Formfrei

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An dieser Stelle bloggt Publizist und FAZ-Autor Thomas Strobl über die großen und kleinen Dinge des Lebens. Mal kurz und knapp. Mal mit vielen

Sinn und Tempo (Director’s Cut)

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Was hätte Goethe wohl dazu gesagt? 95.000 Milliarden, auf diese imposante Zahl beläuft sich die aktuelle „Weltverschuldung“. Die Nachricht erreicht uns zu einer Zeit, in der die Erwähnung des Begriffs „Schulden“ in einem Satz mit einer unvorstellbaren, jegliche Alltagserfahrung sprengenden Größenangabe für Irritationen sorgt; und wird damit zur Schreckensnachricht. An den Schulden wird die Welt ersticken, das pfeifen die Spatzen bereits von den Dächern. Und dann gleich 95.000 Milliarden auf einen Schlag? Wahnsinn! Das kann man gar nicht mehr begreifen, da versagt doch jede Alltagserfahrung.

Was hätte Goethe wohl dazu gesagt? 95.000 Milliarden, auf diese imposante Zahl beläuft sich die aktuelle „Weltverschuldung“. Die Nachricht erreicht uns zu einer Zeit, in der die Erwähnung des Begriffs „Schulden“ in einem Satz mit einer unvorstellbaren, jegliche Alltagserfahrung sprengenden Größenangabe für Irritationen sorgt; und wird damit zur Schreckensnachricht. An den Schulden wird die Welt ersticken, das pfeifen die Spatzen bereits von den Dächern. Und dann gleich 95.000 Milliarden auf einen Schlag? Wahnsinn! Das kann man gar nicht mehr begreifen, da versagt doch jede Alltagserfahrung.

Die Sinnlosigkeit lauert aber nicht nur im Universum der unendlichen Schulden, sondern auch im Mikrokosmos der Semiotik: Die Welt hat Pest und Cholera weggesteckt und zwei große Kriege überstanden, und für letztere waren immerhin rund zehn Jahre zu veranschlagen; aber das Abhandenkommen eines simplen „A“ bringt uns um. Oder besser: noch nicht einmal das Abhandenkommen, sondern sein Ersatz als positiv besetztes Zeichen durch ein nicht minder positiv besetztes Zeichen, nämlich als Differenz zwischen „AAA“ und „AA+“ in der Bonitätsbeurteilung der amerikanischen Staatsschuld. Daran wird die Welt, wie wir sie kennen, also zugrunde gehen. Und das sozusagen über Nacht. Was Hitler und Stalin in blutigen Auseinandersetzungen über mehrere Jahre nicht hinbekommen haben, schafft die Ratingagentur Standard & Poor’s im Handumdrehen. So steht es dieser Tage zumindest auf den Titelseiten der Nachrichtenmagazine. Versteht das noch jemand? Kann man es in der Kürze der Zeit, die uns zum Nachdenken bleibt, während die Ereignisse über den Ticker laufen überhaupt verstehen? Oder bleibt einem nur das staunende Zur-Kenntnis-Nehmen, das Registrieren des Auf und Ab, der Notfallsmaßnahmen und der Krisensitzungen, mit denen diesen Freitag die Griechen gerettet werden und nächsten Freitag die Spanier, jeweils bis zum Montag darauf, an dem sich jedweder Eindruck einer „endgültigen“ Lösung wieder verflüchtigt hat? „Another week, another euro crisis“, titelte das Wirtschaftsmagazin „Economist“ in seiner jüngsten Ausgabe, und fast möchte man sagen: Gott sei Dank, denn das verleiht dem ganzen Durcheinander wenigstens ein paar stabile Muster mit Wiederkennungswert – wenn auch ganz anders, als man es sich gewünscht hätte.

