Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Zeitschriftentage: Hubert Burda fordert Hilfe von Kanzlerin Merkel

Die Verlage liegen hinter Google und Facebook zurück. "Der digitalen Revolution in der Medienwelt kommt eine ähnlich tiefgreifende Bedeutung zu wie dem Auto im 20. Jahrhundert", sagt der Verleger Hubert Burda.

Die Verlage liegen hinter Google und Facebook zurück. „Der digitalen Revolution in der Medienwelt kommt eine ähnlich tiefgreifende Bedeutung zu wie dem Auto im 20. Jahrhundert“, sagt der Verleger Hubert Burda.

Die Verlage drängen immer mehr ins digitale Geschäft. Aber viele von ihnen fühlen sich in diesem wichtigen Wettbewerb benachteiligt. Hubert Burda, Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), sieht die Branche im großen Nachteil gegenüber den internationalen Internetunternehmen.

Der Verleger der Hubert Burda Media („Focus“, „Bunte“) verlangt einen neuen Ordnungsrahmen für Verlage in der digitalen Zeit. Am heutigen Freitag wird er diese in einer Rede auf den Zeitschriftentagen des Verbandes in Berlin vorstellen. Damit die Verlage unternehmerisch richtig expandieren können, fordert er neue Gesetze in vier Bereichen: ein Kartellrecht, das Übernahmen erleichtert, eine Netzneutralität für Inhalte, einen Leistungsschutz für Verleger und Datenschutzregeln, die sich nicht darin unterscheiden, ob ein Anbieter aus Amerika oder Deutschland operiert.

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Hubert Burda (Foto dpa)

Er will darüber Chancengleichheit mit den großen Internetunternehmen wie Google und Facebook erreichen. „Wir brauchen eine zeitgemäße Straßenverkehrsordnung auf diesem digitalen Highway“, sagt Burda laut Redemanuskript, das dieser Zeitung vorliegt. „Wir laufen mit einem Rucksack voller Steine und alter Regulationen herum, und die anderen können sich vollkommen frei bewegen.“ Seine Forderungen richten sich direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die am Freitag direkt nach Burdas Rede spricht. Die Branche erhofft sich feste Zusagen in ihrer „medienpolitischen Standortbestimmung“.

Was sind „moderne Regeln für eine moderne Zeitschriftenwelt“?

„In kaum einem anderen Land haben die Verlage so früh auf die digitalen Herausforderungen reagiert und interessante digitale Geschäfte aufgebaut wie in Deutschland“, lobte Burda, als er die Zeitschriftentage am Donnerstag in Berlin eröffnete.

Zu dem großen Branchentreffen haben sich mit tausend Gästen so viele Besucher wie nie zuvor angemeldet. VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner verlangte von den Verlagen mehr Zusammenarbeit. „Wir werden die Zukunft nur dann erfolgreich bewältigen, wenn wir uns darauf besinnen, dass gemeinschaftliches Handeln uns stärker macht und manche Herausforderung leichter bestehen lässt“, sagte er. Da passt es, dass Axel Springer, der Bauer-Verlag, Burda und Gruner+Jahr am Donnerstag ein Gemeinschaftsprojekt verkündeten: Eine Marktstudie, die bislang zum Teil jeder für sich erforschen lässt, wird von 2013 an gemeinsam erstellt.

Hubert Burda will die Verlage als Verbandspräsident in die digitale Zukunft führen und verlangte dafür auch am Donnerstag „moderne Regeln für eine moderne Zeitschriftenwelt“. Seine Rede am Freitag geht weiter. „Wir spüren jeden Tag aufs Neue, wie die digitale Revolution unsere traditionellen Medien verändert und gleichzeitig neue, netzbasierte Medienangebote hervorbringt – während die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen noch von gestern sind“, wird er demnach sagen. „Wir schreiben das Jahr 2011, und diese ersten zehn Jahre des 21. Jahrhunderts machen deutlich, dass der digitalen Revolution eine ähnlich tiefgreifende Bedeutung zukommt wie dem Automobil im 20. Jahrhundert.“

„Wir waren stolz, dass wir auf Google vorkamen“

Konkret wird Burda das aktuelle Kartellrecht angreifen, das für den heimischen Pressemarkt strenger ist als für digitale Medienmärkte. Dies verhindere eine notwendige Konsolidierung der alten Märkte und erschwere es Unternehmen, ihre Wettbewerbsposition zu verteidigen. Für seine Forderung nach einer Neutralität für Inhalte im Netz baute er in seiner Eröffnungsrede ein Beispiel ein: Die Zeitschrift „Cinema“ habe im Internet das Programm für Spielfilme angeboten und sei damit lange Zeit Nummer 1 für Kinobesucher in Deutschland gewesen – so lange, bis Google eine eigene Homepage mit Kinoinhalten füllte und diese als ersten Link bei der Kinosuche in ihrer Suchmaschine anzeigte. Für den Verleger aus München sieht fairer Wettbewerb anders aus.

Auch fordert Burda weiter ein Leistungsschutzrecht. „Wir waren stolz, dass wir auf Google vorkamen, haben hohe Reichweiten erzielt und dann erst begonnen, lange Gesichter zu machen, als hinterher abgerechnet wurde“, sagt er laut Manuskript. Die Verlage bräuchten einen Rahmen, mit dem sie ihre Inhalte refinanzieren können – und daher einen Leistungsschutz für Presseverleger. Zudem geißelt Burda, dass das Datenschutzrecht in Deutschland wesentlich strenger ist als in Amerika, so dass die großen Internetunternehmen von dort aus die nationalen Gesetze umgehen. „Müssen deutsche Unternehmen um mitzuhalten auch aus dem Ausland arbeiten?“, fragt Burda. Die Kanzlerin wird am Freitag auch darauf eine Antwort finden müssen.

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