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Wie wir intelligenter essen

Ist es gesünder, mit den Händen zu essen?

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Manipulierter Geschmack: Die Aromagabel© F.A.Z.Manipulierter Geschmack: Die Aromagabel

 

Beginnen wir mit einer etwas albernen Spielerei, der Aromagabel. Die Aromagabel verspricht „ganz neue Geschmackskombinationen und –erlebnisse“ und wird in einem Set mit mehreren Duftstoffen geliefert.  Ihre Besonderheit besteht in einem kleinen Loch nahe der Zinken, in das man ein dünnes, löschpapierartiges Plättchen legt und es je nach gewünschtem Aroma mit einer der Flüssigkeiten beträufelt. Zur Auswahl stehen zum Beispiel Minze, Mandel, Banane, Erdbeere, Basilikum, Kokosnuss, Zimt, Wasabi und Rauch, wobei das Aroma Rauch so widerlich riecht, als stünde man in einer der engen Raucherkabinen am Flughafen. Die Website enjoymedia.ch bewirbt die Gabel mit folgenden Worten: „Manipulieren Sie Ihren Geist und überlisten Sie Ihre Sinne! Experimentieren Sie mit bizarren und ungewöhnlichen Geschmacks- und Duftkombinationen und bringen Sie sich und Ihre Gäste zum Staunen. Das ist keine Magie, sondern pure Wissenschaft, die trotz allem verzaubert! Unsere Geschmacksknospen können normalerweise nur zwischen 5 unterschiedlichen Geschmacksrichtungen unterscheiden. Die Aromagabeln werden diese Anzahl jedoch verdoppeln, indem Sie Aromen verströmen, die beim Essen über die Nase aufgenommen werden.“ Der Text liest sich, als könne uns nur die Aromagabel aus der geschmacklichen Ödnis, in der wir festsitzen, befreien, was nicht nur absurder Marketingsprech ist, sondern schlicht falsch. Kein Mensch benötigt eine Aromagabel, um das Aroma einer Erdbeere zu riechen.Interessanter wird die Neuinterpretation der Gabel bei der Japanerin Hiromi Nakamura, die eine elektrische Gabel erfunden hat. In einem Interview sagte sie: „Wir entwickeln Geräte, die der Zunge einen elektrischen Stimulus zufügen. Und erfinden hierdurch eine Art virtuellen Geschmack.“ Nakamura vergleicht Geschmack, der durch elektrische Stimulation auf der Zunge entsteht, mit Tönen, die im Ohr hervorgerufen werden. Beides seien Schwingungen, die sich künstlich erzeugen ließen.

„Mit dieser Form von Food-Hacking können wir den Geschmack echten Essens virtuell abmildern oder verstärken“, sagt Nakamura. Es geht dabei nicht um technische Spielereien für gelangweilte Feinschmecker, sondern um neue Möglichkeiten, Ernährungsprobleme zu lösen, wie einen zu hohen Salzkonsum. Elektrizität erhöht die Intensität der salzigen Geschmackswahrnehmung – oder verringert sie, je nach Wunsch.

Die Gabel nimmt seit jeher eine Sonderstellung unter den Esswerkzeugen ein. Das sie lange Zeit umstritten war, mag angesichts der Tatsache, dass wir sie mittlerweile als Kuchengabel, Fischgabel, Pommesgabel, Salatgabel, Fleischgabel und Cocktailgabel kennen, zwar erstaunen, doch zum Essen benutzte man lieber, wie in weiten Teilen der Welt nach wie vor üblich, die Finger. Allenfalls „zum Herübernehmen des Fleisches von der Platte“ war die Gabel in Gebrauch, schrieb Erasmus von Rotterdam über die Tischsitten um 1500. Ja, es gab sogar eine regelrechte Aversion gegen Gabeln. Sie zu benutzen galt als „weibisches Geziere und sinnloses Getue“. So wurden denn auch die ersten „Gäbelchen in italienischen und französischen Adelskreisen für Konfekt und Obst benutzt.“