Soweit es den deutschen Dichterfürsten betrifft, konnte der auf den Rat seines Freundes Graf Reinhard bauen: „Wohl haben Sie recht, mein verehrter Freund, in dem, was Sie über die Erfahrung sagen. Für Individuen kommt sie immer zu spät, für Regierungen und Völker ist sie niemals vorhanden.“ Und dies komme daher, so Reinhard weiter, „weil die gemachte Erfahrung in einem Brennpunkt vereinigt sich darstelle, und die zu machende sich über Minuten, Stunden, Tage, Jahre und Jahrhundert verbreitet, und folglich das Ähnliche niemals ähnlich erscheint, weil man in dem einen Fall nur das Ganze und in dem anderen nur einzelne Teile sieht.“ Sinn braucht also Zeit um sich zu konstituieren, die eine Beobachtung reicht nicht aus, um zu „verstehen“, sie muss gemacht und immer wieder gemacht werden, um Muster zu bilden und Ähnlichkeiten wie auch Andersartigkeiten zu offenbaren. Für Goethe stand es daher außer Frage, dass sich der Sinn des Zeitgeschehens nur allmählich erschließt; dass die Geschichte von Zeit zu Zeit umgeschrieben werden müsse, nicht wegen neuer Quellenlagen, die man womöglich entdeckt, sondern weil erst mit fortschreitender Zeit neue, zusätzliche Erfahrungen gemacht werden, anhand derer sich Vergangenes in seiner Ähnlichkeit wie auch seiner Andersartigkeit begreifen lässt.

Anlässe, die Geschichte umzuschreiben, liefern uns die Medien derzeit im Minutentakt. Die „Tagesgeschichte“ wohlgemerkt, die man bereits Mitte des 18. Jahrhunderts aus der Staatsgeschichtsschreibung ausgliederte und auf ein niederes Niveau verschob, wo sich Journalisten und andere Propheten ihrer bemächtigen und ihr eine neuartige Dynamik verleihen konnten, die Historiker Reinhart Koselleck als „Beschleunigung“ deutete. Was wir über die Welt erfahren, das erfahren wir aus den Massenmedien, und das mit steigendem Tempo. Wenn die Welt untergeht, dann tut sie das zunächst einmal auf dem Titelblatt des „Spiegels“, und das nicht morgen und  auch nicht nächste Woche, sondern sofort. Man sieht das Magazin am Kiosk, brennende Geldscheine, die zu Papierfliegern gefaltet ins Bodenlose stürzen, und man weiß: Jetzt ist es vorbei! Ob sich mit Aktien noch Geld verdienen lässt oder man im Alter im Rentenloch verschwindet: egal, weil sowieso Game over. Das System fliegt uns um die Ohren, und alle darin gültigen Sinnverweise auch. Geld und Börsenkurse und Bonitätsnoten – nichts davon wird übrig bleiben. Warum also noch Sorgen machen? Fast fühlt man sich an Luther erinnert, der ja auch andauernd davon sprach, dass die Welt dem Untergang geweiht sei, im laufenden Jahr bereits und wenn nicht, dann sicher im nächsten; der dann aber in trauter Tischrunde die darob entstehende Ungewissheit zu lindern wußte, indem er den Seinen versicherte: Gott wird die letzten Tage schon abkürzen, das große Finale also vorrüber sein, bevor man überhaupt merkt, wie einem geschieht.

Was Luther der Reichstag zu Worms ist uns gewissermaßen der Bonitätsverlust der USA, ein Zeichen für den nahenden Untergang. Ereignisse, die früher ganze Jahrhunderte in Anspruch genommen haben, werden jetzt auf kürzeste Form komprimiert. Sie laufen im Rekordtempo ab, angetrieben vom System der Massenmedien, das auf der Jagd nach Gregory Batesons „Unterschied, der einen Unterschied macht“ noch einmal ordentlich auf die Tube drückt. Das lief zu Luthers Zeiten natürlich noch anders, völlig klar, weil die Kirche am nahenden Weltenende einerseits das Monopol beanspruchte und andererseits gar kein echtes Interesse hatte. Denn seine Integrationskraft entfaltet die Apokalypse natürlich nur dann, wenn sie fern am Horizont angesiedelt wird und auch dort bleibt, unbestimmbar in sachlichem, sozialem und vor allem zeitlichem Sinne. Alles andere wäre Tumult und Unordnung, das Heranrücken des absoluten Endes auf eine operativ erfassbare Frist wirkt in hohem Maße desintegrierend. Für die Kirche zu Luthers Zeiten verhielt es sich mit dem Ende der Welt daher exakt so wie mit den Staatsschulden und der Frage: „Wann werden sie zurückbezahlt?“, auf die es in Wahrheit immer nur eine einzige Antwort gab, die nicht das Chaos nach sich ziehen würde, nämlich: „Irgendwann“. 

