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Klambt-Verleger Lars Joachim Rose: "Deutschland ist ein wunderbarer Zeitschriftenmarkt"

02.10.2012, 11:45 Uhr  ·  Klambt startet immer wieder neue Magazine. In einem schwierigen Feld erntet der Verlag lange gesäten Erfolg. "Wir probieren alle digitale Ausgaben aus, aber ich sehe noch kein großes Geschäft in ein oder zwei Jahren."

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Klambt startet immer wieder neue Magazine. In einem schwierigen Feld erntet der Verlag lange gesäten Erfolg. “Wir probieren alle digitale Ausgaben aus, aber ich sehe noch kein großes Geschäft in ein oder zwei Jahren.”

In seinen jungen Jahren haben ihn die Titel des Familienbetriebs überhaupt nicht animiert. Alles andere hätte sich Lars Joachim Rose damals lieber angesehen als die zwei Frauenzeitschriften oder die eine große Strickzeitschrift, die sein Vater im Klambt-Verlag herausbrachte. Aber es muss ja nicht immer alles so bleiben. Lars Joachim Rose ist älter geworden und das Familienunternehmen größer. Seitdem vereint das Medienhaus immer mehr Titel unter seinem Dach. Zum Portfolio gehören  tratschende Frauenzeitschriften wie „Woche der Frau”, „Freizeitwoche”, „Frau mit Herz”, „Welt der Frau”, „Die neue Frau” und „Heim und Frau” sowie allerlei Rätselhefte. Unter Roses Ägide haben sie in den vergangenen zehn Jahren auch die neuartigeren Prominentenmagazine „in”, „OK!” und „Grazia” gestartet.

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Lars Joachim Rose macht Blätter für Frauen (Foto Anja Franzke)

Fast alle zwei Jahre bringt der Verlag eine neue Zeitschrift ins Presseregal. Rose gehört damit zu denjenigen, die unverändert an gedruckte Medien glauben. Wenn er aus dem europäischen Ausland zurückkehrt, sieht er die heimische Lage im Vergleich weitaus besser. „Wir leben in einem Land der Glückseligkeit mit unserem wunderbaren Printmarkt”, sagt er. „Deutschland ist ein wunderbarer Zeitschriftenmarkt.”

Mit neuen Titeln auf mehr Standbeinen stehen

Während der 43 Jahre alte Verleger ruhig an diesem Tag in einem Sessel seines Hamburger Büros sitzt, spricht er klar über die Lage der Zeitschriftenbranche. „Wir wissen, dass wir einen Markt mit tendenziell rückläufigen Auflagen haben”, sagt Rose. Längst wachsen die Bäume in der Branche nicht mehr steil gen Himmel, aber es lohnt sich oft genug. Mit Hilfe neuer Titel legt Klambt im Markt zu: Den Umsatz der Unternehmensgruppe hat Klambt im Laufe der Jahre von 70 Millionen auf etwa 110 Millionen Euro steigern können. In Deutschland sind sie eine mittelständische Kraft unter den Großverlagen Bauer, Burda, Springer, WAZ und Gruner + Jahr, die Milliardebeträge umsetzen. Mit einer einstelligen Umsatzrendite ist Rose zufrieden. Fast alle der 50 Zeitschriften sind profitabel, nur in zwei der jüngsten Titel stecken sie weiter Geld. Dazu zählt das Mode- und Einrichtungsmagazin „Flair”, der neueste Schrei des Hauses, das im ersten Anlauf mehr als hunderttausend verkaufte Exemplare ausweist.

Das gehört zum Prinzip des Verlags, der fest in Familienhand ist: Seit langem säen sie wie frische Bäume immer neue Titel, damit sie weiter den Erfolg ernten können – so erst haben sie ihren Umsatzwachstum möglich gemacht. „Wir haben gesagt, wir wollen mehr Standbeine haben”, sagt Rose. Deswegen versuchet Klambt sich nicht mehr nur an Rätselheftchen und unterhaltenden  Frauenzeitschriften, sondern auch an reißerischen Promimagazinen und hochwertigeren Modetiteln. Eins eint die Vielfalt: Sie machen Blätter für Frauen. Da kenne man sich aus, sagt Rose. Andernfalls müssten sie mehr Wissen in allen Bereichen zukaufen – das würde fast nur mit dem Kauf eines kompletten Verlages gelingen. Sie bleiben sich und den Frauen treu.

