Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Bezahlschranken, Werbung, Leistungsschutzrecht: Zeitschriftenverlage wappnen sich für Digitalattacken aus Amerika

Christoph Schuh warnt: Wir müssen übergreifend kooperieren. Der VDZ erweitert seine digitale Gruppe. Auch Bezahlschranken sind in der Debatte.

Christoph Schuh warnt: Wir müssen übergreifend kooperieren. Der VDZ erweitert seine digitale Gruppe. Auch Bezahlschranken sind in der Debatte.

Deutschlands Verlage sind nicht mehr unter sich. In die Weite der Online-Welt drängen sich die großen amerikanischen Internetkonzerne auf immer mehr Feldern. „Das Digitalgeschäft der Verlage wird zukünftig auch von Spielern wie Apple und Amazon stark angegriffen“, sagte Christoph Schuh, Vorstand der Tomorrow Focus AG, dieser Zeitung. Die Angreifer aus den Vereinigten Staaten wandeln sich zu Medienunternehmen, die Werbung verkaufen, Filmrechte erwerben oder Zeitschriften vertreiben.

„Wir werden in den nächsten Jahren eine ganz andere Konkurrenz bekommen, die nicht aus dem unmittelbaren Mediengeschäft stammt.“ Um sich gegen solche Attacken zu wappnen, hat der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) seinen digitalen Arbeitskreis, den Schuh seit elf Jahren mit Alexander von Reibnitz vom VDZ leitet, wesentlich erweitert. Das will der Verband an diesem Mittwoch mitteilen.

Im Arbeitskreis „Digitale Medien“ sind vier neue Gruppen entstanden: Vermarktung („Premium Sales“), Diversifikation, Veröffentlichung („Premium Publishing“) und Online-IT. „Um den wirklich großen Spielern wie Google & Co. nachhaltig etwas entgegenhalten zu können, müssen heute im Wettbewerb stehende Medienunternehmen übergreifend kooperieren“, sagte Schuh.

Schuh will selbst nicht mit Bezahlschranken angreifen

Mit 65 beteiligten Verlagsmitarbeitern hat sich die involvierte Personenzahl verdreifacht. „Wir erhoffen uns mit dieser Plattform, zügiger ein gemeinsames Meinungsbild zu bekommen und damit auch schnell Position zu beziehen.“ Beim Thema Leistungsschutzrecht sei Google ein starker Gegner, der auf der anderen Seite seine eigenen Inhalte nicht genug kontrolliere. Mit solchen Themen wollen sich die Zeitschriftenverlage mehr auseinandersetzen. Denkbar ist, dass sich die Verlagsvertreter über eine gemeinsame Vermarktung unterhalten. Auf der Agenda steht auch das Thema von Online-Bezahlschranken, das Chefredakteure unter Leitung von Wolfgang Büchner von der Deutschen Presse-Agentur in der Gruppe der Veröffentlichung („Premium Publishing“) behandeln. „Wir haben jetzt eine Plattform geschaffen, wo sich Chefredakteure, Technologie-Experten und Vermarkter direkt austauschen können, sofern es die Wettbewerbssituation erlaubt“, sagte Schuh.

Zum Thema von Bezahlinhalten will Schuh und sein Unternehmen, an dem der Burda-Verlag beteiligt ist, nicht voranschreiten. „Wir wissen jetzt, wie wir über die Werbevermarktung Portale wie Focus Online profitabel bekommen“, sagt er. Das war ein schmerzhafter Prozess, bis es geklappt hat, redaktionelle Inhalte mit Anzeigen in den Gewinnbereich zu bringen. „Jetzt haben wir die Profitabilität endlich erreicht, wollen diese ausbauen und uns nicht gleich ins nächste Abenteuer Paid Content stürzen.“ Im vergangenen Jahr war Focus Online zum ersten Mal profitabel, in diesem Jahr soll der Gewinn auf eine siebenstellige Summe steigen. Das Ziel ist laut Schuh, eine Rendite von mehr als 10 Prozent in diesem Jahr zu erwirtschaften. Wenn es wie geplant weiterläuft, werde dies erreicht.

Trotz aller Gemeinsamkeiten bleiben die Zeitschriftenverlage weiter im Wettbewerb. „Jeder kämpft für sich selbst“, sagt Schuh. Eine Abstimmung, wie man sich positioniert, sei dennoch hilfreich. So fragen sich die Verlagsmanager immer, wenn Amazon, Apple, Google und Facebook neue Angebote einführen, ob das jetzt Chance oder Bedrohung sei. Die Strategien der neuen Wettbewerber zu diskutieren helfe dann. In einem dürfte Schuh sich sicher sein: An Gesprächsbedarf wird es kaum mangeln.

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