Diese Antwort reicht uns aber nicht mehr, und daher ist der Frieden vorbei und das Ende nah. Bleibt noch eine Frage zu klären: Wer ist schuld? Nicht, dass sich dadurch etwas ändern würde, aber einer muss natürlich immer schuld sein und bevor der letzte Vorhang fällt hätten wir das schon noch gerne geklärt. Die Banker bieten sich an und die Politik sowieso. Da mag sich ein ehemaliger Finanzminister Steinbrück im Gespräch mit Bloggern noch so sehr als „ohnmächtig“ deklarieren und sich auf eine Position des „Ich weiß es doch auch nicht!“ zurückziehen, das erlauben wir ihm nicht und das können wir ihm nicht erlauben, weil: Wenn er es nicht weiß, wer dann? Auch wenn wir andererseits den Erwin Teufel sympathisch finden, der als Pensionist vor Pensionisten den Stillstand als Erfolgsrezept predigt. Im Dahinrasen durch die Zeit hat Stillstand etwas Beruhigendes, das klingt nach Innehalten und Nachdenken, nach klare Gedanken fassen, und mal ehrlich: Wer möchte das nicht? Jedoch: Wenn die Zeit voraneilt, und das immer schneller, während man selber stillsteht, dann schafft das wiederum neue Risiken. Und das kann auf eine Gesellschaft, die ihre Zukunft ohnehin nur noch in der Form des Risikos erlebt, auch nicht beruhigend wirken. Zumal sich dieselbe Gesellschaft, die sich hier an eine Ästhetik der Langsamkeit klammert, an anderer Stelle ihrer eigenen Schnelligkeit rühmt, dann unter dem Slogan „Wettbewerbsfähigkeit“.

Unterm Strich ergeht es uns anno 2011 also auch nicht besser als Goethe vor zweihundert Jahren: Sinnhaftes Erfahren gelingt uns als Individuen nur zu spät und als Kollektiv gar nicht. Wir können es also eigentlich auch von vornherein bleiben lassen. Mag die Welt dieses Mal tatsächlich untergehen – bis wir es begreifen, ist es eh zu spät. Und die Moral von der Geschichte? Die Ereignisse zur Kenntnis nehmen und weitermachen!

 

 


