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Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch: Zwei für RTL

Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch waren Gegner und führen nun gemeinsam Europas größtes Fernsehhaus.

Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch waren Gegner und führen nun gemeinsam Europas größtes Fernsehhaus.

Abends brennt noch Licht. Oder vielmehr erleuchtet länger die Fernsehkiste Anke Schäferkordts Büro in Köln. Die wichtigste Frau im deutschen Privatfernsehen hat seit fast fünf Monaten vier Stellen auf einmal im gleichen Konzern zu erledigen. Schon seit 2005 lenkt sie die Sender der RTL-Mediengruppe als Vorstandsvorsitzende der deutschen Senderkette und als Geschäftsführerin des führenden Privatsenders RTL. Seit April ist sie auch Co-Vorstandsvorsitzende der Luxemburger RTL-Gruppe mit weiteren Sendern in Europa. Gleichzeitig rückte sie als erste Frau in den Vorstand von Bertelsmann, dem Hauptgesellschafter des RTL-Konzerns in Gütersloh. Zudem sitzt sie im Aufsichtsrat des Chemiekonzerns BASF.

Wie sie das macht? Einfach ein bisschen früher kommen, ein wenig später gehen und eine tolle Mannschaft haben. So sagt es die 49 Jahre alte Schäferkordt, die über zu viel Freizeit jedenfalls kaum klagen kann. Aber all die Arbeit macht ihr Spaß.

Bild zu: Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch: Zwei für RTL
Zuständig für die deutschen Sender: Anke Schäferkordt (Foto Picture Alliance dpa)

Die Aufgaben an der Spitze des RTL-Konzerns teilt sich Schäferkordt mit dem Co-Vorstandsvorsitzenden Guillaume de Posch, der Anfang des Jahres zur Gruppe kam. Seit dem Abgang von Gerhard Zeiler leiten beide die Luxemburger RTL-Gruppe. Am Donnerstag zeigten sie sich erstmals gemeinsam der Öffentlichkeit, zur Vorstellung der durchwachsenen Halbjahreszahlen des Konzerns in der Luxemburger Zentrale.

Die Aufgabenfelder sind klar geteilt: Der 54 Jahre alte de Posch ist eine Art Außenminister, er kümmert sich um die schwieriger gewordenen Geschäfte außerhalb Deutschlands. Das sind vor allem die Sender in Frankreich mit Groupe M6 und die Produktionsgesellschaft Fremantle, die auch in Nordamerika stark vertreten ist und unter anderem die Show “American Idol” herstellt. Schäferkordt ist wie bislang zuständig für das wichtige und wachsende Deutschland-Geschäft. Mit dem Dritten im Bunde, dem schon zuvor amtierenden Finanzvorstand Elmar Heggen, treffen sie sich nun mindestens alle zwei Wochen persönlich.

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Kümmert sich ums internationale Geschäft: Guillaume de Posch (Foto RTL)

Es ist noch nicht allzu lange her, da sahen sich Schäferkordt und de Posch in direkter Konkurrenz gegenüber. De Posch leitete von 2004 bis Ende 2008 als Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat 1 die Nummer zwei im deutschen Privatsendermarkt – die direkte Konkurrenz zur RTL-Gruppe, deren Senderfamilie seit Jahren einen deutlichen Marktanteilsvorsprung hält. Seinen Abschied habe er dann einvernehmlich mit den Gesellschaftern getroffen, sagt der Belgier heute. Er wollte wieder näher an seiner in Brüssel wohnenden Familie sein. Die Entscheidung war “zur Hälfte privater und zur anderen Hälfte geschäftlicher Natur”.

Ist das also zwischen beiden Fernsehmanagern eine – berufliche – “Traumhochzeit”, so wie eine frühere RTL-Show heißt und die Schäferkordt demnächst in neuem Gewand reanimiert? Wer sie nach ihrer Zusammenarbeit fragt, sieht viel Lächeln in ihren Gesichtern. “Wir freuen uns, zusammenarbeiten zu können”, sagt Anke Schäferkordt. Beide loben die Vorzüge aneinander und dass sie sich gut ergänzen: de Posch mit seiner Erfahrung in der internationalen Fernsehlandschaft und Schäferkordt, die das wichtige deutsche Geschäft profitabel führt. Beide sind durchaus Zahlenmenschen. Schäferkordt übernahm 1993 die Controllingabteilung bei RTL Plus und stieg danach bis zur Geschäftsführerin von Vox auf. De Posch arbeitete zunächst für einen Energiekonzern, für die Unternehmensberatung McKinsey und für CLT, aus der später die RTL-Gruppe hervorgehen sollte. Mit der Rückkehr schließt sich für ihn der Kreis.

Beide stehen aber auch wie in vielen Unternehmen in Konkurrenz zueinander. Der Startvorteil liegt bei Schäferkordt. Sie kommt aus Westfalen, kam direkt nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Paderborn zu Bertelsmann in Gütersloh und im Anschluss zur RTL-Gruppe nach Köln. Im Gegensatz zu de Posch sitzt sie nun auch im Vorstand von Bertelsmann. “Unser Ziel ist es, RTL Television nachhaltig zu dem Sender mit den höchsten Marktanteilen, aber auch den effizientesten Prozessen zu machen”, sagt Schäferkordt. Fragen nach der Programmqualität ficht sie da nicht an. Sie will die Masse erreichen, was sie bislang meistert. Für de Posch müssen die schlechten Zahlen außerhalb des Deutschland-Geschäfts wiederum nichts Schlechtes heißen. Er ist gerade erst zur Sendergruppe gestoßen und kann nun beweisen, wie schnell er für gute Zahlen sorgen kann.

Die vierfache Belastung wird Schäferkordt vorerst weiterhin treu bleiben. Sie will sich das in Ruhe ansehen und mit der Zeit merken, an welchen Stellen sie Entlastung braucht. Ihr Fernseher wird noch lange laufen.

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