F.A.Z. Lesesaal

Axel Meyer: „Adams Apfel und Evas Erbe“

Mit der „biologischen Realität“ in den Geschlechterkampf zu ziehen, wie das der Evolutionsforscher Axel Meyer jetzt wagt, kann das noch gut gehen? Der britische Biologe Tim Hunt, Nobelpreisträger immerhin, hatte es zuletzt öffentlich mit Ironie versucht und ist gegen die sozialvernetzte Wand des Gendermainstreaming gefahren. Und auch das emotionale Feuer, das die zeitweise Entfernung der „Hart aber Fair“-Gender-Debatte aus der WDR-Mediathek unlängst ausgelöst hat, zeigt: Jeder Anlass ist den Kombattantinnen willkommen, sich an den Fehlentwicklungen der Gleichstellungsversuche abzuarbeiten. Axel Meyers Buch „Adams Apfel und Evas Erbe“, das Gegenstand unseres zweiten Leseexperiments mit Sobooks ist, könnte dabei durchaus eine besondere Rolle einnehmen. Denn es ist ein akademischer Frontalangriff, wie ihn vielleicht viele, die sich schon über die Erfolge des Vielgenerationenprojekts Feminismus freuen oder ihn im Gegenteil schwächeln sehen, nicht mehr erwartet haben.

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Der Biologe, Schwerpunkt Genetik, belehrt die Gender-Aktivisten über ein paar grundlegende biologische Feinheiten in der Geschlechterforschung, und versucht alles an Gleichmacherei – bis auf die kulturelle gebotene „Gleichberechtigung“ von Mann und Frau – als „Ideologie“ zu entlarven. Auch die Wissenschaften selbst nimmt er aufs Korn. Die „Genderstudies“, also die wissenschaftliche Beschäftigung mit Fragen der Geschlechtereinebnung, hält Meyer für den größten anzunehmenden Unfall der Wissenschaftsgeschichte. Einer, der seiner festen Überzeugung nach aus den Irrlichtern einer geisteswissenschaftlichen Bewegung geboren und als „intellektueller Unsinn“ nun als quasi weltumspannendes Projekt im modernistischen Gendermäntelchen die Kulturnationen ergreift.

Axel Meyer, Foto: Marco Schilling

Die Aufgabe, die sich Meyer da vorgenommen hat und die Schärfe, mit der er das Ringen um neue   Geschlechteridentitäten und -rollen vorträgt, ist gewaltig. Und das Ergebnis wird vielen nicht gefallen – nicht einmal jedem Naturwissenschaftler. Denn auch wenn der Autor seine sehr ausführlichen und tiefgründigen Erläuterungen zur Rolle der Gene, zur Erblichkeit von Schönheit und Intelligenz (wobei er auch da mit der Bauchpinselung Thilo Sarrazins zusätzlich Öl ins Feuer gießt)  und die alte Nature-Nurture-Debatte mit statistisch ausgefeilten Deutungen zu belegen weiß; der Eindeutigkeitsanspruch seines „Biologismus“ eckt an. Und er tut es vorsätzlich. Girl‘s Day oder Boy‘s Day‘s – nichts von alledem braucht die Gesellschaft, wenn es nach Meyer geht. Die biologische Zuschreibung des Geschlechts muss, so will er es, auch wenn sie gelegentlich biologisch-bedingt uneindeutig ist, auch kulturell durchgesetzt werden. Auf Diskussionen über den naturalistischen Fehlschluss lässt sich Meyer gar nicht erst ein. Im Gegenteil: Politik, moralische Instanzen und „Wahrhaftigkeit“, braucht für ihn heute zu allererst die naturwissenschaftliche Expertise.

Darüber zu diskutieren, wie tragfähig solcherart naturwissenschaftlicher Fundamentalismus insbesondere in der Geschlechterdebatte ist und wohin er die Gesellschaft führt, laden wir Sie hiermit herzlich ein. Lesen Sie mit uns gemeinsam das 15. Kapitel aus Axel Meyers neuen Buch, seine Kritik an der „Genderideologie“.

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Die Leseprobe umfasst 37 Seiten.

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