26 Lesermeinungen

  1. wir sind mit der...
    wir sind mit der liberalisierung der kapitalmärkte bloß noch nicht weit genug gegangen. in der ddr hat man ein paar jahre nach den banken und schlüsselindustrien wie bekannt ab ende der 1950ger jahre schließlich auch den mittelstand bis runter zu den kleinen betrieben verstaatlicht, nachdem man den fehler bis dahin nur halbherzig vorgegangen zu sein, endlich eingesehen hatte.
    .
    ähnlich auf halbem wege sind bislang auch wir stehen geblieben. schließlich haben wir bislang nur die kapitalmärkte sinnvollerweise dem freien globalen spiel der kräfte überlassen. grund und boden in deutschland, dies andere eigentum aber, welches uns auch noch zur verfügung steht, haben wir bislang sträflicherweise außer acht gelassen, ähnlich sinnvoll zu verwerten. 1. die grunderwerbssteuer ist abzuschafffen (da sie nur die durchsatzgeschwindigkeit und damit die wertschöpfungsmöglichkeiten einengt) 2. die grundbuchämter mit ihren veralteten prinzipien von „treu und glauben“, „recht und gesetz“, „pflichtgemässem ermessen“, usw. sind als hochgradig ineffizient ud veraltet aufzulösen, und die aufgaben sind zu privatisieren. private können das viel besser, können eigene grundbuch-gmbhs gründen, die nach den kriterien marktwirtschaftlicher effizienz arbeiten. also global verwerten, somit den wert unserer liegenschaften steigern. derivate darauf anbieten „optionsscheine auf 10.000 hochwertige westviertel-immobilien in westdeutschen bestlagen geboten – wetten sie schnell und preiswert auf steigede oder fallenden preise“, usw., usf.. und es darf kein unterverkaufs- resp. weiterverkaufsverbot geben, schließlich möchte man den wahren ort der verwaltung des besitzes/seiner zugehörigen papiere so weit wie möglich weghalten: anfragen sind kosten, die gilt es gering zu halten. und auf welchem pc die daten sind global auch unerheblich, am besten da, wo der sachbearbeiter billig ist, fast nichts kostet und auch ruhig häufiger mal wechselt. (verkehrssprache englisch, auskünfte in deutsch ausnahmsweise möglich, aber aufpreispflichtig)
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    als treppenwitz der geschichte sozusagen bleibt, dass es ein gewisser oskar l. aus s. war, der das übermächtig-gefährliche globale hin- und herschwappen der globalen finanzkapitalien zuerst kommen sah, und zwischen den verschiedenen kontinenten und behältern eine planender, staatlicher ratio unterworfene richtungs-/steuerungs-/lenkungsabgabe (nach art der grunderwerbssteuer sozusagen, sprechen wir es ruhig aus) eingerichtet sehen wollte, die finanzmärkte auch weiterhin zumindest etwas mehr am nutzen für den menschen auszurichten, zu brutales hin- und her zu dämpfen.
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    die globalen verluste sind aber inzwschen so groß, dass sogar ihre tüchtigen urheber sie ncht mehr tragen können oder wollen.
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    und man kann wohl auch weiterhin zuwarten, wie die europäischen westviertel die probleme vor allem nur in eine richtung wegdrücken. nach unten. die westviertel von münchen, mailand, lyon, edinburgh oder barcelona ghehören wie bekannt unwillkürlich zusammen, spielen in der selben liga, fördern und fordern europaweit eine ähnliche politik, welche ihr überleben – richtigerweise -möglichst lange garantiert: den prolet überall in europa betrifft da , die gabelstaplerfahrer aller nationen sind längst unten gleich, schon längst nicht mehr, das kleinbürgertum, der durchschntilliche polzeibeamte/staatsangestellte hüben oder drüben, der bleibt auf der strecke, dessen pensionsanspruch und mehr wird geschlachtet, diese bringen die opfer zuerst und zumeist. es sei denn, es ginge noch weiter runter.
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    und wer zur zeit in frankreich über die landstraßen letzter ordnung über die dörfer fährt sieht ihn ganz körperlich, den in dieser zeitung in den letzten tagen beschriebenen reformstau der regierung sarkozy – nur anders. wo die fehlenden milliarden herkommen sollen – da jedenfalls meist schon nicht mehr. wer frankreich so im kopf hat, wie er es auf seiner letzten reise vor 20 jahren abspeicherte, der ist nicht auf der höhe der zeit. heute müsste man neu hin, die dörfer in der fläche suchen und besuchen allüberall – die überforderung unseres treuen freundes – dort ist sie mit händen zu greifen. (individuen lernen, staaten nicht?)

  2. ".. welche ihr überleben -...
    „.. welche ihr überleben – richtigerweise – möglichst lange garantiert: den prolet überall in europa betrifft das, die gabelstaplerfahrer aller nationen arbeiten fast längst unter gleichen/ähnlichen bedingungen, schon längst nicht mehr… “
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    wir bitten solche und ähnlich fehler zu entschudligen.

