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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Die Welt der Medien dreht sich. Wie Verlage und Sender sich ökonomisch schlagen und auf den digitalen Wandel

Nienhaus und Braun wollen sich Spitze der WAZ-Gruppe teilen

Manfred Braun will neben Christian Nienhaus neuer Geschäftsführer der WAZ-Gruppe werden. Die Verantwortungen der Unternehmensleitung sollen künftig klar geregelt werden.

Manfred Braun will neben Christian Nienhaus neuer Geschäftsführer der WAZ-Gruppe werden. Die Verantwortungen der Unternehmensleitung sollen künftig klar geregelt werden.

Ein Wandel folgt bei der WAZ-Mediengruppe dem nächsten. Jüngst erst hat der Konzern eine neue Eigentümerstruktur erhalten, nun wird eine neue Unternehmensleitung kommen. Noch lenkt Christian Nienhaus als alleiniger Geschäftsführer das Medienhaus mit einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis von 110 Millionen Euro. Sein neuer Kollege an der Spitze dürfte Manfred Braun werden, der momentan das Zeitschriftengeschäft leitet, Verlagsgeschäftsführer Nordrhein-Westfalen ist und gerade mit dem Verlagskonzern Burda ein Werbeallianz verkündete. Deren Tochtergesellschaft BCN soll von Juli an 32 WAZ-Zeitschriften vermarkten.

Bild zu: Nienhaus und Braun wollen sich Spitze der WAZ-Gruppe teilen
Vor dem Umbau: WAZ-Gruppe in Essen (Foto dapd)

Den Vorschlag für die neue Leitung haben Nienhaus und Braun gemeinsam den Gesellschaftern schon Ende Februar unterbreitet. Nach Informationen dieser Zeitung wollen Nienhaus und Braun die Verantwortlichkeiten fest untereinander aufteilen. Nienhaus soll sich um die Zeitungen außerhalb Nordrhein-Westfalens (“Thüringer Allgemeine”, “Braunschweiger Zeitung”) und die Druckereien kümmern, Braun um die Zeitschriften (“Gong”, “Neue Welt”) und die Technik. Gemeinsam wollen sie für das Kerngeschäft mit den Zeitungen in Nordrhein-Westfalen (“Westdeutsche Allgemeine Zeitung”, “Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung”, “Westfälische Rundschau”) sorgen – aber auch dies wollen sie so teilen, dass die zweite Leitungsebene nur einem von beiden zu berichten hat.

Hinter dem Plan steckt der neue Grundsatz der WAZ-Gruppe: Die Verantwortung eines Bereichs soll klar einem Chef zugeteilt werden. Im WAZ-Reich war es bislang immer anders. Seit der Gründung der Mediengruppe durch Jakob Funke und Erich Brost hatte das Unternehmen zwei Kraftfelder – im Gesellschafterkreis und an der Unternehmensspitze. Das ändert sich durch die neue Eigentümerstruktur: Petra Grotkamp, eine Tochter des Mitgründers Jakob Funke, hat für etwa 500 Millionen Euro die Anteilshälfte des Unternehmens gekauft, die bislang der Familie des Gründers Erich Brost gehörte.

Ein Konzern im Schwebezustand

Grotkamp gehörte schon ein Drittel der anderen Hälfte des Unternehmens, das in Besitz des Funke-Familienstamms ist. Die restlichen Anteile werden von Renate Schubries und Stephan Holthoff-Pförtner gehalten. Stets konnten Entscheidungen nur getroffen werden, wenn beide Familienstämme zustimmen. Petra Grotkamp kann daher trotz einer zusammengerechneten Mehrheit nicht allein entscheiden, sondern muss die Mehrheit in der Funke-Familie für Entscheidungen erhalten.

Gleiches galt für die Konzernleitung: Bis Bodo Hombach, den die Brost-Familie berufen hatte, aus der Geschäftsführung zum Jahreswechsel ausschied, musste sich auch Nienhaus, der die Funke-Familie repräsentiert, stets mit seinem Kollegen abstimmen. Nur ihren eigenen Sekretärinnen konnten die Geschäftsführer alleine etwas anweisen, hieß es darüber oft in Essen. Beobachter erwarten, dass sich die Gesellschafter auch über die Zustimmungsrechte noch verständigen, um Entscheidungsprozesse zu vereinfachen.

Noch haben die Gesellschafter nicht verlauten lassen, wie sie sich den Wandel ihres Konzerns vorstellen. Nachdem Braun und Nienhaus ihnen ein neues Organigramm für die WAZ-Gruppe vorgeschlagen hatten, begannen die Beratungen in dem Gremium. Denkbar ist, dass sie neben Nienhaus und Braun noch einen dritten Manager in der Unternehmensleitung verankern, der sich um die Finanzen kümmert. Das könnte Stephan Künzer sein, der das Finanz- und Rechnungswesen der Gruppe leitet. Doch solange sich die Gesellschafter nicht erklären, bleibt der Konzern und seine Spitze im Schwebezustand.

 

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