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Food Affair

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Wie wir intelligenter essen

Unser Körper ist klug!

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xxxdpaLiebt ein gutes Mittagessen: die Bestsellerautorin Giulia Enders                                   dpa

Warum ist die Ernährung für unser Wohlbefinden so wichtig – und welche Rolle spielt dabei der Darm?

Wenn wir nachfühlen, wie es uns so geht, dann betrifft das unseren gesamten Körper – nicht nur das Gehirn. Das Gehirn ist ein toller Manager, der alle Infos sammelt und koordiniert. Schaut man die Nerven an, die Darm und Hirn verbinden, gehen 90 Prozent der Informationen vom Bauch zum Kopf und nicht andersherum. Man kann sich also gut vorstellen, dass auch die Infos über unsere Ernährung mitgeteilt werden und in unserem Gesamtzustand einfließt.

Welche Nahrung tut unserem Darm besonders gut? Und warum?

Das was gut schmeckt und zufälligerweise auch noch gesund ist. Das ist die beste Kombination! Ich glaube fest daran, dass unser Körper ein kluger Körper ist und wir ihm glauben können, wenn er Lust auf etwas hat. Er kann nichts dafür, dass die moderne Nahrungsmittelindustrie ihn mittlerweile leider gewitzt austricksen kann, mit Dingen, die so nie in der Natur wachsen würden. Gemüse und abgekühlte Kohlenhydrate (wie in Kartoffelsalat oder Sushi-Reis) füttern unsere Bakterien oft besonders gut, weil die Stärke beim Kühlen auskristallisiert und nicht sofort im Dünndarm abgebaut wird, sondern ein größerer Teil auch noch im Dickdarm ankommt.

Spielt es für den Darm eine entscheidende Rolle, wie groß die Portionen sind, die wir essen, und zu welcher Uhrzeit wir sie essen?

Für Magen und Darm spielt das sicher eine Rolle – die beiden haben je nachdem, wie viel wir essen und auch wie gut wir kauen, mehr oder weniger Arbeit. Essen wir zu viel, ist das eine Herausforderung – essen wir zu wenig, haben wir bald wieder Hunger und die beiden müssen schon wieder die Verdauungssäfte ankurbeln. Es ist also gut, auf eine angenehme Sattheit zu hören. Magen und Darm bekommen auch mit, in welchem Rhythmus wir leben. Sie wissen durch Hormone im Blut, unsere Bewegung oder auch unsere Darmbakterien, ob es gerade Tag oder Nacht ist. Nachts bewegen sie sich wenig – das könnte erklären, warum ein großes Mahl kurz vor dem Schlafen oft schwer auf dem Magen liegt.

Wie wirkt sich Stress auf den Darm aus?

Haben wir Stress, signalisiert das Gehirn dem Darm: es gibt im Moment Probleme, die gelöst werden müssen. Der Darm schaltet daraufhin in eine Art „Energiesparmodus“, damit Kraft gespart wird. Er wird weniger durchblutet, bildet weniger Schutzschleim und bei starkem Stress können wir appetitlos sein und sogar vor Nervosität erbrechen oder Durchfall haben. So etwas kann im einzelnen Moment sinnvoll sein – über eine zu lange Zeit hinweg schadet es allerdings unserem Bauch.

Gibt es eine Altersgruppe, die besonders anfällig für Verdauungsprobleme ist?

Kleine Kinder und ältere Menschen haben Darmbakterien, die sich schneller mal von Antibiotika durcheinander bringen lassen. Auch Schichtarbeit oder hormonelles Ungleichgewicht können uns anfälliger machen.

Ab wann wird Rohkost für unseren Darm zu schwerer Kost?

Ich würde sagen, das sollte jeder für sich selbst herausfinden. Man merkt ja, ob man etwas gut verträgt oder nicht.

Wie sieht Ihre persönliche Ernährung aus?

Ich habe einige Lieblingsgerichte, die auch meinen Darmbakterien gut bekommen – wie zum Beispiel Sushi (kalter Reis kommt eher bei Bakterien an als warmer), Spargel (im Frühling könnte ich das fast täglich essen) oder auch Äpfel von unserem Bäumchen aus dem Garten. Ich genieße auch hier und da mal Junkfood oder Süßigkeiten – Hauptsache das Gesunde überwiegt.

