktivistinnen werben mit ihrem (fast) nackten Körper für vegane Ernährung    Foto AFP

In Liebesdingen hat es der vegan lebende Mensch wahrlich nicht leicht. Der ideale Partner für einen Veganer, der in der Regel nicht aus Spaß, sondern aus moralischen Gründen auf tierische Produkte verzichtet, ist schließlich ein ebenfalls vegan lebender Mensch. Deren Anteil an der Gesamtbevölkerung ist allerdings lächerlich gering (höchstens ein Prozent), weshalb der Veganer genauso wie der Vegetarier oder Flexitarier Abstriche bei der Partnerwahl machen muss, die bei ihm allerdings besonders krass ausfallen dürften. Wie also lieben Veganer?

Die alternative Dating-Plattform www.Gleichklang.de hat gemeinsam mit dem Informations-Portal www.vegan.eu 1136 Veganer (936 Frauen und 200 Männer) die in einer festen Beziehung leben, nach den Ernährungsgewohnheiten ihrer Partner befragt. Das Ergebnis: etwas mehr als die Hälfte der Veganer gab an, der Partner esse ebenfalls kein Fleisch. Resümierend heißt es: „Grundsätzlich suchen sich insbesondere auch solche Veganer eine ebenfalls vegane oder vegetarische Person als Beziehungspartner, die die vegane Lebensweise als in besonders hohem Ausmaß für moralisch geboten halten.“ Andererseits aber hätten vegane Frauen häufiger einen fleischessenden Beziehungspartner, obwohl sie die vegane Lebensweise für mindestens ebenso stark moralisch geboten hielten, wie vegane Männer. Kurz: vegane Frauen drücken häufiger ein Auge zu. Nicht, weil ihre Kompromissbereitschaft besonders ausgeprägt wäre, nein, der Grund ist ein anderer: „Auf einen veganen Mann kommen im Durchschnitt drei vegane Frauen.“ Offensichtlich herrscht für vegane heterosexuelle Frauen, die einen veganen Beziehungspartner suchen, Männermangel. „Letztlich werden sich vegane Frauen daher wohl eher aus Not denn aus Begeisterung häufiger als vegane Männer doch für einen nicht-veganen Beziehungspartner entscheiden, wenn sie nicht partnerlos bleiben möchten.“ Wie sich diese „Not“ tagtäglich am Abendbrottisch äußert, wo die Schinkenscheiben ganz selbstverständlich neben den Möhren, Gurken und Blattsalaten liegen, möchte man sich lieber nicht ausmalen. Veganer sind ja nicht gerade berühmt für ihre Toleranz (deshalb wohl auch das vielsagende Wort „Not“).

Erst vor kurzem erboste eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung die Gemeinde der Veganer. Darin wurde vor einer veganen Ernährung gewarnt, weil sie im Säuglings- und Kindesalter erhebliche Gesundheitsrisiken berge. „Bei einer veganen Ernährung kann es aufgrund des Verzichts auf jegliche tierische Lebensmittel zu einer Unterversorgung mit Energie, Protein, Eisen, Calcium, Jod, Zink, Vitamin B2,  Vitamin B12 und Vitamin D kommen“ heißt es in dem Papier. Die Zufuhr langkettiger n-3 Fettsäuren sei ebenfalls gering. „Ernähren sich Stillende vegan und nehmen keine Supplemente ein, besteht das Risiko schwerer neurologischer Störungen und Entwicklungsverzögerungen für das Kind“. Das Vegan-Portal vegan.eu reagierte sofort und warf der DGE eine Reihe gravierender Fehler vor. Die Fronten sind verhärtet und werden es sicherlich bleiben. Ernährungsgewohnheiten sind zu einem derart beliebten Schlachtfeld geworden, dass man sich angesichts des Empörungsgrades mitunter die Augen reibt.

Der Food Report 2016 des Frankfurter Zukunftsinstituts beschreibt all diese Entwicklungen in einem recht harmlosen Ton: „Food, also die Art, wie wir uns ernähren, was wir wann essen, wo wir was essen, mit wem wir uns wo treffen, sagt mehr über uns aus als die Kleider, die wir tragen.“ Im Grunde ein alter Hut. Lisa von den „Simpsons“ weiß das schließlich seit sehr vielen Jahren, weshalb sie bereits 1995 zur Vegetarierin wurde – zu einer Zeit also, als Vegetarismus automatisch mit Verschrobenheit assoziiert wurde. Lisas Läuterung vollzieht sich nach einem Besuch in einem Streichelzoo, wo sie begeistert ein niedliches Lamm herzt. Als ihre Mutter Marge am Abend Lammkoteletts auf die Teller klatscht, wird Lisa von ihrem Mitgefühl überwältigt. Das arme Lamm! Tiere essen – für Lisa ist das in Zukunft ein Unding.

