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Alexander Grade: Das Ende eines Pressegroßhändlers

Alexander Grade hat sich durch die Instanzen gegen den Bauer-Verlag gekämpft - und vor Gericht verloren. Jetzt verkauft er seinen Pressegroßhandel in Elmshorn.

Alexander Grade hat sich durch die Instanzen gegen den Bauer-Verlag gekämpft – und vor Gericht verloren. Jetzt verkauft er seinen Pressegroßhandel in Elmshorn.

Heirate die Tochter eines Grossisten, und du hast ausgesorgt! So reden sie in Verlagskreisen gern über die Pressegroßhändler. Alexander Grade versteht den Spruch schon längst nicht mehr. Als es vor acht Jahren um seine damals 15 Jahre alte Tochter ging und ein Kollege fragte, ob er sie denn schon in Richtung Grosso lenke, winkte der Elmshorner Pressegroßhändler ab. Zum einen solle jeder selbst entscheiden, was er machen möchte; und zum anderen glaube er einfach nicht mehr an eine derart rosige Zukunft für das Grosso.

Grade hat recht behalten – und in einigen Tagen auch nicht mehr das Geschäft, um es zu vererben. 1980 trat er in das Familienunternehmen ein. Die Heinz-Ulrich Grade KG hat er an den Kieler Pressevertrieb Carlsen & Lamich verkauft, der von Januar an Zeitungen und Zeitschriften an 570 Einzelhändler in dem Vertriebsgebiet im Süden Schleswig-Holsteins liefern wird. Das Ende ist nahe – und damit zieht der 60 Jahre alte Grade auch den Schlussstrich unter eine jahrelange Fehde mit dem Hamburger Bauer-Verlag, die im Pressevertrieb ihresgleichen sucht.

Am 20. Oktober 2008 begann der Anfang vom Ende. Grade hielt die Kündigung des Bauer-Verlages in den Händen. Der Verlag entzog ihm ohne Angaben von Gründen die Lieferrechte – ein Novum in der Branche, die selbst das Presse-Grosso-System aufgebaut hat. Als neutrale Instanz liefern die 70 Großhändler seit Jahrzehnten Zeitungen und Zeitschriften an den Einzelhandel. Jeder Publikation steht dieser Weg an den Kiosk zu gleichen Konditionen offen – das sichert die Vielfalt und Freiheit der Presse.

“Da wir uns nicht einverstanden erklärten, gab es Druck”

Grade kämpfte gegen die Kündigung. Er klagte durch alle Instanzen, doch vor dem Bundesgerichtshof unterlag er im Oktober. In seinem Vertriebsgebiet wird eine Tochtergesellschaft von Bauer weiter die eigenen Titel liefern, daran ändert auch der Eigentümerwechsel nichts. Mit Bauers Publikationen setzte Grade 17,5 Millionen Euro im Jahr um, danach nur noch 15 Millionen Euro. Auch dass sich viele Verlage mit den Grossisten auf für sie bessere Konditionen einigten, wird für Gewinnrückgänge sorgen.

Der Grund für das Ende liegt nicht nur bei Bauer. “Ich bin Empfehlungen eines Verlages gefolgt, zu verkaufen”, sagt Grade. Ein großes Medienhaus habe ihm im Februar 2009 diesen Weg sehr nahegelegt. “Da wir uns damit nicht einverstanden erklärten, gab es Druck.” Der Verlag habe versucht, Leistungsmängel zu finden. Dabei lag Grades Betrieb zuvor in der Bewertung unter den Grossisten noch auf einem der oberen Plätze. Am 20. November 2009 hat er sich zum Verkauf entschieden und danach Verhandlungen begonnen.

Der Bundesverband Presse-Grosso ehrte ihn jüngst für sein Lebenswerk als Grosso-Unternehmer und langjähriges Vorstandsmitglied. Grade war von 1983 bis 2004 im Verband aktiv, zuletzt 13 Jahre als Marketingvorstand. Verbandsvorsitzender Frank Nolte lobte “das mutige Eintreten des Kollegen für die Grosso-Gemeinschaft”.

Weiter am Ball

Als Anhänger des FC St. Pauli wird Grade weiter im Stadion am Millerntor sitzen. Auch geschäftlich bleibt er am Ball. Mit Thomas Meggle, Co-Trainer des Zweitligavereins, hat er einen Verlag gegründet, der einen Kalender über den Klub herausgebracht hat und ein Buch zur Fußball-Europameisterschaft plant. Zudem will er mit einem Partner künftig kleineren Zeitschriftenverlagen Beratungsleistungen anbieten. Grade hat sich schon ein Büro gemietet, ganz in der Nähe des bisherigen Firmensitzes, der künftig vor allem noch als Depot dient.

An diesem Freitag verabschiedet sich Grade, den viele als umgänglich kennengelernt haben, mit einem Essen von seinen 50 Mitarbeitern in Elmshorn. Die meisten haben ein Übernahmeangebot von Carlsen & Lamich erhalten. Überhaupt sollen die Unternehmer fair miteinander verhandelt haben, ist von beiden Seiten zu hören. Am Samstag liefert Grades Betrieb zum letzten Mal Zeitungen und Zeitschriften aus.

 

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