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App als Versuchsballon (Foto Klambt)

Finanziell sehen sie sich gut aufgestellt. „Wir stemmen unsere Investitionen seit einigen Jahren komplett aus Eigenmitteln”, sagt Rose. Bei aller Freude auf das Neue gilt aber immer: Die Substanz des Verlages muss erhalten bleiben. Damit Lars Joachim Rose die Familie- und Unternehmensgeschichte seinen Kindern nicht nur weitererzählen, sondern auch weitertragen lassen kann.

„Wir kennen uns damit aus, mit schlanken Strukturen zu arbeiten”

1843 gründete Wilhelm Wenzel Klambt in Neurode in Schlesien eine Druckerei und den „Hausfreund”, eine politischer Wochenzeitung, die frei über die damaligen Missstände der Gesellschaft berichtete, wie Rose erzählt und er von seinem Großvater berichtet bekam. Der Titel wurde rasch erfolgreich und in ganz Deutschland verteilt. 1906 wurden Zweigstellen in Hamm und Speyer gegründet. 1944 wird der „Hausfreund” auf Befehl der Reichspressekammer eingestellt und nach dem Krieg in Speyer wieder herausgebracht – allerdings als Zeitschrift für die ganze Familie. Es war leichter an die Lizenz dafür zu kommen als für ein politisches Medium, sagt Rose. Später kauft Klambt „7 Tage” und legt diesen 1966 mit dem „Hausfreund” zusammen, als einen Vorboten der Regenbogenpresse.

Früh legte der Verlag auch den Grundstein für das zweite Kerngeschäft: 1894 beginnt Klambt die Abonnenten zu versichern. Kurz darauf kooperiert der noch kleine Familienbetrieb dafür mit der Nürnberger Versicherungsgruppe, mit der sie nach wie vor zusammenarbeiten. Heute hat Klambt für den Versicherungsbereich einen Standort mit eigener Geschäftsführung in Nürnberg. Als Generalagentur kümmert sich diese um den Familienschutz und steuert 30 Prozent zum Umsatz bei.

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Auf den Hund kommen: Klambts soziales Netz ist der neue Hausfreund (Foto Klambt)

Ins Unternehmen stieg Lars Joachim Rose 1996 ein, er lernte das Geschäft als Assistenz eines langjährigen Geschäftsführers einer Tochtergesellschaft. „Wäre alles, was ich getan habe, nicht erfolgreich gewesen, dann wäre ich nicht hier”, sagt Rose im Rückblick. Er schritt stetig voran: Objektleiter, Verlagsleiter, Geschäftsführer. Abrupt folgte der finale Schritt zum geschäftsführenden Gesellschafter der Unternehmensgruppe. Sein Vater übertrug ihm 2001 die Leitung mit den Worten: „Du kannst mich gerne fragen, aber ich komme nicht unaufgefordert in dein Büro.” 2002 stieg sein jüngerer Bruder Kai Rose in die Geschäftsleitung ein. Standorte haben sie mit 650 Mitarbeitern neben dem Sitz in Speyer und dem Versicherungsgeschäft in Nürnberg in Baden-Baden, wo die meisten Redaktionen arbeiten. Nach Hamburg sind sie mit „OK!” für die jüngsten Titel gegangen. Lars Joachim Rose ist meist montags und freitags im Süden und dazwischen in Hamburg.

Digitalisieren mit einer Innovation, die ihresgleichen sucht

Der Gesellschafterkreis ist mit 14 Anteilseignern groß. Entschieden wird aber immer zusammen: „Wir stehen entweder einstimmig zu einer Sache oder wir machen sie nicht”, sagt Rose. „Ich bin kein uneingeschränkter Herrscher, ich habe Mitgesellschafter und muss Ergebnisse abliefern.”