  3. noch ein einwurf, "von der...
    noch ein einwurf, „von der welt ein wenig zurück, bloß bis nach europa“:
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    wir hatten es neulich schon so ähnlich im don-alphonos-forum geschrieben: ja, das stilfser joch hat so etwas von einem neuen gefühlten europäischen mittelpunkt: heute hurtigrouten morgen hurghada, oder heute la gomera/gran canaria und sieben tage später lappland-ladogasee – so sieht sie heute aus die gefühlte europäische normailität „im fadenkreuz der tatsächlich gelebten möglichkeiten“.
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    und passend dazu trafen wir kurz darauf (am rasthof stuttgart) ein gruppe junger deutscher, studenten offensichtlich, männlich und weiblich gemischt – letztere vom vielen blöden fahren deutlicher genervter wirkend („wann sind wir endlich da, ich kann und will nicht mehr!“) – die waren mit dem bulli auf dem rückweg von lappland, mehrwöchig, „schon 9000 km zurückgelegt, aber haben es ja jetzt schon fast geschafft, nur noch die paar km bis tübigen, das geht jetzt auch noch“ – und was auffiel war und ist folgendes: es sind nur noch junge deutsche die so noch reisen heute in europa: hurtig/hurghada, grancanaria/ladoga, das haben und sehen – so ist man geneigt leider konstatieren zu müssen – so fast nur noch die jungen deutschen, unsere zukünftigen eliten. (das e-wort darf hier, ehrlicherweise, eben nicht fehlen, wenn man es ernst meint mit verantwortung und analyse)
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    denn die entsprechenden jungen franzosen, spanier, italiener auch engländer usw. sind so – erkennbar – nie unterwegs. „ok, die fliegen eben alle“ möchte man generös und gerne konzedieren „schon wg. der großen entfernungen“ – aber weit gefehlt.
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    vielmehr ist es wohl eher so: diese art der bildungsreise(n) sowieso tendenziell eher etwas deutsches – und andere ebenfalls überaus extrem wertvolle länder halten es damit eben anders: bildungsreisen sind woanders wohl noch nie im selben masze üblich gewesen, so wohl die verbreitete meinung.
    und „die kulturellen unterschiede sind damit noch nicht am ende, gehen eher noch weiter“: nicht anders sind wohl am ende arbeitslosenquoten unter jungen erwachsenen von bis zu 40% (in spanien) zu erklären („ihr seid jetzt halt noch nicht dran, eher etwas später, so ungefähr ganz nach uns“) oder immerhin auch über 20 % in anderen europäischen ländern.
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    und all das ruft nach verständnis: eben auch für ein mögliches unverständnis sogar auch unter den erwachsenen anderer nationen, die nicht unser weltbild teilen, eben auch, weil sie weniger oder anders reisen. sich nicht anfang august 2012 auf dem stiflfser joch als im mittelpunkt eines selbststimmten europäisch-normalen jetztgefühls sehen und fühlen können.
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    was wir sagen wollten? wir sehen sie ungerne, diese weiter wachsenden europäischen disbalancen. machen wir sie uns wenigstens bewußt.
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    (und leider scheint auch folgendes zuzutreffen: langfristig werden die genannten unterschiede und ungleichgewichte eher weiter zunehmen (wenn wir nicht politisch in europa und staatenübergreifend gemeinsam anpacken): was die jungen menschen der anderen europäischen „mitländer“ heute – wg. krise oder warum auch immer – nicht schon früh so mit auf den lebens- und ausbildungsweg bekommen, wird ihre nationen – und zwar durchaus sehr schrecklicher weise – zukünftig eher noch schwächer erscheinen lassen – und zwar eben leider auch weiterhin im vergleich mit uns: darum werben wir um verständnis, für uns selbst!)
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    (und wie gesagt. „die französische fläche wirkt heute schon über weite strecken „wie vom kapitalistischen staubsauger leergesaugt“. da kann sarkozy schon heute nichts mehr holen. nicht wirklich jedenfalls.“ so würde es wohl manchem bei näherer betrachtung heute auch vorkommen. „hell-bedeckte tage ende februar sind am besten, wenn wenig vegetation ist, die sehen hindert.“ oder so.)

  4. "anfang august 2011"...
    „anfang august 2011“ selbstverständlich.

  5. Das gemeine Volk ist doch...
    Das gemeine Volk ist doch schon weiter. Im Facebook wurde Montags zu einer Party eingeladen (Kein Flashmob) um sich bei dem Niedergang der Kurse auf NTV mit Bier und Nüsschen zu zu prosten. Wohl wissend, dass diese „Krise“ nichts mit der Realwirtschaft zu tun hat und Zocker trotzdem richtig Kohle gemacht haben. Ich finde das ist eine angemessene Reaktion auf den Hysterienstadel der sog. Leitmedien.

  6. die themen sind natürlich...
    die themen sind natürlich überall. nur kommt uns, sagen wir mal die fläche in frankreich vielfach schon viel schlimmer dran vor, als hier bei uns: http://www.br-online.de/das-erste/report-muenchen/report-muenchen-video-ID1312834096435.xml

  7. Es ist halt so, daß uns beim...
    Es ist halt so, daß uns beim hair cut by the way auch das Restgehirns mit abge-fetzelt wurde. Nicht nur, daß uns die Zocker locker von den Hockern fallen, die ganze abendländische Girlanderie flattert nur noch in luftigen Fetzen durch´s Gehäus. Selbst manchem Gesprächsrundenteilnehmer in trauter Runde vor einigen Tagen mit´nem Sozpolit-profi schwant ganz Arges. Genosse devin wird jauchzen.
    http://www.faz.net/artikel/C30351/buergerliche-werte-ich-beginne-zu-glauben-dass-die-linke-recht-hat-30484461.html

