Food Affair

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Wie wir intelligenter essen

Warum wir im Winter zunehmen

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Mandarinen-Yoghurt-Mousse als Dessert Stimmungsessen: Mandarinen-Yoghurt-Mousse         Foto Wonge Bergmann

Der September war der bessere August, und er hat uns doch noch mit dem Sommer versöhnt. Nun aber kommt der Herbst, den Henri de Toulouse-Lautrec einst als den Frühling des Winters bezeichnete. Woran er bei dieser schönen Formulierung nicht gedacht haben dürfte, ist, dass sich unser Körper um- und auf die neue Jahreszeit einstellt. Die Tage werden kürzer, die hellen Stunden weniger, die Temperaturen sinken und manch einen plagt die Melancholie, weshalb er sich verstärkt nach wohligen Gefühlen sehnt – auch beim Essen. An dieser Stelle kommt das „Mood Food“ ins Spiel, auch Stimmungsessen genannt. Dessen trostspendende Kraft gewinnt mit Beginn der kühlen Jahreszeit an Bedeutung. Wie empfänglich die Psyche für Trostessen ist, ist freilich eine Frage des Typs. Die Wissenschaftlerin Shira Gabriel von der New York State University fand heraus, dass Stimmungsessen von Menschen bevorzugt wird, die ein Grundvertrauen in soziale Bindungen haben. Emotionaler Stress weckt bei ihnen das Bedürfnis, sich in die (groß-) elterliche Küche zurückzuträumen und dort zu verkriechen. Kein Wunder also, dass geliebte Gerichte aus Kindertagen wie Pfannkuchen, Pudding, Milchreis oder auch eine kräftige Hühnersuppe beliebte Seelentröster sind.

„In den Wintermonaten verändert der Körper seine Präferenzen für Nahrung“

Hinzu kommt, dass wir uns, freundlich formuliert, evolutionsbedingte Energievorräte für die Zeit der Kälte und Dunkelheit zulegen. Weniger freundlich formuliert futtern wir uns Fettpöslterchen (oder Polster) an, als lebten wir noch in einer Zeit, in der das Essen das Überleben sicherte und nicht unseren Appetit und unsere Lust befriedigte. „In den Wintermonaten verändert der Körper unter anderem seine Präferenzen für Nahrung. Im Winter isst man mehr Kohlenhydrate, im Sommer mehr Proteine. Die Tatsache, dass wir Weihnachtsplätzchen backen, hat also unter Umständen nicht nur traditionelle Gründe, sie sind schnelle Energienahrung“, erklärte der Chronobiologe Till Roenneberg von der Ludwig-Maximilians-Universität München unser verändertes Ernährungsbedürfnis in einem Interview. Und ergänzte: „Die meisten Menschen sind es nicht mehr gewöhnt, den jeweiligen Jahreszeiten angepasst zu leben. Sie wollen jederzeit topfit und aktiv sein. Doch das ist ein Fehler, weil wir als biologische Lebewesen in der Jahresstruktur leben. Der Winter ist per se eine Jahreszeit, in der wir länger schlafen. Man sollte deshalb versuchen, seinem Schlafbedürfnis nachzugeben und auch akzeptieren, dass man schlapp ist und Ruhe braucht.“

Mehr Schlaf kommt, was erstaunlich klingen mag, auch unserem Gewicht zugute. Zugespitzt könnte man sagen: Je kürzer die Nächte, desto dicker der Bauch. Zu wenig Schlaf macht hungrig und vermindert die Selbstkontrolle. Das Sättigungshormon Leptin wird im Schlaf ausgeschüttet und signalisiert dem Körper, dass er satt ist, weshalb er es überhaupt schafft, zehn Stunden lang ohne Nahrung auszuhalten. Wer kurz schläft oder schlecht, öffnet dem Hungerhormon Ghrelin Tür und Tor.

Fazit: Um die Gefahr des Trübsinns zu bannen, kocht man in den nächsten Monaten am besten häufig sein Stimmungsessen. Rohkost wärmt weder unseren wärmebedürftigen Körper, noch versorgt sie uns mit der nötigen Energie. Für unsere Vorfahren war der Übergang vom Rohen zum Gekochten übrigens ein Effizienzglücksfall, was wir heute gern vergessen: Das Kauen der zähfaserigen Pflanzenkost dauerte viele Stunden, für die Verdauung musste extrem viel Energie aufgewendet werden. Durch das Kochen wurde die Konsistenz der Nahrung zarter, die Verweildauer im Magen sank, und die Verwertbarkeit von Nährstoffen stieg. Die Verdauungsorgane schrumpften, das Gehirn wuchs. Es war das Kochen, dass uns schlau machte.

Das Buch:

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-kunst-des-klugen-essens/978-3-446-44875-9/

Mühl_Kopp_Essen_FINAL.indd

 

 

 

 

 

 

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3 Lesermeinungen

  1. Vitamin D Mangel!
    Ab Oktober kommt die Sonne nicht mehr hoch genug, so daß die Haut kein Vitamin D mehr bilden kann. Der Körper nutzt jetzt die Reserven. Wenn der Vitamin D Spiegel zu stark sinkt, kann kein Calcium mehr aufgenommen werden, Parathormon steigt und der Körper baut das Skelett ab, um den Calcium Spiegel im Blut genügend hoch zu halten. Deshalb sollte man unbedingt den 25-OH Vitamin D Spiegel testen lassen. Werte oberhalb von 50 ng/ml sind gut. Ansonsten muß man Tabletten nehmen. Ich habe festgestellt, daß mein Appetit deutlich abgenommen hat, seitdem ich einen hohen Vitamin D Spiegel habe. Ab April steht die Sonne dann mittags wieder hoch genug, und man kann den Vitamin D Bedarf wieder durch Sonnenbaden decken.

  2. Herbstmärchen
    Dieser Artikel klingt doch mehr nach am Lagerfeuer erzählten Sagengeschichten als nach solider Wissenschaft. Ein wenig Forscherglaubwürdigkeit möchte sich die Autorin durch Wörter wie Leptin und Ghrelin erschleichen, damit der Leser nicht sogleich merkt, wie dünn das Brett ist, das hier gebohrt wird.

  3. Warum wir im Winter zunehmen
    Das wird die Untergewichtigen freuen, in Euphorie versetzen,
    die Übergewichtigen bestürzen, in Depression führen,
    die Normalgewichtigen nicht tangieren?
    Poltherapie für Untergewichtige, Äquatortherapie für Übergewichtige,
    Mittelmeer-Urlaub für Normalgewichtige?
    Escalierendes Wissen, deescalierendes Wissen, Augenmaßspiegelweisen?
    Atmosphärenart Jahreszeiten Nahrung-Stimmung…
    Atmosphärenart Geschäftsessen Nahrung-Stimmung…
    Atmosphärenart Augenmaßspiegel Nahrung-Bestimmung…
    im Zusammenhang mit jahreszeitlicher, monatlicher, wöchentlicher, täglicher, morgendlicher, mittaglicher, abendlicher, stündlicher, minütlicher, sekündlicher…
    Nahrungsverwertungsenergiedifferenz(en) wird’s komplizierter
    statt klarer, transparenter?
    Mein Sohn sagte in einem anderen Zusammenhang zu mir:
    Manchmal ist es gut nicht so viel zu wissen.

    Am Ende landen wir doch beim Augenmaß, Vernunftspiegelmaß?…

    Mandarinen-Yoghurt-Mousse…je nach Jahreszeit mehr oder weniger
    oft…aber entweder für alle Menschen oder für keinen?…
    aus Vernunft-Empathie heraus?:=)

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