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WAZ-Mediengruppe: SPD-Medienholding schießt gegen Aus für eigenständige „Westfälische Rundschau"

Die WAZ-Gruppe schließt die Redaktion der „Westfälischen Rundschau" und lässt die Inhalte von anderen Redaktion künftig liefern. Dagegen ist jedoch die SPD-Medienholding als Minderheitsgesellschafter und nennt dies „seelenlose Redaktionsklempnerei".

Die WAZ-Gruppe schließt die Redaktion der „Westfälischen Rundschau” und lässt die Inhalte von anderen Redaktion künftig liefern. Dagegen ist jedoch die SPD-Medienholding als Minderheitsgesellschafter und nennt dies „seelenlose Redaktionsklempnerei”.

Die WAZ-Gruppe schließt die eigenständige Redaktion der „Westfälischen Rundschau” und hat am Dienstag 120 Mitarbeiter der Tageszeitung freigestellt. Die Inhalte für die seit Jahren defizitäre Zeitung sollen künftig durch andere Redaktionen geliefert werden. Die Geschäftsführung der Essener Mediengruppe begründet die Schließung mit hohen Millionenverlusten und einer schlechten Aussicht für den Titel. Gegen das Vorpreschen der Konzernspitze wehrt sich jedoch die SPD-Medienholding Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG) als Minderheitsgesellschafter. Die SPD-Holding ist mit 13,1 Prozent am Zeitungsverlag Westfalen KG beteiligt, der die „Westfälische Rundschau” herausgibt, und hätte nach eigenen Angaben den Maßnahmen zustimmen müssen. „Die Entscheidung der WAZ ist nicht plausibel nachvollziehbar und erweckt den Eindruck einer seelenlosen Redaktionsklempnerei,” sagte die SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks. „Auch ich als Generaltreuhänder in des Beteiligungsbesitzes der SPD erkläre hiermit, dass die Entscheidungen der WAZ gegen und ohne uns gefallen sind.”

Bild zu: WAZ-Mediengruppe: SPD-Medienholding schießt gegen Aus für eigenständige „Westfälische Rundschau"
Schlechte Aussicht (Foto dapd)

Die SPD-Beteiligungsgesellschaft will jetzt den Umgang mit den Maßnahmen der WAZ-Konzernführung rechtlich prüfen. Durch das Vorpreschen sei eine gesellschaftsrechtlich schwierige Situation entstanden. Klar sei, dass das Vertrauensverhältnis zum Mehrheitsgesellschafter zerrüttet ist. Im vergangenen Jahr sei die SPD-Medienholding Ende November „sehr rudimentär” informiert worden, dass die WAZ-Gruppe Einschnitte bei der „Westfälischen Rundschau” geplant sind. „Trotz mehrfacher Nachfragen wurden uns keine näheren Informationen hierzu übermittelt”, teilte die DDVG nun am Dienstag mit. Die Beteiligungsgesellschaft der SPD habe eine Gesellschafterversammlung für den 27. Dezember initiiert gehabt und dort gegen die Beschlussvorlage der WAZ gestimmt, nach der die Geschäftsführung freie Hand erhalten habe.

Tagszeitungen in Nordrhein-Westfalen sind das Kerngeschäft

Die WAZ-Mediengruppe gibt in Nordrhein-Westfalen vier Tageszeitungen heraus: Die „Westfälische Rundschau” erreicht eine Auflage von 115.000 Exemplaren, zusammen mit „Westdeutscher Allgemeinen Zeitung” (WAZ), „Neue Ruhr” / „Neue Rhein-Zeitung” und „Westfalenpost” kommen die vier Titel auf eine Auflage von 700.000 verkauften Exemplaren. Die nordrhein-westfälischen Zeitungen sind das Kerngeschäft der Mediengruppe und trugen 2011 mehr als die Hälfte zum Konzernumsatz von 1,1 Milliarden Euro bei. Die Gruppe mit 30 Zeitungen, 170 Zeitschriften und 10.000 Mitarbeitern kam dabei auf ein operatives Ergebnis von etwa 110 Millionen Euro.

Die Aussichten für den Medienkonzern waren zuletzt jedoch nach eigener Ansicht nicht mehr bestens. Die im vergangenen Jahr neu zusammengestellte Konzerngeschäftsführung um Christian Nienhaus, Manfred Braun und Thomas Ziegler planten die Ausgaben um ein Fünftel zu kürzen. Bis zum Jahresende sollte die Planung dafür vollendet sein. Ein Bestandteil wird der radikale Umbau der defizitären „Westfälischen Rundschau” sein.

„Anhaltender Anzeigen- und Auflagenrückgangs und schlechte Geschäftsaussichten”

„Wir wissen, dass das für die Betroffenen und ihre Familien sehr hart ist, aber wir sehen im Interesse des gesamten Unternehmens leider keine andere Möglichkeit”, sagte Braun zu Schließung der Redaktion. „Wir werden alles daran setzen, diesen Arbeitsplatzabbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten”, sagte Nienhaus. Neben dem bestehenden Sozialplan sichert die Geschäftsführung zu, frei werdende Stellen in Nordrhein-Westfalen bevorzugt mit Mitarbeitern der „Westfälischen Rundschau” besetzen zu wollen. „Angesichts des anhaltenden Anzeigen- und Auflagenrückgangs und der schlechten Geschäftsaussichten für das laufende Jahr mussten wir jetzt handeln”, sagte Ziegler.

Der Umbau der „Westfälischen Rundschau” sieht vor, dass die Zentralredaktion („Content Desk”) die überregionalen Seiten komplett übernimmt. Die Berichterstattung aus Arnsberg und Hagen liefert vollständig die „Westfalenpost”, die dies auch für Wetter/Herdecke und Ennepe-Süd übernimmt und dafür eine Lokalredaktion aufbaut.

Die weiteren lokale Berichterstattung kommt von anderen Unternehmen: Für die Ausgaben in Dortmund, Lünen und Schwerte kümmert sich von Februar 2013 an der Verlag Lensing-Wolff mit den „Ruhr Nachrichten” und für Unna und Kamen macht dies der Verlag Rubens mit den „Hellweger Anzeiger”. Die lokalen Themen für die im Märkischen Kreis erscheinenden Ausgaben übernimmt der Märkische Zeitungsverlag.

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