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Hier. Und jetzt?

Hier. Und jetzt?

Als Flüchtling in Deutschland

20. Apr. 2016
von Nadine Bös
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Raus hier!

Modar Rabbat, syrischer Flüchtling, in einem Cafe an der Friedrichstrasse© Matthias Lüdecke / F.A.Z.Modar Rabbat, syrischer Flüchtling, in einem Cafe an der Friedrichstrasse

Die Flüchtlingsunterkunft in Berlin Köpenick ist eine ehemalige Turnhalle. Mit Decken und Tüchern sind im hinteren Teil Schlafkabinen abgehangen, im vorderen Drittel spielen Kinder Fangen. Daneben ein paar Biertische und –bänke aus Holz, der einzige Treffpunkt für die Erwachsenen zum Zusammensitzen und Reden.

Hier trifft sich Modar mit Abdullah Hassoun und dessen Frau Malaka Khadija. Alle drei waren Studienkollegen an der Fakultät für Ingenieurwesen der Universität Aleppo. Kennengelernt haben sie sich aber erst hier in Deutschland, als Kriegsflüchtlinge. An diesem Samstag sitzen die drei über Formulare gebeugt in der Biertisch-Ecke der Flüchtlingsunterkunft. Modar in der Rolle dessen, der am längsten hier ist und eine Erfolgsgeschichte mit Happy End im Gepäck hat: Nach einem Praktikum in einem Berliner Ingenieurbüro und nach viel, viel Papierkram hat er einen festen Vertrag als Bauingenieur bekommen. Abdullah und Malaka sind noch längst nicht so weit. Aber echte Neuankömmlinge sind sie auch nicht mehr. Schon seit Herbst fristen sie ihr Dasein in der Turnhalle und wollen eigentlich nur eines: „Raus hier!“, wie Malaka sagt. „Etwas Sinnvolles tun“, so formuliert es Abdullah.

Gerade bemühen sich die drei um eine offizielle Anerkennung von Abdullahs und Malakas Uni-Abschlüssen; er ist Vermessungsingenieur, sie Bauingenieurin. Modar hat die Formulare schon einmal für sich selbst ausgefüllt und weiß, wie es geht. Er darf sich anders als die beiden anderen schon jetzt in Deutschland „Ingenieur“ nennen. „Wirklich gebracht hat mir das allerdings gar nicht so viel“, sagt er. „Das Entscheidende, um beruflich hier Fuß zu fassen, war für mich ein erfolgreiches Praktikum.“

Weil das so ist, hat er seinen neuen Freund Abdullah davon überzeugt, einen ähnlichen Weg einzuschlagen. Er hat ihm geholfen, Bewerbungen zu schreiben und ihm Tipps für Vorstellungsgespräche gegeben. Jetzt hat es funktioniert: in wenigen Tagen beginnt Abdullah ein vierwöchiges Praktikum. „Seit wir hier sind haben wir vor zu arbeiten, uns in das Leben hier in Berlin zu integrieren“, sagt Abdullah. Doch niemand habe ihm erklärt, wie genau er das angehen sollte. „Das Lageso hilft uns nicht.“ Modar dagegen habe ihm sehr geholfen, sagt Abdullah. Das Praktikum werde ihm einen Einstieg in die „wirkliche“ Arbeitswelt bieten. „Und wer weiß, vielleicht bekomme ich hinterher einen echten Arbeitsvertrag?“

Flüchtlinge helfen Flüchtlingen – was Modar derzeit unter Freunden im Kleinen macht, will er demnächst in größerem Stil anbieten. Vor kurzem hat er Philip Belau kennengelernt, einen Berliner Jungunternehmer, der gerade ein Startup gegründet hat. Belaus Idee: Eine Personalvermittlung, die Arbeitgebern Flüchtlinge als Arbeitskräfte andienen will. „Connecteer“ heißt die neue Initiative. Geht es nach Belau, soll Modar zum einen als Best-Practice-Beispiel herhalten. Zum anderen soll er in seinem Freundeskreis nach Leuten Ausschau halten, die gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben könnten. „Das können Akademiker sein, aber auch andere Fachkräfte“, sagt Belau. „Jeder, der etwas Handfestes gelernt hat, das auf dem Arbeitsmarkt wertvoll sein könnte.“ Erst vor wenigen Wochen ist Belaus neue Website online gegangen, nun stürzt er sich ins Geschäft. „Ich bin überzeugt, dass man Arbeitgeber und Flüchtlinge nicht völlig wahllos und ohne Hilfe zusammenbringen kann“, sagt Belau. „Die Arbeitgeber brauchen Tipps, wer zu ihnen passt, wen sie überhaupt beschäftigen dürfen und wie sie das angehen. Und die Flüchtlinge brauchen Tipps, wo es lohnt, sich zu bewerben.“

