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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Digitalinhalte: Axel Springer lässt die Bezahlschranke fallen

Springer setzt digital auf Vertriebserlöse und startet ein weiches Bezahlangebot für die digitale „Welt".

Springer setzt digital auf Vertriebserlöse und startet ein weiches Bezahlangebot für die digitale „Welt”.

Die Axel Springer AG versucht mit einer Bezahlschranke auf der Internetseite der Tageszeitung „Welt” die digitalen Vertriebserlöse zu steigern. Für das Medienhaus seien weitere Einnahmen neben den Anzeigenerlösen für das Online-Geschäft zwingend notwendig. „Wir brauchen die zweite Säule um Journalismus zu finanzieren”, sagte Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner am Montagabend in Berlin. „Die ganz große Frage ist: Gelingt es uns die Zeitung vom Papier zu trennen?”

Mit einer weichen Bezahlschranke für die Angebote der „Welt” startet Springer von Mittwoch an den nach eigenen Angaben Praxistest. Das ist auch der Versuch, bisherige Leser der gedruckten Ausgabe an die Internetangebote zu binden – vor allem will der Verlag jedoch direkte Einnahmen von digitalen Lesern erzielen. Dabei werde zwar die Reichweite zumindest kurzfristig zurückgehen, die Auffindbarkeit durch Suchmaschinen soll nicht eingeschränkt werden. „Wenn wir uns von den Suchmaschinen verabschieden, wäre das wie wenn wir unsere Zeitungen nicht mehr am Kiosk auslegen”, sagte Romanus Otte, der für die digitale „Welt”-Gruppe zuständig ist. „Es geht uns nicht darum, eine Mauer zu errichten.”

Von Mittwoch an erhalten Leser nach dem 20. Artikel, den sie im Monat online aufrufen, die Aufforderung ein digitales Abonnement abzuschließen. Ohne dieses können sie nicht auf den 21. Artikel zugreifen. Frei bleiben dagegen der Zugriff auf die Startseite und der Zugang über Links von Suchmaschinen, sozialen Netzwerken oder anderen Seiten. Wer also einen Link von Google oder Twitter auf die Internetseiten der „Welt” folgt, kann auch den hundertsten Artikel noch lesen; erst wenn er auf „welt.de” den Klick zum nächsten Artikel macht, fällt die Bezahlschranke an. Springer folgt damit dem „Metered Model” für digitale Bezahlinhalte nach dem Vorbild der amerikanischen Tageszeitung „New York Times”. Abonnenten der Zeitung erhalten den Zugriff auf die digitalen Angebote ohne Zusatzkosten, müssen sich dafür jedoch registrieren.

Wie hoch ist die Zahlungsbereitschaft?

„Wir sind erst am Anfang der Digitalisierung und müssen es ausprobieren”, sagte Springer-Vorstand Jan Bayer. Innerhalb von sechs Monaten wollen sie vor allem Erfahrungen sammeln. Der Verlag will dann auch das Bezahlmodell entsprechend anpassen und kann sich vorstellen, die Zahl der Artikel zu erhöhen oder zu senken. „Die Zahlungsbereitschaft mit den Apps hat uns ermutigt, dass es geht”, sagte Romanus Otte. Ein Jahr hat Springer an der Technik und dem Verfahren zur Bezahlung gearbeitet. Zu den Kosten dafür macht der Verlag keine Angaben. Das Grundsystem könne auch von anderen Medien des Unternehmens genutzt werden. Im kommenden Jahr soll die „Bild”-Zeitung eine digitale Bezahlschranke erhalten; von Sommer an hat Springer die Internetrechte für die Fußball-Bundesliga, deren Verkauf sich gut mit dem weiterer Inhalte verbinden lässt.

Die Frage bleibt, wie hoch die Zahlungsbereitschaft der digitalen Leser ist. Springer nennt nicht die Zahl der „Welt”-Nutzer, die bisher überhaupt mehr als 20 Artikel im Monat lesen. Dieser Anteil dürfte aber nicht allzu groß sein. Somit würde auch die Reichweite, die besonders für die Anzeigenkunden und -erlöse wichtig ist, nicht stark zurückgehen. Döpfner hofft darauf, dass mit zahlenden Lesern deren Wert und die Anzeigenpreise zulegen. Er nennt zum Vergleich und als Orientierungsmarke, dass im gedruckten Bereich die Anzeigenpreise für einen zahlenden Leser 15 Mal so hoch sind wie für einen Leser, der nicht zahlt.

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