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Food Affair

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Wie wir intelligenter essen

Und Alkohol ist doch eine Lösung

| 15 Lesermeinungen

Foto A.P.L.  Regie: Michael Patrick King 12 Mai 2008 SSQ66225 A.P.L. Allstar Picture Library/New Line Cinema **Achtung** Für dieses Bild gilt: Nur redaktionelle Nutzung, Copyright: New Line Cinema und/oder der vom Rechteinhaber beauftragte Fotograf. Verwendung ausschließlich für redaktionelle Berichterstattung in Zusammenhang mit diesem Film und entsprechender Filmtitelnennung. Cover-, Buch-, Kalendernutzungen und ähnliches nur nach vorheriger individueller Absprache. Fotovermerk ist obligatorisch und muß den Hinweis New Line Cinema enthalten. Sofern angegeben sollte auch Nennung des Fotograf erfolgen. Kommerzielle Nutzung jedweder Art ist untersagt, eine Freigabe ist nur möglich, wenn die schriftliche Genehmigung des Rechteinhabers eingeholt wird.    **Warning** This Photograph is for editorial use only and is the copyright of New Line Cinema  and/or the Photographer assigned by the Film or Production Company & can only be reproduced by publications in conjunction with the promotion of the above Film. A Mandatory Credit To New Line Cinema is required. The Photographer should also be credited when known. No commercial use can be granted without written authority from the Film Company. Rollenname(n): Charlotte York,Samantha Jones & Miranda HobbesEin Bild aus vergangenen Tagen, aber zukunftsweisend                                                            Foto A.P.L.

Wer je die Mini-Bar eines Hotelzimmers geplündert hat, weiß, dass das Auschecken peinlich werden kann. Eine Freundin, nennen wir sie K., übernachtete unlängst in einem nicht ganz günstigen Hotel. Sie war mit einem Mann verabredet und wie früher mit 15 ein klein wenig aufgeregt, weshalb sie, bevor sie aufbrach, einen Blick in die Mini-Bar warf. So ein Gläschen Wein, dachte sie, wäre jetzt gut. Sie trank also den Wein (0,3 Liter). Sie trank auch einen Gin Tonic und einen Baileys auf Eis. Dummerweise war sie, die selten Alkohol trinkt, nun nicht nur von ihrer Nervosität befreit, sie war auch leicht berauscht. Ihre Verabredung bekam davon später höchstwahrscheinlich nichts mit, wobei man das ja nie so genau sagen kann, weil man in einem solchen Zustand die dahingeplapperten Dummheiten sofort wieder vergisst. Wie glasig die eigenen Augen sind, sieht man nicht. Ganz zu schweigen von den fahrigen Bewegungen. Am nächsten Morgen jedenfalls trank sie („Brand“) noch einen Apfelsaft und ein absurd teures, nach Brause schmeckendes Vitaminwasser. Als die Rezeptionistin sie beim Begleichen der Rechnung freundlich fragte: „Kommt noch etwas aus der Mini-Bar dazu?“ zählte sie die Drinks auf. Sie lachte und sagte, „hab ich natürlich nicht alle alleine getrunken!“ Die Rezeptionistin lachte auch.

Ich empfahl meiner Freundin als Entlastungslektüre das Buch „Die trinkende Frau“ von Elisabeth Raether. Bei den kurzen, amüsanten, klugen Texten, die teilweise als Kolumnen in der „Zeit“ erschienen sind, handelt es sich nicht um ein Plädoyer für ungezügelten Alkoholkonsum, sondern um eins für mehr Genuss. Und Gelassenheit. „Die trinkende Frau“ ist ein Anti-Optimierungsbuch. Spaß ohne Reue, Averna statt grüner Smoothie. Nach wie vor irritieren ja Frauen, die ab und an mal ein paar Drinks nehmen. Männer nehmen Drinks. Frauen nippen an ihrer Weinschorle und bewahren Haltung. Für sie gelten bekanntlich andere Regeln als für Männer, nämlich strengere. Überall würden Drinks gegendert, so Raether. „Fast jede Kultur unterscheidet in männliche und weibliche Getränke“, wobei weibliche Drinks immer schwächer, süßer, weicher und nicht so rein seien. „Praktischerweise kann man diese Zuschreibungen dann gleich für die Frauen selbst verwenden.“