Wen die Arbeitgeber beschäftigen dürfen – diese Frage wird sich allerdings mit dem Aussetzen der so genannten „Vorrangprüfung“ demnächst deutlich weniger stellen als früher. Stolperten Modar und seine neue Chefin noch über die vielen Formalitäten beim Thema Arbeitserlaubnis, will die Politik solcherlei Hürden nun vorerst beseitigen. Für die kommenden drei Jahre jedenfalls soll gelten: Findet ein Asylbewerber einen Job, darf er ihn auch annehmen, selbst dann, wenn sein Verfahren noch läuft.

Und Modar? „Ich weiß noch nicht genau, ob und wie ich anderen Flüchtlingen dabei helfen kann, ähnliche Erfolgserlebnisse zu haben wie ich“, sagt er. „Sicher ist aber, dass ich gern mein Wissen mit anderen teilen möchte.“ Als er zum ersten Mal die Turnhalle gesehen hat, in der Abdullah und Malaka hausen, hat er das mehr denn je begriffen. „Da habe ich erst gemerkt, dass meine eigene Flüchtlingsunterkunft echter Luxus war“, sagt Modar, der mittlerweile eine kleine Wohnung in Charlottenburg für sich gefunden hat. „Mein ganzes Gemecker über mein Viererzimmer in Spandau, über die Toiletten und Badezimmer und darüber, wie laut es in der Unterkunft immer war – das ist mir jetzt fast schon ein bisschen peinlich.“

So sah Modars Unterkunft am Spandauer Rohrdamm aus. Mittlerweile hat er eine eigene Wohnung.© Matthias LüdeckeSo sah Modars Unterkunft am Spandauer Rohrdamm aus. Mittlerweile hat er eine eigene Wohnung.

20. Apr. 2016
von Nadine Bös
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10. Mrz. 2016
von Nadine Bös
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Zwei zu null

Modar Rabbat ist in Feierlaune, denn seit kurzem hat er es schwarz auf weiß: Er darf in Deutschland als Bauingenieur arbeiten – zunächst zwar nicht bei jeder beliebigen Firma, aber immerhin bei der einen, die für ihn wirklich zählt: Ab diesem Monat bekommt der Flüchtling aus Aleppo einen Arbeitsvertrag beim Ingenieurbüro Krebs und Kiefer, bei dem er heute schon Praktikant ist. Die Behörden haben das ersehnte Ok dazu gegeben.

Die Arbeitserlaubnis ist da. Sie gilt nur für einen einzigen Job.© Foto Modar RabbatDie Arbeitserlaubnis ist da. Sie gilt nur für einen einzigen Job.

Modars Festtagsstimmung hat aber noch einen zweiten Grund. Fast zeitgleich mit der Arbeitserlaubnis kam ein anderer, seit vielen Monaten ersehnter Brief in sein Flüchtlingsheim am Berliner Rohrdamm geflattert: Eine Einladung zur Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Wenige Tage später hat Modar dort vorgesprochen, von seiner Situation in Syrien erzählt, von seiner Einreise, davon, wie er seither in Deutschland lebt. Am Ende hielt er die offizielle Anerkennung als Flüchtling in Deutschland in der Hand. Jetzt darf er bis 2019 im Land bleiben. „Ich freue mich total“, sagt er. „All die Probleme, die mich über Monate beschäftigt haben – vieles hat sich innerhalb weniger Tage in Luft aufgelöst!“

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10. Mrz. 2016
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25. Feb. 2016
von Nadine Bös
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„Herr Rabbat, ich werde mich für Sie einsetzen“

###Hilfe aus dem BA-Vorstand: Raimund Becker setzt sich für Modar Rabbat ein. Foto DPA

Als die E-Mail kam, musste Modar Rabbat den Absender erst einmal googeln. „Raimund Becker“ gab er in die Suchmaschine ein. „Vorstand Regionen der Bundesagentur für Arbeit“ stand dort. Modar war auf einmal ganz aufgeregt: Solch ein wichtiger Mann hatte ihm geschrieben, ausgerechnet ihm, dem Bürgerkriegsflüchtling aus Aleppo!