Haben wir – Stichwort Ernährungstrends (vegan, paleo etc.) – ein zu verkrampftes Verhältnis zum Essen?

Mit der Ernährung auch mal herum zu experimentieren, finde ich als neugieriger Mensche erstmal eine spannende Sache. Wichtig ist dann, dass man nicht zwanghaft bei etwas bleibt, obwohl es einem nicht gut tut. Wer also besonders viele Blähungen hat, immer wieder Bauchweh oder sich oft müde fühlt, sollte sich fragen, ob er wirklich weiß, was er da gerade tut. Vegan oder vegetarisch zu essen, kann gut funktionieren – wenn man sich damit auskennt und die Darmbakterien mitmachen. Das muss nicht bei jedem Menschen so sein. Die vegetarischen Bienen konnten sich beispielsweise erst dann von ihren fleischfressenden Vorfahren, den Wespen, wegentwickeln, als sie andere Darmbakterien aufsammelten.

Auf welche Mahlzeit legen Sie besonders viel Wert?

Ich liebe ein gutes Mittagessen. Man belohnt sich für das, was man am Vormittag schon alles getan hat und wenn man aus Versehen zu viel isst, dann bleibt einem verheerender Weise nichts anderes übrig als ein kleines Nickerchen zu machen.

Inwiefern hat sich das Schreiben Ihres Bestsellers „Darm mit Charme“ auf Ihre Ernährung ausgewirkt? Anders formuliert: Haben Sie während der Recherche etwas gelernt, dass Sie in Ihren Alltag integriert haben?

Ich habe während der Recherche davon gelesen, dass man auch Pulver kaufen kann, um die guten Darmbakterien zu füttern, wenn man mal einen schlechten Ernährungstag eingelegt hat. Bin ich jetzt also auf Reisen und es gibt kaum leckere Gemüse oder ähnliches, dann nehme ich auch mal ein Löffelchen Inulin ein. Das ist ein gesunder Ballaststoff, der fantastischer Weise nach Zuckerwatte schmeckt.

Welche Speisen kommen niemals auf Ihren Teller?

Solche Fragen beantworte ich deshalb nicht so gerne, weil ich es wichtig finde, dass das jeder für sich selbst herausfindet ohne sich nach irgendwelchen anderen Personen oder Ratgebern zu richten. Ganz generell kann ich sagen: Das, was mir nicht schmeckt oder das, wonach es mir nicht gut geht, wenn ich es esse – esse ich nicht.

Sie ein Stimmungsesser?

Ich habe selten keine Stimmung. Als ich klein war, habe ich beim Essen oft gesummt. Je nachdem wie gut es mir geschmeckt hatte, fiel das dann munterer oder schwerfälliger aus. Heute schmeckt es mir in der Regel am besten, wenn ich in guter Gesellschaft esse.

 

Das Buch:

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-kunst-des-klugen-essens/978-3-446-44875-9/

 

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2 Lesermeinungen

  1. Kunst des Essens
    Jetzt wird das Essen schon zur Kunst erklärt. Da wird es höchste Zeit, sich der Kunst des Schlafens zu widmen.

  2. Eine Ergänzung
    Ich hätte eine kleine, aber feine, Ergänzung: zusätzlich zu den Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin, die eine „fight or flight“ (Kampf oder Flucht)-Reaktion vorbereiten und die bekannten und auch oben beschriebenen Reaktionen auslösen (Man hat „Schiss“, „Muffensausen“ und fühlt sich „zum Kotzen“) schüttet der Körper auch sehr viel Kortison aus, welches dazu dient, auch noch mit schwersten Verletzungen eine Flucht- oder Kampf-Option zu haben (die Natur sagt: bevor ich mich fressen lasse, renne ich auch noch mit 2 gebrochenen Beinen davon und überlege hinterher, was ich mache). Kortison führt zu einer Minderdurchblutung der Magenschleimhaut und verursacht Magengeschwüre. Deshalb hat man diesen Druck in der Magengegend, wenn man viel Stress hat. Das käme zu den oben beschriebenen Symptomen noch dazu.

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