Ein Kapitel trägt den Titel „Schüchtern sein“. Bei diesem Kapitel dachte ich an meine Freundin K., die zwar niemand für schüchtern hält, doch es sieht eben auch niemand ihren inneren Kampf. Schüchternsein sei altmodisch, schreibt Raether. „Als würde man in einer Pferdekutsche durch die Stadt fahren. Es ist schließlich das Zeitalter, das keine Scheu kennt.“ Zurückhaltung gelte geradezu als weibliches Wesensmerkmal. „Diese Bescheidenheit im Auftreten wird auch allseits bewundert – wie angenehm, so wenig Testosteron, so wenig Ego.“ Freilich ist Elisabeth Raether, die immer noch schüchtern ist, klar, dass man nicht ständig angeschickert sein kann. (K. weiß das auch, trotzdem belustigt sie diese Vorstellung.) „Wenn jemand eine Kamera auf mich richtet, drehe ich mich weg wie ein sechsjähriges Mädchen. Aber peinliche Momente sammle ich inzwischen wie Trophäen, weil sie zeigen, dass ich etwas riskiert habe“. Da dachte ich wieder an K. Denn genau darum geht es doch im Leben: etwas zu riskieren.

 

Das Buch

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15 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    Wunderbar.

  2. Erfrischend
    Zwischen Glosse und Buchbeschreibung, kleine Bosheiten, das alles nicht politisch korrekt, nicht umfassend abwägend und vielleicht deshalb erfrischend zu lesen. Danke für Artikel außerhalb des mainstreams!

  3. Durst ist keine Minibar-Triebfeder
    Sage mir, wie einsam Du dich fühlst – und ich sage Dir, wie leer deine Minibar ist.

  4. Minibar - muss nicht sein
    Warum die Minibar plündern, wenn einem doch in jeder Großstadt – und in die verschlägt es alleinreisende Berufsmenschen in den allermeisten Fällen – abends, wenn nicht gar rund um die Uhr geöffnete Läden zur Verfügung stehen? Das fängt schon beim Mineralwasser für die Nacht an, von dem man zum Preis der Minibar-Offerte im gewöhnlichen Laden gleich einen halben Kasten kaufen kann!

  5. Wo fängt der Genuss an?
    Ist das Gegenteil von Alkoholverzicht wirklich der entspannte Konsum von Massenalkohol im Wert von unter 10€/l, oder, wenn es mal was nobles sein soll, demselben Alkohol zum Preis von 80€/l weil er in kleinen Flaschen in einer Hotel-Minibar gelagert wurde? Ich finde, ein Plädoyer für Alkoholgenuss lässt sich nicht darauf beschränken, den weniger süßen, hochprozentigeren Alkohol für Frauen „freizugeben“. Das hat mit Genuss – behaupte ich – nichts zu tun. Denn das Alkoholgehalt/Preis-Verhältnis kennt in Deutschland nur eine Grenze, die Alkoholsteuer, und das heißt, hochprozentiges kann praktisch beliebig schlecht sein. Und ist es. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der schnell gekaufte Alkohol (also breit verfügbar, meist günstig) seltenst etwas mit dem eigentlichen Produkt zu tun hat. Ob es nun Rum ist, Gin, Cachaca, Whiskey, Wein, Sekt, … : Den hochprozentigen Alkohol gekauft zu haben bringt einem nichts zuverlässig außer Trunkenheit. Diese für Frauen gesellschaftsfähig zu machen ist sicherlich im Sinne der Gleichberechtigung, aber ein hehres Anliegen eher weniger. Ich würde Frauen raten, wenn sie trinken, etwas hochwertiges zu trinken, dafür seltener. Das steht auch Männern besser, sie wissen es nur oft nicht, und kann für Arten der Abwechslung jenseits von Alkoholrausch sorgen, die man von Sierra Tequila, Pitu, Jelzin Wodka, J. P. Chenet oder Johnny Walker nicht einmal erahnen kann.