Charles Loring Brace, ein amerikanischer Anthropologe, war offenbar besessen davon, herauszufinden, wie es menschheitsgeschichtlich zum Überbiss kam. „Brace“, schreibt Bee Wilson in ihrem Buch „Am Beispiel der Gabel“, „vermutet, dass die Nahrungsaufnahme in vormodernen Zeiten hauptsächlich nach der von ihm so genannten Methode des ‚Reinstopfens und Abschneidens‘ erfolgte.“ Man ergreift dafür zunächst die Nahrung mit der Hand, schiebt sich das überstehende Ende in den Mund und hält es mit den Zähnen fest. „Zuletzt reißt man den Hauptteil oder schneidet ihn ab.“ Der wahre Zweck der Schneidezähne sei nicht das Schneiden, sondern das Umklammern der Speisen im Mund. Brace schreibt: „Ich hege den Verdacht, dass die Schneidezähne, sollten sie vom Zeitpunkt des Durchbruchs an mehrmals täglich auf diese Weise verwendet werden, normalerweise in die Position des geraden Bisses rücken.“

Höchste Zeit also, wieder einmal mit den Händen zu essen.

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5 Lesermeinungen

  1. Ist es gesünder mit der Gabe"l"(ove=Vernunft) zu essen?
    Mit den Händen essen…das Essen, die Speisen „begreifend“ wahrnehmen…phys.?
    Mit der Gabe-„l“ essen…die „L“-Aromen speisend „begreifen“…
    mit der Zunge…geschmacklich…phys./psych./selig/geistig?
    Begreifen…Beg(egnungs)reifen?…
    (Speisen-)Schöpfungsgeist-speist-Human phys./geistig?
    Unser „Begegnungsleben“…ar“omen“(er)l(i)ebendes…
    Wahrnehmungsreifeleben…auch Human-Aromentherapiereifeleben?
    „L“=Love=Vernunft=Lot=Balance=Gleichgewicht…begreifen…
    auch psychogeschmackliches Begegnungsreifen?
    Ohne Begegnung keine Speisung…Speisegaben…Speisenahmen…
    Liebe geben/nehmen-Gegenliebe geben/nehmen…
    Die Gabe „L“…?:=)

  2. Sie können, liebe Frau Mühl, sehr gerne mit den Händen essen, andere mit der
    Gabel, aromatisiert, herrisch, weibisch oder sinnlos, ich hingegen halte mich an jenen alten Trick und esse mit dem Mund! Keine elektrisierte Mehlpampe zum „Reinstopfen“! Frische Karotten, Paprika, Mango oder Minze! Duftgabeln sind doch eher fragwürdig. Aber vielleicht ein Fortschritt gegenüber Duftsprays, die kürzlich eine arme Restaurantmitarbeiterin derart versprühte, bis ihr Arbeitsplatz in die Luft flog und Terror-Ermittler vor der Tür standen. Mit einer Gabel wäre das nicht passiert! Sollten die Exit-Wünsche allerdings weiter zulegen, könnte Juncker sie als Terrorwaffe deklarieren, um jene Haushalte zu überwachen, die nichts zu verbergen haben. Dann blieben Stäbchen, um das Fleisch herüber zu reichen, das heißt jene Hälfte, die uns die SPD noch erlaubt. Ist das eine Verschwörung zwischen Gabriel und Schäuble, um zu sparen? Folgt dann der EU-xit von Spanien, dem europäischen Gemüsegarten, bleibt dem deutschen Durchschnittsleistungsträger tatsächlich nur mehr ein Stück Löschpapier mit Erdbeer- oder Salat-Aroma drauf! Statt der guten Stulle! CO2-neutral, alternativlos… Frau Mühl, mir graut!

    • Apropos Duftsprays: das fällt mir jene Szene ein, als eine Bekannte einmal beim Bäcker rasch ein paar Teilchen kaufte und dann wie verrückt ihre Wohnung mit irgendeinem Spray vernebelte, dass Backgeruch verströmte – kurz, bevor der Besuch klingelte….

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