  8. Kein Grund zum...
    Kein Grund zum „Jauchzen“
    .
    Um zu begreifen, welche Funktion die Rating Agenturen haben, wäre es vielleicht angebracht zur Kenntnis zu nehmen, dass sie gleichzeitig mit der Verkündung der Awertung der Bonität der US-Regierung nahelegten, doch nun endlich ihre „unsinnigen Sozialprogramme“ auf Eis zu legen (aus dem Gedächtnis zitiert – FAZ/ZEIT). Es geht hier also um Klassenkampf, nicht um irgendeine „objektive Wahrheit“. Dennoch wäre es natürlich zu einfach, eine solche Empfehlung als rein subjektiv zu relativieren. Es erschließt sich dahinter auch ein Gut Stück „objektive Wahrheit“ (vergleiche auch meinen letzten Blog „Mut zur Freiheit“ – in Antwort auf Guignol). Dennoch nur indem wir dann den Klassenkampf beobachten, resp. an diesem Teil nehmen. Und Wahrheiten schaffen.
    .
    Das Ende der Geschichte (das Ende der Krisen), das Ende der Entropie (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1745), das Ende des Klassenkampfes – das sind in so die gängigen Märchen dieser Zeit.
    Das Finanzkapital treibt auf sein Ende zu. Was das aber bedeutet, das kann niemand von uns wirklich beschreiben. Es wird sich so wenig automatisch einstellen, wie dem Zufall überlassen sein. Es ist dennoch mehr als reine Kontingenz. Es treibt in diese Richtung. Aber schon das eigene Wehren dagegen verzerrt die Geschichte. Doch bleibt die Richtung unaufhaltsam. Zeigt sich darin eine „Quasi-Naturgesetzlichkeit“ (Marx). Und genau so dies aus der anderen Perspektive: In dem Maße, wie die ausgebeutete Klasse sich dem widersetzt oder eben nicht, verbiegt sie die Geschichte ebenso. So entstehen ständig neue Lücken/Optionen, die immer wieder neu geschlossen werden (was sofort neue Lücken schafft, und darin liegt auch ein Grund mit drin, dass wir so was wie objektive Wahrheit nicht mehr erkennen wollen/können, die Verzerrung/die Lücke selbst bietet sich als solche dar).
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    Die Finanzkrise seit 2007 zeigt diesen Prozess, der ja letztlich Klassenkampf ist, deutlicher auf denn je.
    Durch ihr eigenes Handeln fast sozialisiert/verstaatlicht, mussten die Banken mit viel Aufwand wieder reprivatisiert werden. Ein Kraftakt, dem man ansieht, dass er nicht beliebig wiederholbar ist. Zeigt sich doch darin das Scheitern nicht als dramatischer Akt, sondern als ein eine ganze Epoche überspannendes scheinbares Endlosdrama (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1754). Am Ende ist es diese „Endlosigkeit“, die das ganze Ausmaß des Dramas ausmacht. Es erschöpft die Darsteller. Dennoch wird auf der Bühne des Klassenkampfes die wirklich letzte Schlacht geführt. Ob diese Schlacht sich dann darstellt, wie der Kampf um Troja, wäre durchaus eine bedenkenswerte Option. Schließlich gingen aus dieser Schlacht nur Verlierer hervor. Denn auch ein Odysseus wurde ja da um seine Jugend und um die seiner Frau gebracht.
    (Und dass Schirrmacher/die Redaktion der FAZ diesen meinen Beitrag bisher nicht freigeschaltet hat, zeigt doch, wie sehr die Bourgeoisie genau diese Schlacht fürchtet. Ja wie sie sich vor ihren eigenen Prognosen fürchtet. Hat sie doch die Endlosigkeit eines solchen Prozesses mindestens so zu fürchten wie den schließlichen Ausgang.
    @ Guignol: Doch dieses feige Auftreten der bürgerlichen Kassandra lässt mich diesbezüglich nicht mal d a r a u f hoffen. Wo sich Kassandra/Frank Schirrmacher selber zensiert, habe auch ich keinen Grund zum Jauchzen!)

  9. Wer schuld ist? Herr Strobl,...
    Wer schuld ist? Herr Strobl, in einer Demokratie ganz einfach – die Bürger selbst. Und in der Schuldenfrage ist das sogar ebenso eindeutig wie offensichtlich. Wir haben bewusst unbd vorsätzlich 540 jahre über unserer Verhältnisse gelebt. Und jetzt ist Zahltag. Das schaffen wir Menschen auch ganz ohne Banken und Versicherungen – in der meist vergeblichen Hoffnung, jemand anders werde schon die Zeche zahlen.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

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