    • Das kommt schon
      Alles was Sie schreiben, unterschreibe ich. Ich denke, das ist aber auch von Generation und Soziotop abhängig. Die Unterteilung in Männer- und Frauengetränke ist zunehmend unzeitgemäß. So einige Frauen in meinem Freundeskreis (meistens Akademikerinnen, fast alle grade über 30) können mit einem Islay definitiv mehr anfangen als mit Billigwodka oder bonbonbuntem Sirup mit künstlichem Aroma. Das gut gezapfte Pils kommt im übrigen auch besser an als „MM Extra“ mit dem folgenden Schädel. Andersrum greifen gerade ganz junge Männer verstärkt zu Alkopops und Biermixen.

    • Ha! Genauso erlebe ich das auch.

  6. Alkohol ist keine Lösung
    aber wie soll man dieses Land noch anders ertragen als im Vollsuff.
    „enivrez vous“ Charles Beaudelaire

  7. Pferdekutsche
    Wer mit einer Pferdekutsche durch die Stadt fährt, muss sehr mutig sein. Ich weiß das, denn ich höre meine Flüche, wenn ich einem solchen ortsveränderlichen Verkehrshindernis hinterher zuckeln muss.

  8. Fetale Alkoholsyndrom
    Früher war es verpönt, das Frauen im gebärfähigen Alter Alkohol tranken. Heute ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts im Durchschnitt jedes 350 neu geborenes Kind geistig behindert weil die Mutter getrunken hat. Ein Obolus für die Sozialkassen auf Mini-Bars (Alkohol) wäre meiner Meinung nach durchaus angebracht.

  9. Did you have something from your minibar?
    „Never!“
    Allein schon um dieser Frage jedes Mal beim Auschecken mit der gleichen kurzen Antwort zu begegnen, rühre ich das überteuerte Zeug lieber gar nicht erst nicht an. Zu viele Vielreisende bringen sich als Souvenir von ihren einsamen Hotelzimmernächten ein uneingestandenes Alkoholproblem mit. Um die Autorin und ihre Freundin K. nicht komplett der titelgebenden Lösung zu berauben, schlage ich als Alternative einen entspannteren Umgang mit dem Phänomen „alleinreisende Dame an der Hotelbar“ vor. Dann braucht sich niemand verschämt auf seinem Zimmer zu verkriechen…

    Das „Nicht Anrühren“ ist im Übrigen wörtlich zu nehmen, denn oft sind moderne Minibars mit Kontaktsensoren oder Kameras versehen. Selbst wenn die Neugier einen verleitete, ein Fläschchen oder Päckchen auch nur anzuheben, klingelte schon die Kasse – und es bedurfte einiger Überzeugungskraft, die betreffende Position wieder von der Rechnung streichen zu lassen. Ob ein Verweis auf die bisherige Historie unter dem Stichwort „Never!“ dabei hilfreich sein kann, ist allerdings noch nicht unter Beweis gestellt…

  10. Und Alkohol ist doch eine Lösung.
    W.H.IS-KEY

    • "Denn genau darum geht es doch im Leben: etwas zu riskieren."
      Persönlichkeitsverlust…Leben im (Dauer-)Rausch leben…
      im Rauschzeitfun-Zeitrauschfun leben, als Persönlichkeit
      erleben fällt mangels Erinnerungsverlust aus.
      No risk no fun…but sun.

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