Einundzwanzig Jahre sind seit jenem magischen Moment vergangen. Zeit genug, findet ein junger Amerikaner namens Matt Hanson, dass sich Lisa weiterentwickelt – und zwar zur Veganerin. Hanson hat deshalb eine Petition ins Leben gerufen, die bislang mehr als 20 000 Menschen unterschrieben haben. Die Wucht der Simpsons, unser kulturelles Bewusstsein zu beeinflussen, ist Hansons Meinung nach enorm.

Als Lisa Vegetarierin wurde, hatte sie übrigens mit hartem Gegenwind zu kämpfen. Sieht man sich die alten Folgen an, denkt man: so in etwa muss es bei jenen Veganern zugehen, die „eher aus Not denn aus Begeisterung“ einem fleischessenden Partner gegenübersitzen.

 

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15 Lesermeinungen

  1. Sie lieben und sie schlagen sich...die "Veganer"...die (Reife-)"Wegahner"...
    mit den Reifeweg-Ahnungslosen?

  2. Ich bin Jäger und halte die vegane Lebensweise nicht für moralisch geboten
    Meine Frau hält nichts von der Jagd aber sie isst immer wieder gern einen Reh- , Hasen- oder Wildschweinbraten. Letztens hatten wir auch Gams, die ich sehr lecker zubereitet hatte. Hierzu war die gesamte Famile meiner Frau eingeladen. Darunter war auch eine 99-%-Vegetarierin, die den Braten ebenfalls sehr lecker fand. Die Gams wurde übrigens durch einen Kammerschuss auf 170 Meter von mir gestreckt. Ein einmaliges Jagderlebnis und minimale Leidenszeit für die Gams, nach 2 1/2 Jahren in der freien Wildbahn.

  3. Die Liebe der Veganer....
    Veganer, die nur Veganer lieben können, dokumentieren damit schön, daß ihre Einstellung zur Ernährung eben nicht primär eine Vernunftsentscheidung ist. Sie ist dann vielmehr das Bekenntnis zu einer Ersatzreligion.
    Und wie bei allen Religionen ist die Abgrenzung von den „Andersgläubigen“ ein wichtiges Element des Zusammenhalts.
    Insgesamt also intellektuell nicht einen Zentimeter höherstehend als der Eifler Durchschnittskatholik des 19. Jahrhunderts, der niemals einen Protestanten geheiratet hätte.

  4. Mann hofft darauf, dass sich das ändert
    Grundsätzlich kann ich nicht nachvollziehen, was an Veganismus verschroben sein soll? Wie soll die Toleranz eines Menschan aussehen, der aus tiefer Überzeugung das Quälen und Abschlachten von fühlenden Wesen ablehnt? Hier passt die Maxime „Jeder nach seiner Facon“ nicht. Fleischkonsum betrifft nämlich jeden. Meine Beobachtung ist, dass Menschen, die einen Veganer oder eine Veganerin leben sich auch mit der inneren Überzeugung auseinandersetzen, sich öffnen und tatsächlich auf Fleisch verzichten. Liebe hält viel aus. Wenn nicht, ist es wohl keine Liebe. Das Leben als männlicher Veganer ist toll. Go vegan ;)

  5. Marketingfehler durch Ernährung
    Über veganer Ernährung möchte ich gar nicht urteilen. Aber wie man so viele grundlegende Fehler bei der Verbreitung einer Idee begehen kann, ist mir ein Rätsel. Missionarisch, fundamental, ausgrenzend, radikal, dialogunfähig, kompromisslos und unverständlich – vielleicht liegt es doch an die Ernährung.

