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Ich an der Grenze

Ich an der Grenze

Grenzerfahrungen, aber auch grenzwertige Erlebnisse - mit Mountainbike, Rennvelo oder Dreirad

Fahrbar oder unfahrbar?

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Am Sonntag geht es in Melrichstadt, nach der Nacht in der bislang besten Unterkunft der Reise, Hotel Sturm, morgens bei leichtem Regen los. Den ganzen Tag über...

Am Sonntag geht es in Melrichstadt, nach der Nacht in der bislang besten Unterkunft der Reise, Hotel Sturm, morgens bei leichtem Regen los. Den ganzen Tag über wird das Wetter so bleiben: warm, aber feucht. Und immer mal wieder ein heftigerer Schauer, den ich lieber unter einem Vordach abwarte.

Bild zu: Fahrbar oder unfahrbar?

Hinter Melrichstadt beginnen lange Passagen auf Asphalt. Wie die ganze Streckenführung werden auch sie teils kritisiert, weil nicht mountainbike-typisch, teils als Erholung nach den Strapazen im Gelände und Rennstrecke zum Kilometermachen empfunden. Aber manchmal ist der von den Kritikern für mehr oder weniger unfahrbar erklärte Track tatsächlich unfahrbar. Wenn zum Beispiel ein Bauzaun die Strecke sperrt, wo die Bahngleise auf einer Brücke überquert werden sollten. In diesem Falle aber ist es einfach, der vom GPS empfohlenen Radwege sind es gleich mehrere.

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Vom Kilometermachen profitiere ich nicht ganz so wie gedacht, dafür kann ich mir Gedanken machen zu der Kritik an der Strecke, wie sie unter www.grenzsteintrophy.de zu finden ist. Da stehen zum einen Dinge, die mir auch schon aufgefallen sind: Ganz offenkundig (und ziemlich zwangsläufig) wurde der Track zu einer anderen Jahreszeit (oder Vegetationsperiode) verdatet als er jetzt gefahren wird. Da war mehr als nur gelegentlich noch eine Fahrspur (oder gar ein ¨Weg¨) am Feldrain, wo es jetzt üppig blüht oder Nesseln und Disteln hüfthoch stehen.

Ich ängstige mich zwar nicht durch eine Wiese zu fahren, speziell dann nicht, wenn ich sehe, dass da ein Jäger zu Fuß oder mit seinem Land Cruiser lang gekommen ist, aber ich fahre nicht durch bestellte Felder. Flurschäden wie ich sie am Sonntag den ganzen Tag zu sehen bekomme, habe ich bis jetzt noch nicht auf der GST-Strecke entdeckt. Und nur in den ersten Tagen waren gelegentlich Spuren zu entdecken. Wo ein paar Mountainbiker lang fahren, richtet sich das Gras wieder auf, genauso wie dort, wo der Schäfer seinen Karren hingezerrt hat. Aber solche Maisfelder wie die, die hier ein Unwetter gerade zusammengeschlagen hat, habe ich noch nicht gesehen. Es muss schlimm gehagelt haben.

Abgerissene Äste von Schenkelstärke und belaubte Zweige bedecken die Strecke überall, wo Bäume stehen, und einmal liegt ein kompletter Baum so genial über dem Weg, dass er sich nicht umfahren lässt, sondern mit Sack und Pack und Rad überklettert werden muss. Und weil alles nass und glitschig ist, tue ich das, was ich auf den schwierigeren Passagen der GST bislang auch getan habe (und für selbstverständlich halte): Ich fahre vorsichtig, defensiv. Trotzdem sieht das Rad am Abend wieder aus, dass es mir graust. Und so stehe ich am Abend in Bad Rodach an einem Brunnen mitten in der Stadt und nutze – mal wieder putzend und alles durchsehend – die Zeit, die ich zusammen mit anderen Gästen auf den Wirt des Cafés und Gästehauses warten muss. Ja, ein Zimmer könne ich bestimmt noch bekommen, hat mich die Gesellschaft beruhigt. Und dann hat der Wirt seinen lauten Auftritt, kommt mit frischem Eichengrün am Hut vom Schützenfest, um Public Viewing fürs Endspiel hinten in der Scheuer vorzubereiten. ¨Sie, des ist hier Erlebnisgastronomie¨, erklärt mir einer der anderen Gäste mit sorgfältiger Betonung. Untereinander sprechen sie eine Sprache, die ich bis auf einzelne Brocken nicht verstehe.  Das erste Tor der Spanier bekomme ich noch mit, dann krabbele ich unter ein richtiges Federbett.

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