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Grotkamp kauft Hälfte der WAZ: Mediengruppe steht vor einem Umbau

Der Kauf ist abgeschlossen: Petra Grotkamp übernimmt die Hälfte der WAZ-Mediengruppe.

Der Kauf ist abgeschlossen: Petra Grotkamp übernimmt die Hälfte der WAZ-Mediengruppe.

Lange währten die Gespräche, jetzt ist der Vertrag unterzeichnet: Petra Grotkamp übernimmt die Hälfte der WAZ-Mediengruppe, die den drei Brost-Enkeln gehörte. “Ich fühle mich dem Erbe meines Vaters und Gründers der Zeitungsgruppe, Jakob Funke, verpflichtet und möchte dessen Werk fortsetzen”, sagte sie der zum Konzern gehörenden “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung”. Der Kauf erfolgt rückwirkend zum 31. Dezember 2011, teilte ihr Anwalt Andreas Urban am Montagabend mit. Das Bundeskartellamt habe zugestimmt. Der Kaufpreis soll dem Vernehmen nach eine halbe Milliarde Euro betragen.

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Damit endet die Zeit der zwei Gründerfamilien: Seitdem der Sozialdemokrat Erich Brost und der Konservative Jakob Funke das Unternehmen von 1948 an aufbauten, haben sie und ihre Familien das Medienhaus mit Milliardenumsatz, 40 Zeitungen und 175 Zeitschriften (“Gong”, “Neue Welt”) geprägt. Petra Grotkamp besitzt wie auch Renate Schubries und Stephan Holthoff-Pförtner ein Drittel des Anteils der Funke-Familie – und jetzt auch den Brost-Anteil.

Am 25. August 2011 hörte Rechtsanwalt Peter Heinemann erstmals von dem Verkaufsplan, als ihm Martin Brost, einziger leiblicher Sohn von Erich Brost, die ausgehandelte Vereinbarung für seine drei Kinder vorlegte. Martin Brost war in den siebziger Jahren mehr oder weniger vom Hof gejagt worden, wenn auch reichlich abgefunden. Als Erben setzte Erich Brost die Kinder seines Sohnes ein. Die zwei volljährigen der drei Brost-Enkel erklärten im August, kein Interesse an der WAZ zu haben, und baten Testamentsvollstrecker Heinemann um den Verkauf. Sonst würden sie nach Ende der Testamentsvollstreckung 2015 verkaufen.

Hoffnung auf Einigkeit

“Als Testamentsvollstrecker schulde ich dem Erblasser Loyalität, doch liegt es nicht in meiner Macht, Entscheidungen der Familie des Erblassers, die dem Erblasserwillen widersprechen, zu korrigieren”, sagt Heinemann. Er hätte das Unternehmen nur in einen Schwebezustand versetzen können. “Deshalb habe ich mich schweren Herzens entschlossen, dem Verkauf zuzustimmen.” Den Preis wertet er als fair; er setzte durch, dass Grotkamp nicht in Raten zahlt und ein Jahr keine Konzerngesellschaft verkauft.

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Petra Grotkamp (Foto dapd)

Die Brosts und Funkes mussten Beschlüsse immer zusammen treffen und blockierten einander oft. In diesem Sinne begrüßt Klaus Schubries, Bevollmächtigter der Funke-Familien-Gesellschaft, den Kauf. “Ich bringe damit die Hoffnung zum Ausdruck, dass es uns gemeinsam in der Einigkeit, die bei den letzten FFG-Sitzungen praktiziert worden ist, gelingen wird, die WAZ-Mediengruppe erfolgreich in die Zukunft zu führen.”

Genug Aufgaben warten derweil: Die Verästelungen des Konzerns soll eine übersichtlichere Struktur ersetzen; einen Plan hatte die Anwaltskanzlei Linklaters schon vorgelegt. Auch dürfte die Leitung umstrukturiert werden: Ein mehrköpfiger Vorstand oder mehrere Geschäftsführer mit eigenen Bereichen sind denkbar. Alleiniger Geschäftsführer ist vorerst Christian Nienhaus, Vertreter der Funke-Familie; sein Kollege Bodo Hombach, benannt von der Brost-Seite, scheidet aus. Günther Grotkamp, Mann der neuen Mehrheitseignerin und ehemaliger WAZ-Geschäftsführer, schließt einen weiteren Stellenabbau aus – wie auch den Verkauf des Anteils an der “Krone”-Zeitung in Österreich. Den Zukauf einer Zeitung kann er sich dagegen vorstellen.

 

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