  6. Wo sind sie denn?
    „Veganer sind ja nicht gerade berühmt für ihre Toleranz.“ Das ist wieder so ein ungeprüfter Allgemeinplatz. Ich, Allesfresser, habe immer noch keinen von diesen ominösen Terrorveganern gefunden, obwohl ich nicht nur mit einer Veganerin in einer Beziehung lebe, sondern auch noch überdurchschnittlich viele im Freundeskreis habe. Weil das dennoch bei allen auf ziemlich entspannte Koexistenz rausläuft, frage ich mich, ob sich diese Gesinnungsterroristen vor mir verstecken, oder ob sie eine reine Erfindung sind, wie die Menschen, die angeblich an eine scheibenförmige Erde geglaubt haben. Im Übrigen ist dieser Blogeintrag ziemlich schwach recherchiert: Außer dem Verhältnis Männer zu Frauen in Sachen Veganismus habe ich nix gelernt. Dass hier ein Internetportal als stellvertretend für eine fiktive „Gemeinde“ herhalten muss, die eher eine Übereinstimmung eines bestimmten Lebensstils beschreibt, ist ein Kardinalfehler in Sachen Repräsentanz: Genausowenig existiert eine Netzgemeinde oder ein Zentralrat der Fliesentischbesitzer. Die meisten betrachten Veganismus als ihr Privatvergnügen und sind genau deswegen auch nicht missionarisch unterwegs. Zudem sagt der Streit zwischen DGE und vegan.eu nichts, gar nichts über irgendeine Form der Liebesbeziehung aus. Eine Geschichte ankündigen, aber eine andere schreiben ist aber „Thema verfehlt“.

    • Bei „schwach recherchiert“ kann ich Ihnen nicht zustimmen: es ist doch interessant, dass gerade ein Portal, welches Veganer gewissermaßen zueinander finden lässt, Frauen im Grunde unterstellt, sie würden sich aus „Not“ heraus für einen nicht vegan lebenden Partner entscheiden, um nicht alleine zu bleiben… Missionarisch unterwegs sein und moralisch urteilen werden hier außerdem gar nicht in einen Topf geworfen. Von Gesinnungsterroristen ist nirgendwo die Rede… Was aber auf der Hand liegt, ist doch: wer sich aus moralischen Gründen für einen bestimmten Ernährungsstil entscheidet, betrachtet andere Ernährungsweisen mitunter etwas strenger. Nicht umsonst ergab ja die Umfrage, dass sich vegan lebende Menschen auch einen vegan lebenden Partner wünschen und im Idealfall auch finden…

    • @Melanie Mühl
      Vielen Dank für die Antwort! Zugegeben, ich bin vielleicht etwas zu ironisch auf Ihren Beitrag eingegangen. Diese statistische „Not“ fand ich tatsächlich überaus interessant, leider ist das der einzige Abschnitt Ihres Beitrags, der zur Überschrift passt. Wie gesagt: Was der Streit zwischen DGE und irgendeinem Internetportal oder Lisa Simpson mir darüber erzählen, wie „Veganer lieben“, hat sich mir nicht so ganz erschlossen. Es gibt aber nachweisbar die Tendenz, über „die Veganer“ als homogener Gruppe zu schreiben, was sich mit meinen Erkenntnissen schlicht nicht deckt. Vor allem weiß ich nicht, warum – nennen wir sie mal – ‚gemischtkulinarische‘ Paare anderen Dynamiken unterliegen sollten als ‚homokulinarische‘: Funktionierende Beziehungen unterliegen immer Verhandlungsprozessen. Dass ähnliche Lebensstile für die Partnerwahl ausschlaggebend sind, ist dem Soziologen nichts Neues. Was ich vielleicht etwas streng mit „schwacher Recherche“ betitelt habe, war eben das: IIn Ihrem Beitrag hätten Sie tatsächlich am Punkt der Liebenden etwas in die Tiefe gehen können, nachfragen wie diese Paare sich arrangieren – und die DGE und die Simpsons weglassen. Das mit den Gesinnungsterroristen war bewußt ironisch gewählt, in froher Antizipation welche Kommentare hier noch auftauchen würden: Es gibt eine nachweisbare Tendenz, dass Veganer als missionarische Eiferer nicht nur in den Medien wahrgenommen werden. Allerdings ist nur eine geringe Minderheit von jenen überhaupt organisiert, weswegen auch die Plattform ‚vegan.eu‘ nicht als Sprachrohr einer Bewegung gelten kann. Generell sollte man Internetplattformen mit Vorsicht genießen, aber vielleicht bin ich da als Vertreter der ‚grounded theory‘ da auch etwas pingelig.
      Also nix für ungut und danke, dass Sie hier mit mir diskutieren :)

    • :) ja, da haben Sie Recht was die Liebe und das Verhandeln unter Paaren betrifft, ein interessanter Punkt – arrangieren muss man sich freilich immer, mal mehr, mal weniger, es wäre spannend zu wissen, wie es konkret zwischen Veganern und „Allesfressern“ funktioniert. Stelle ich mir nicht ganz leicht vor – aber vielleicht täusche ich mich da ja auch.

    • Titel eingeben
      Der Zentralrat der Fliesentischbesitzer ist empört, ob Ihrer Zweifel an seiner Existenz!