Er las weiter über Becker. Dass er Jurist ist und dass er sich in der Bundesagentur um das Thema Arbeitsförderung kümmert. „Da habe ich schlagartig verstanden: Jetzt wird alles gut“, sagt Modar. „Jetzt habe ich eine Riesenchance, endlich eine Arbeitserlaubnis in Deutschland zu bekommen.“ Denn nach einer Arbeitserlaubnis sehnt sich der junge Bauingenieur aus Syrien seit langem. Und nun hatte Raimund Becker ihm höchstpersönlich geschrieben und Hilfe versprochen:

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25. Feb. 2016
von Nadine Bös
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13. Feb. 2016
von Nadine Bös
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Baustelle Arbeitserlaubnis

Die viele Schutzkleidung ist noch immer ungewohnt. „In Syrien trägt man auf der Baustelle mehr oder weniger, was man möchte“, sagt Modar Rabbat, während er die Sicherheitsschuhe zuschnürt. „Manchmal auch Sandalen.“ Dass er nun jedes Mal in Warnweste, Stiefel und Helm schlüpfen muss, bevor er mit der Arbeit loslegt, nimmt er aber liebend gern in Kauf. „Das hier ist ein toller Job“, sagt er. „Die Kollegen und die Chefin sind total nett, ich habe schon sehr viel gesehen, sehr viel machen können, sehr viel gelernt. Und ich lerne jeden Tag mehr dazu.“ Seit einiger Zeit arbeitet Modar mittlerweile nun schon für verschiedene Bereiche des Ingenieurbüros „Krebs und Kiefer“. Als unbezahlter Praktikant zwar – „aber das ist besser als nichts, schließlich möchte ich Erfahrungen sammeln und mein Deutsch verbessern“, sagt Modar.

Gemeinsam große Pläne: Modar Rabbat (links) mit seinem Mentor Munkhtuvshin Purevdorj auf der Großbaustelle in Berlin© Matthias LüdeckeGemeinsam große Pläne: Modar Rabbat (links) mit seinem Mentor Munkhtuvshin Purevdorj auf der Großbaustelle in Berlin

Das ist die bescheiden vorgetragene Variante der Geschichte. Denn eigentlich ist da noch viel mehr. Modar wartet sehnlichst auf einen Brief. Einen Brief von der Bundesagentur für Arbeit, der sein Leben als Flüchtling in Deutschland radikal verändern würde: auf eine Arbeitserlaubnis.

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13. Feb. 2016
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20. Jan. 2016
von Nadine Bös
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„Es ist toll, dass ich mich hier sicher fühlen kann“

An seinen ersten Abend in Berlin erinnert sich Modar Rabbat noch, als sei es gestern gewesen. Da war dieser andere junge Syrer, den er in dem Hotel kennengelernt hatte, das ihm als Erstaufnahmestation diente. Wie Modar Rabbat war er Anfang 20, voller Energie, voller Tatendrang. „Los, lass uns ausgehen“, hatte der junge Mann vorgeschlagen. Modar Rabbat zögerte. „Ich sagte nein, das geht doch nicht, es ist schon dunkel. Wir können doch nicht einfach nachts durch die Straßen spazieren. Und er antwortete: Doch, natürlich können wir das. Du bist nicht mehr im Krieg. Du bist in Berlin!“

Modar Rabbat© F.A.Z./Matthias Lüdecke Modar Rabbat

Tatsächlich war Modar Rabbat noch kurze Zeit vorher im Krieg gewesen. „Das Leben in Aleppo war die letzten zwei Jahre über kaum zu ertragen“, findet er. „Es gab Bombenangriffe, ständig und überall. Selbst der Weg zur Uni wurde zum Problem.“ Ein normales Leben zu führen sei nicht mehr möglich gewesen. „Immerzu gab es Stromausfälle und auch oft kein Wasser. Schlimm fand ich auch, dass mir wegen des Krieges jede Perspektive fehlte. Ich wollte studieren, dann arbeiten, einfach normal leben.“ Mit seinen 24 Jahren vermisste Modar Rabbat aber auch die alltäglichen Dinge eines jungen Studentendaseins. „Ich hätte mich so gern mal einfach mit Freunden getroffen, ohne auf dem Weg dorthin um mein Leben fürchten zu müssen“, sagt er.

