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Ich an der Grenze

Ich an der Grenze

Grenzerfahrungen, aber auch grenzwertige Erlebnisse - mit Mountainbike, Rennvelo oder Dreirad

Schieb, schieb, hurra

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Über den Brocken - das ist die Königsetappe der GST: Das Ziel des Tages, Freitag, 22. Juni, das aber nur ein Etappenziel ist, erscheint am Morgen schon am...

Über den Brocken – das ist die Königsetappe der GST: Das Ziel des Tages, Freitag, 22. Juni, das aber nur ein Etappenziel ist, erscheint am Morgen schon am Horizont, als ich von Vienenburg zum Track zurückkehre: der Gipfel des Brocken ist für Momente zu sehen. Da will ich hoch und drüber weg. Schon seit gestern Abend habe ich Bammel vor diesem Tag.

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Die Berge stehen wie eine Wand vor der Strecke, kommen allmählich näher und dann geht es im Extertal los mit dem Anstieg. Zunächst ganz gemütlich und auf einem schönen Waldweg, später auf einem Kolonnenweg, vor dessen Benutzung ausdrücklich gewarnt wird, denn er führt durch ein großes Windbruch-Feld mit großen grauen, abgebrochenen Bäumen.

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Schließlich öffnet sich der Wald und man steht über der Exter-Talsperre, blickt hinunter auf den See, rechterhand die Staumauer, und links ist – wieder nur für eine Weile – der Brocken zu sehen. Das Wetter könnte für solch eine Unternehmung wie diese gar nicht besser sein, sonnig, trocken, nicht zu heiß.

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Auf einem Holperpfad weiter und dann ein Anstieg, der wie eine Treppe wirkt, allerdings eine die krumm und schief ist, und aus lauter verschieden hohen Stufen besteht: alles quer über den C11 verlaufende Baumwurzeln.

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Ich probiere kurz zu fahren, aber es ist ziemlich sinnlos. Also schieben, und auch das ist eine Plage. Schlauere Mountainbiker haben sich an der Seite eine Wiese zum Erklimmen ausgesucht und andere haben vor mir auf diesem Wurzelstieg gellitten: mitten auf dem kaum als solchen erkennbaren Weg liegt ein weggeworfenes Tütchen eines Powergels.

Dann wieder Plattenweg, und wieder Schieben, die Steigungen liegen so zwischen 12 und 14 Prozent.

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Ich mache immer wieder Pausen, begegne zahlreichen Wanderern und lerne, dass ich besser nicht mitten auf dem Weg stehen bleibe: Zwei Downhiller fegen an mir vorbei talwärts, dass mir der Atem stockt. Bergläufer und ein Radler, der nur seinen Wasserrucksack auf dem Rücken hat, ziehen vorbei. Und ich drücke meinen Lastesel Richtung Gipfel, die letzten anderthalb Kilometer in Gesellschaft zweier Wanderer: Sie heißt Petra und er stammt aus dem Saarland, und ich erzähle ein Bisschen von der GST. Die beiden sind auf dem klassischen Heinrich-Heine-Weg von Ilsenburg aus unterwegs.

Mit jedem Schritt wird das Panorama grandioser, der Wind pfeift und es ist empfindlich kühl.

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Eigentlich hätte ich ja auf dem Gipfel ein Filmchen drehen wollen oder wenigstens für ein Foto posieren, aber die Windgeräusche machen sogar das Telefonieren schwierig und in eine der Gaststätten gehen mag ich auch nicht.

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Ich muss ja noch wieder hinunter. Und auch das wird zum Holterdipolter. Zudem macht mir Sorgen, dass mit dem Ladegerät irgendetwas nicht zu stimmen scheint. Ohne Smartphone bin ich ohne Übersichtskarte, und während ich auch bergab gelegentlich schiebe, das heisst, mein Rad festhalte, damit es mir nicht davon rutscht, überlege ich heftig, woran es liegen mag und was ich anfange. Schließlich habe ich das Notfall-ladegerät mit dem anderen Kram nach Hause geschickt, weil das E-Werk von Busch und Müller so zuverlässig arbeitete.

In der Nähe von Braunlage biege ich vom Track ab, eiere über die Bundesstraße in den Ort und nehme im so gut wie ersten Haus am Wege Quartier: Pension Mona Lisa. Angelockt hat mich ein Gemälde, das Biker zeigt.

(Fotos: py)

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