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Ich an der Grenze

Ich an der Grenze

Grenzerfahrungen, aber auch grenzwertige Erlebnisse - mit Mountainbike, Rennvelo oder Dreirad

Das Ende ist nahe ?!?

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Der Morgen des 2. Juli empfängt mich trocken zur Weiterfahrt, aber am Froschgrundsee regnet es sich zur Mittagszeit pünktlich ein, um vor dem Restaurant mit...

Der Morgen des 2. Juli empfängt mich trocken zur Weiterfahrt, aber am Froschgrundsee regnet es sich zur Mittagszeit pünktlich ein, um vor dem Restaurant mit Seeblick festzustellen, dass man hier als anständiger gastronomischer Betrieb Montags Ruhetag hat. Aber es gibt ja auch nichts tristeres als auf eine Wasserfläche zu blicken, auf die sanft und unerbittlich dichter Regen niedergeht. Immerhin: es ist nicht kalt. Aber die Waldwege werden wieder glitschig.

Am späteren Nachmittag eine kurze Rast an dem Stein, der an das Dorf Liebau erinnert. Dessen Bewohner flüchteten 1952 geschlossen, als die Zwangsumsiedlung aus dem grenznahen Gebiet drohte – ein Thema, das mir gar nicht so bewusst war. Zwanzig Jahre später wurde das Dorf abgerissen, und nun kreuzen sich da zwar noch Wege zwischen Feldern, aber von der Siedlung, die seit dem 14. Jahrhundert nachgewiesen war, ahnt man nichts unter all dem Grün. – Das hat – und wird auch noch – so manches überwachsen, geduldig, aber gnadenlos. Und da habe ich dann wieder ein Thema zum Sinnieren: was wohl am längsten hält von unseren Errungenschaften.

Bei Gefell fahre ich vom Track hinüber nach Neuhaus-Schierschnitz, komme in einem kleinen hotel unter und pflege abends mein Rad, das im Flur – auf ausgebreiteten Zeitungen – stehen darf. Gedanklich sehe ich ständig schon das Ziel vor mir, wohl weil ich den letzten Streckenabschnitt aus dem Jahr 2009 kenne. Aber bis dahin sind noch ein paar Knüppel zu bewältigen.

Im wahrsten Sinne des Wortes: Am Morgen des 3. Juli geht es erst bei Fröritz ein Weilchen über Asphalt, doch dann werden die Kritiker solcher Verweichlichung reich belohnt: Ein Hohlweg vom Feinsten, rutschige Steine, Matsch, Wurzelwerk und nasses Gras; steil gehts es am Mönchsberg hinauf, ein wundervolles Tal, das auf etwas über 550 Meter Höhe führt, die dann umgehend durch eine schneidige Abfahrt gen Heinersdorf um über hundert Höhenmeter reduziert wird. Wo der Track an die Straße stößt, beseitigt ein älterer Mann – also einer meines Alters – gerade den Windbruch.

Und dann an der Grenzgedenkstelle Heinersdorf-Welitsch, wo ein Stück Betonmauer unter Denkmalschutz steht, gucken plötzlich aus den Sehschlitzen des Erdbunkers Hände, Hände mit Radfahrer-Handschuhen. Und es passiert wieder einer der unglaublichen Zufälle dieser Fahrt. Ich treffe drei GST-Teilnehmer. Die kann ich doch unmöglich eingeholt haben? Nein, habe ich auch nicht. Aber wieso wir uns hier treffen, das erzählen die drei selbst im Video.

 

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