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20. Jan. 2016
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18. Dez. 2015
von Monika Ganster
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„Ich habe so viel Hunger auf die Schule“

In einem umzäunten Containerdorf auf der griechischen Insel Samos, wo er zur wochenlangen Untätigkeit verdammt war, hat der damals 16 Jahre alte Ahmed Rifai* zum ersten Mal Sehnsucht nach Schule gespürt.  Ein Flüchtling, gefangen in der Ungewissheit, fern von seiner Heimat Syrien und fern von einem Zufluchtsort, an dem er dauerhaft bleiben kann.

Ahmed RifaiAhmed Rifai

Es ist erst elf Monate her, dass Ahmed ohne Familie und ohne Sprachkenntnisse in Deutschland ankam. Elf Monate, in denen der junge Mann fließend Deutsch gelernt hat. Heute gilt er an seiner Frankfurter Gesamtschule als Musterschüler. Woher kommt dieser Fleiß, dieser Ehrgeiz? „Früher war ich nicht so“, sagt der junge Mann und blickt zu Boden. Früher, das war sein ruhiges Leben in einem kleinen Ort in der Nähe von Damaskus, mit Freunden und Familie, mit Schule als lästigem Übel. Ganz normal eben. Bis der Bürgerkrieg heranrückte, Raketen einschlugen und die Mutter ihn nicht mehr allein auf die Straße ließ. An Schulbesuch war nicht mehr zu denken. Nur noch an Flucht.

Zusammen mit seinem Onkel und dessen Familie bricht Ahmed im September 2014 auf. Mit dem Auto gelangen sie problemlos über den Libanon in die Türkei. Ahmeds Mutter, die getrennt von ihrem Mann lebt, vermisst ihren Sohn. Sie verkauft ihre Habe und reist ihm mit seine Schwestern Jasmin (21) und Sara (22) nach.

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18. Dez. 2015
von Monika Ganster
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25. Nov. 2015
von Denise Peikert
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Deutsch lernt man wie ein Baby

Heinrich-Böll-Schule in Hattersheim, Raum 134, kurz nach neun. Beim Deutschkurs für Flüchtlinge ist es wie in jeder anderen Klasse. Es gibt den, der sein Basecap auf- und die Jacke anlässt und nach 20 Minuten fragt, wann Pause ist. Und es gibt Leute wie Ayham Alshaabi, die pünktlich kommen, um an der Stirnseite der zu einem „U“ gestellten Tische sitzen zu können, mit dem besten Blick zur Tafel, und schnell begreifen, was der Unterschied ist zwischen „Ich mache Sport“ und „Ich spiele Fußball“.

Seit März lebt Alshaabi in einer Flüchtlingsunterkunft in Hattersheim, seit gut zwei Wochen lernt er Deutsch, jeden Tag von neun bis eins. Noch bevor Alshaabi den Kurs begonnen hatte, hat er sich mit dem Google-Übersetzer auf seinem Handy durch die erste Seite des Deutschbuches gequält. Jetzt, in einer Pause des Kurses, antwortet er auf ein „Hey, how are you?“ mit „Gut, danke, und Dir?“. Er schmunzelt und wechselt ins Englische, um zu erklären, was das Schwierigste sei an der Sprache. „Ich verstehe vieles, aber ich kann noch wenig sagen.“ Als seine Lehrerin das hört, ermahnt sie ihn. „Sagen Sie das auf Deutsch, dann lernen Sie es auch.“

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25. Nov. 2015
von Denise Peikert
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09. Nov. 2015
von Christian Palm
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Masoom und Marie

Mit Theatralik kennt sich Marie Schwesinger aus. Auch deshalb fiel es ihr nicht schwer, den Mitarbeitern der Ausländerbehörde einmal ordentlich die Meinung zu sagen. Also ließ die Regie-Studentin in dem Büro ihrem Unmut freien Lauf. Es ist wohl niemandem zu wünschen, in diesem Moment auf der anderen Seite des Schreibtischs gesessen zu haben. „Wir haben schon ordentlich Stunk gemacht“, sagt Schwesinger, die an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst studiert.

Masoom Gharibyar mit seiner kleinen Tochter Mirijam und Patin Marie Schwesinger© Wolfgang EilmesMasoom Gharibyar mit seiner kleinen Tochter Mariam und Patin Marie Schwesinger

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09. Nov. 2015
von Christian Palm
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05. Nov. 2015
von Denise Peikert
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Ayham und der Apfelwein

Seit März ist der Syrer Ayham Alshaabi in Deutschland, es gilt als sicher, dass er als Flüchtling anerkannt werden wird. Ayham hat Freunde in Düsseldorf, die von der Stadt am Rhein schwärmen. Der 22 Jahre alte Mann will aber in Frankfurt bleiben, obwohl er schon davon gehört hat, wie schwer es wird, hier eine Wohnung zu finden.