      Weiterhin, Ich habe schon ein paar von diesen missionierenden Nervtötern kennengelernt, aber im Endeffekt stimme ich Ihnen zu. Eher weniger denn mehr sind so auf Streuung Ihrer „Religion“ getrimmt.

    • @Melanie Mühl
      Konkret kann ich Ihnen das nur aus meiner eigenen Erfahrung sagen: Bei uns ist das relativ entspannt: Im Kühlschrank gibt es eine Ecke, in der nur veganes Essen liegt und da wir wie die meisten Haushalte gleich mehrere Pfannen und Töpfe haben, kommt sich da auch nix in die Quere. Wir sprechen täglich darüber, wer auf was zu essen Lust hat – schon hat sich das geklärt, ob zweimal gebraten werden muss. Als Landei konnte ich dem fertig abgepackten Fleisch aus dem Supermarkt noch nie so wirklich etwas abgewinnen, so dass ich nach dem Umzug in die Großstadt ohnehin weniger, dafür viel teureres und besseres Fleisch gegessen habe. Was ich aber durch den Veganismus mitgenommen habe: Ich koche besser. Durch die Konfrontation mit seltsamen Produkten wie Seitan oder Sojagranulat habe ich einfach mehr Techniken auf der Pfanne (pun intended). Letztendlich meine ich das mit dem Allesfresser auch so: Ich esse wirklich alles. Es ist ja nicht so, dass für Fleischesser vegane Produkte tabu sind (um das Bier wäre es sehr schade), deswegen habe ich ernährungstechnisch einfach mehr Optionen als meine Lady. Der (unausgesprochene) Deal sieht so aus: Ich habe mir angewöhnt, Zutatenlisten zu lesen, und sie kommt damit klar, dass es ab und an nach Steak riecht.

      Nachtrag: Etwas ist mir noch aufgefallen: Wenn man das Geschlechterverhältnis umdreht, also 3 Männer auf eine Frau, kann man im Abschnitt über „Not“ eine andere Gruppe einsetzen, ohne Fehler zu produzieren. Zum Beispiel statt „Veganer“ „Metalheads“ und statt „vegan“ „Metal hörend“. Probieren Sie es mal aus: Bei der Partnersuche fängt offenbar jeder erst bei sich selbst an zu suchen.

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  8. NO"T"-"T"ON...AU"TON"OMIE...der Psyche-Seele-Leben-Schöpfung achten-Schrei?
    Zitate:
    Durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakter als durch das, was sie lächerlich finden.
    Johann Wolfgang von Goethe

    Der Hauptunterschied zwischen etwas, was möglicherweise kaputtgehen könnte und etwas, was unmöglich kaputtgehen kann, besteht darin, dass sich bei allem, was unmöglich kaputtgehen kann, falls es doch kaputtgeht, normalerweise herausstellt, dass es unmöglich zerlegt oder repariert werden kann.
    Douglas Adams

    Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.
    Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)

    F“R“EI-heit = „R“EIF-heit?

    Nichts ist so ernst zu nehmen wie das nicht geklärte Unwichtige, denn wenn das nicht geklärte Unwichtige
    ernst macht, wird es uns als ernst zu klärendes Wichtiges überraschen, im Gegensatz
    zum erklärt Wichtigen, das uns oft als Unwichtiges überrascht, wenn es ernst wird.
    Wolfgang Hennig

    Das Unwichtige…das „lächerliche 1%“?

    übertriebenes „Gleichnis“?
    Die Not, der Ton…der Ton, die Not…die „Stalinorgel“.

    Ist (Hu)man hinterher immer schlauer?

    Die Gleichgewichtnot=REI“F“E-not(wenigkeit) des Geistes macht
    Töne…Laute…Musik…“LOV“E“-songs=“E“VOL(ution)-songs…
    Die „Melodien“ auf dem Weg der humanen VernunftREIFE(-Evolution).

    • Titel eingeben
      Kaum zu glauben, dass ein solch wirrer Artikel an einem Mittwoch Vormittag um 11:30Uhr entstanden sein kann. Aber bei veganer Ernährungsweise verwundert das weniger.

    • @Markus Hollubarsch
      Ich lese das nicht als wirren Artikel, sondern als Persiflage des Blogs, der unter dem Moniker „So lieben Veganer“ ziemlich im Trüben fischt und für Beziehungen zwischen Veganern und Nichtveganern den Streit zwischen der DGE und einem Internetportal anführt: Mit genug Willen kann man alles in alles hereinlesen. Ich habe mich amüsiert (Über Herrn Hennings Kommentar)

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