Größer geworden ist Klambt auch damit, dass sie mit anderen Verlagen zusammenarbeitet. Die „Freizeitwoche” startete Klambt vor acht Jahren zusammen mit dem Bauer-Verlag, der dafür die besseren Vertriebsstrukturen hatte. Nach dem Start von „Grazia” holte Klambt den Rivalen Gruner + Jahr ins Boot, um die Anzeigen zur vermarkten. Das Magazin passe besser in deren Portfolio und habe die Werbeeinnahmen auch schon gesteigert. „Wir sind ein eigenständiger Verlag, aber immer dann, wenn wir glauben, dass es einen Vorteil bringen kann, vereinen wir unser Wissen mit anderen”, sagt Rose. Als Vorteil des kleineren Verlages sieht er: „Wir kennen uns damit aus, mit schlanken Strukturen zu arbeiten.” Er erwartet mehr Kooperation zwischen Medienhäusern wie im Anzeigenbereich und auch im Papiereinkauf. Tabu sind für ihn Redaktionen als Kern des Verlages.

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Rose malt nicht schwarz (Foto Klambt)

Mit neuen Zeitschriften wächst das Geschäft des damals in Schlesien gegründeten Familienbetriebs. Aber Lars Joachim Rose ist auch sicher, dass nicht alles so bleiben wird, wie es ist. „Wir wissen auch, dass wir unsere Produkte dauerhaft noch stärker digitalisieren müssen”, sagt er. Aus seinem Haus stammt eine Innovation, die ihresgleichen sucht: Klambt startet vor einem Jahr „my social petwork”, ein sozialen Netzwerk für Tiere. Auf die Idee dazu kamen zwei der eigenen Mitarbeiter, die Hunde haben und das Projekt leiten. Auch bieten sie einzelne Apps für Smartphones an.

„Uns muss nicht bange machen, ob Inhalte noch gedruckt erscheinen”

Rose spricht von große Aufgaben und Herausforderungen für seine Branche. Aber dass rasch mit Anwendungen für Tabletcomputer viel zu verdienen ist, glaubt der Verleger nicht. „Wir probieren alle digitale Ausgaben aus, das ist auch richtig, aber ich sehe damit noch kein großes Geschäft in ein oder zwei Jahren”, sagt Rose. „Wenn sich Tabletcomputer in Deutschland so rasant ausbreiten, wie in Amerika, reden wir in zwei Jahren über ernsthafte Umsätze.” Für seine Branche wird ihm zu oft schwarz gesehen. „Wir machen die Inhalte und von daher muss uns auch nicht bange machen, ob die Inhalte in 25 Jahren noch gedruckt erscheinen.”

Vor etwa 25 Jahren hatte Klambt doch noch eine Zeitschrift, die den jungen Lars Joachim Rose reizte: In dieser waren nackte Oberkörper zu sehen – nur nicht für ihn. Dieses Heft wurde zuhause versteckt.

 

Das Unternehmen

Am Anfang war der “Hausfreund”: Mit dieser Zeitschrift (heute: “7 Tage”) legte Roses Urururgroßvater Wilhelm Wenzel Klambt 1843 in Schlesien den Grundstein des Verlags. Inzwischen gehören 50 Zeitschriften sowie Versicherungsgeneralagenturen zum Geschäft der Klambt-Verlag GmbH & Cie. Auch an Radiosendern und Pressevertrieben ist man beteiligt. Die Gruppe setzt 110 Millionen Euro im Jahr um, erreicht eine einstellige Rendite und hat 14 Gesellschafter. Die Familie Klambt kommt auf rund 80 Prozent.

Der Unternehmer

Mit 32 Jahren trat Lars Joachim Rose an die Unternehmensspitze; er lenkt die Gruppe seit 2001 als geschäftsführender Gesellschafter und Verleger. Ihm selbst gehört ein Zehntel des Unternehmens. Rose, Jahrgang 1969, studierte Jura in Heidelberg und arbeitete von 1996 an in Baden-Baden für eine Tochtergesellschaft, den Sonnenverlag; dort zuletzt als Geschäftsführer. Sein Bruder Kai Rose ist seit 2006 als geschäftsführender Gesellschafter tätig. Seine Schwester Ingrid Rose arbeitet als “in”-Chefredakteurin.

 

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Veröffentlicht unter: Digital, Zeitschriften, Klambt

 

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[...] ist ein wunderbarer...

[...] ist ein wunderbarer Zeitschriftenmarkt,” äußerte er im Oktober 2012 in der FAZ. Hoffen wir, dass diese Prognose für zukünftige Magazine eintrifft. Von der Einstellung [...]

Jahrgang 1983, Redakteur in der Wirtschaft der F.A.Z.