Als Neu-Frankfurter wird Ayham sich aber nicht nur an die Mieten gewöhnen müssen, sondern auch daran, Apfelwein zu trinken, vielmehr: den Genuss des sauren Getränks an langen Wirtshaustischen zu zelebrieren. Wir haben Ayham auf ein erstes Glas eingeladen – und darüber geredet, wie es war, in einem Land erwachsen zu werden, wo jeder Schritt vor die Tür der letzte hätte sein können.

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05. Nov. 2015
von Denise Peikert
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29. Okt. 2015
von Jonas Jansen
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Omars Weg nach Deutschland

Eine Flucht ist kein Witz, aber manchmal beginnt eine Reise damit. Als wieder Bomben flogen, hatte Omar al-Masalmah im Scherz zu seinen Eltern gesagt, dass er auch flüchten könnte nach Deutschland. Um ihnen dann, wenn er Arbeit hat, zuerst Geld zu schicken und sie später nachzuholen.

Omar © privatOmar al-Masalmah

Innerhalb einer Woche hatte seine Familie entschieden, ihren Sohn fortzuschicken.

Ein paar Monate später steht Omar, 20 Jahre alt, am Münchner Hauptbahnhof im Zelt des Technischen Hilfswerks und übersetzt die Anweisung der Ärzte ins Arabische, damit die neu ankommenden Geflüchteten verstehen, was nun mit ihnen passiert.

Mit seinen Eltern hat er lange nicht gesprochen. Doch nun, in Sicherheit, will er etwas von der Freundlichkeit zurückgeben, mit der er in Deutschland empfangen wurde.

Als Omar seine Eltern unterwegs anrief, hörte er zum ersten Mal in seinem Leben, dass sich sein Vater beherrschen musste, um nicht loszuweinen. Mit dem Bus war Omar da gerade von der südsyrischen Stadt Darʿā in den Libanon gefahren, noch nie hatte er sein Heimatland zuvor verlassen. Es war der erste Tag seit Jahren, an dem er keine Explosionen, Befehlsschreie und Kampfflugzeuge hörte. Sein Geld, knapp 3000 Dollar, hatte er in der Unterhose versteckt, in der Hoffnung, dass die Soldaten es nicht finden.

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29. Okt. 2015
von Jonas Jansen
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13. Okt. 2015
von Christian Palm
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Hilferuf in der Fußgängerzone

Der Krieg ist zurück in Kundus. Die Stromversorgung ist unterbrochen, das Krankenhaus durch einen versehentlichen Angriff der Amerikaner zerstört. Masoom Gharibyar verfolgt die Nachrichten aus seiner Heimat sehr genau. Der frühere Übersetzer der Isaf-Truppen in Afghanistan hat allein rund 5000 Kontakte auf Facebook. Aus der Ferne, dem sicheren Frankfurt, versucht er, sich ein Bild von der Lage in seiner Heimat zu machen. Er will jede Information haben, wissen, was dort vor sich geht. Und er will etwas tun.

###Gemeinsam mit zehn anderen Afghanen protestiert Masoom (Dritter von links) am vergangenen Samstag auf der Frankfurter Zeil

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13. Okt. 2015
von Christian Palm
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09. Okt. 2015
von Denise Peikert
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Warum Ayham Alshaabi plötzlich bleiben darf…

…. versteht auch sein Anwalt nicht. Eigentlich sollte der junge Syrer nach Ungarn abgeschoben werden, dort hatte er auf seinem Weg durch Europa seine Fingerabdrücke hinterlassen. Gestern, am Donnerstag, hat Deutschland es sich aber anders überlegt. Alshaabi darf seinen Asylantrag jetzt doch hier stellen. Für ihn als Syrer bedeutet das fast schon automatisch: Er wird bleiben dürfen.

Ausriss aus dem Schreiben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf)© Denise Peikert/BamfAusriss aus dem Schreiben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf)

„Really it’s good news“, schreibt Ayham, es sei eine wirklich gute Nachricht, und bleibt so nüchtern dabei, weil ihm für dieses neue Gefühl, bald endlich ankommen zu dürfen, noch die Worte fehlen. Juristisch gesehen ist sein Fall ein Beispiel dafür, dass momentan gar nichts nach Plan läuft.

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09. Okt. 2015
von Denise Peikert
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08. Okt. 2015
von Constanze Ehrhardt
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„Es sind doch nicht alle Muslime so“

Seinen Namen hat Allaa abgelegt, als er nach Deutschland gekommen ist. Weil die Deutschen ihn meistens falsch aussprechen. „Sie sagen immer ,Allah‘, aber der Name gehört schon Gott“, sagt er. Um Gott nicht den Namen wegzunehmen, wählte er einen Vornamen, den alle gut aussprechen können. Seit einem Jahr heißt Allaa für alle Baher.

Der Achtzehnjährige ist kein Flüchtling, und er ist es doch. Seine Geschichte ist beispielhaft dafür, wie unterschiedlich die Menschen sind, die zu Tausenden nach Europa kommen, um ein neues Leben zu beginnen, von dem sie vorher oft nichts wissen. Seit Monaten ist die Rede von „den Flüchtlingen“, doch die meisten haben nicht mehr gemeinsam als ihre Not und den Verfall ihrer Heimatländer.

Baher, 18, aus Syrien© Philip GerhardtBaher, 18, aus Syrien

Als Baher mit seiner Mutter ins Auto stieg und von Damaskus über die libanesische Grenze fuhr, waren sie nicht auf der Flucht vor dem vor den Toren der Großstadt tobenden Gefechten der islamistischen Milizen. Sie verließen Syrien, weil Bahers Mutter krank war. Ein Arzt hatte ihr geraten, eine Niere entfernen zu lassen, das Organ dann aber verkauft, wie Baher sicher zu wissen meint.

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08. Okt. 2015
von Constanze Ehrhardt
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07. Okt. 2015
von Denise Peikert
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Ungarn? Dann lieber zurück nach Syrien

Als zwei ungarische Polizisten ihm die Finger auseinander biegen und sie gegen seinen Willen erst in die Tinte, dann auf das Registrierungspapier drücken, da hat Ayham Alshaabi schon davon gehört, dass das nicht gut für ihn ist. Aber er weiß noch nicht genau, warum. Wochen später, auf seinem Bett in einer Flüchtlingsbaracke in Hattersheim bei Frankfurt, liest er den Brief, in dem zwar auch nicht steht, warum genau es nicht gut für ihn ist, aber immerhin, wie es heißt. „Verordnung zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist“, kurz: Dublin III.

###© Denise PeikertAyham Alshaabi, 22

Ayham Alshaabi fragt einen Anwalt, und versteht, plötzlich und brachial, was der Moment bedeutet, in dem sie ihm in einem schummrigen Polizeigefängnis, nach zwei Tagen ohne Essen und Trinken, seine Fingerabdrücke abgerungen haben: Er soll zurück nach Ungarn, innerhalb der Europäischen Union darf er nur dort seinen Asylantrag stellen.

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07. Okt. 2015
von Denise Peikert
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06. Okt. 2015
von Oliver Georgi
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Glücklich desertiert

Der Tag, an dem der Brief kam: Mehret Teklekaimanot Kidane kann sich noch an ihn erinnern, als ob es gestern wäre. Einberufung zum Militärdienst, in Eritrea kommt das fast einem Todesurteil gleich. Männer wie Frauen werden nach dem Schulabschluss eingezogen, für die meisten dauert der Militärdienst ein Leben lang, unter schlimmsten Bedingungen und mickrigem Lohn: umgerechnet 10 Euro im Monat. Ein Entkommen? Zwecklos, Deserteure werden erbarmungslos gejagt, interniert, gefoltert. Mehret wusste sofort: Sie kann das nicht. Sie ist gerade 18 geworden, da hat man das Leben doch noch vor sich. Wenn man in Eritrea einmal beim Militär ist, ist das Leben vorbei.

Mehret Tehlekaimanot Kidane, 34, aus Eritrea© Oliver GeorgiMehret Tehlekaimanot Kidane

Also entscheidet sich Mehret: Ich haue ab, wie so viele junge Eritreer. Mehr als eine Million von ihnen, schätzen Experten, leben mittlerweile im Exil. Wie viele andere flieht Mehret zunächst in den Südsudan, wo Eritreer noch immer relativ leicht Zuflucht erhalten. Auch wenn die humanitäre Lage dort nicht eben besser ist als im Nachbarland.

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06. Okt. 2015
von Oliver Georgi
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