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Georg Wallraf: Neuer BDZV-Verhandlungsführer sorgt sich um Zeitungstarif

Der Tarifvertrag der Zeitungsredakteure ist noch nicht gekündigt, doch Verleger und Gewerkschaften treffen sich schon zu ersten Gesprächen. Sorgen bereitet, dass viele Verlage den Tarif verlassen haben.

Georg Wallraf hat keine leichte Aufgabe vor sich. Auf ihn kommen die Tarifauseinandersetzungen um die Gehälter der 14.000 Tageszeitungsredakteure zu. Auf der Seite des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) wird er die Verhandlungen mit den Gewerkschaften führen. Im vergangenen Jahr übernahm er den Vorsitz des Sozialpolitischen Ausschuss im BDZV. Für „völlig überzogen“ hält der 61 Jahre alte Wallraf, dass die Gewerkschaft Verdi 5,5 Prozent mehr Gehalt verlangt. Die Forderung des Deutscher Journalisten-Verband steht noch aus.

„Wir wollen keinen Abbau, sondern einen Umbau der tarifvertraglichen Konditionen, der das Tarifsystem flexibler und leistungsgerechter macht“, sagte Wallraf dieser Zeitung. Der Tarifvertrag kann mit einem Monat Vorlauf zu Ende Juli gekündigt werden. Ein erste Sondierungsgespräch mit den Gewerkschaften habe stattgefunden.

„Der Werbekuchen wird nicht größer und die Erlöse sinken“

Im Gepäck hat Wallraf die Daten des deutschen Verlagswesens. Dafür holt er einen Zettel aus seiner Mappe hervor: Auf der Grafik zeigt ein Pfeil nach unten – die Auflage deutscher Zeitungen ist seit 2001 gesunken. Ein anderer Pfeil zeigt dagegen nach oben: Die Ausgaben für Gehälter sind gestiegen. Personalkosten machen im Durchschnitt mehr als 40 Prozent für die Medienhäuser aus.

Georg Wallraf ist seit 2010 hauptberuflich für eine Rechtsanwaltskanzlei tätig. Er schaut nun mit einem Blick von draußen auf die Branche – zumindest mehr als früher, als er Jahrzehnte für einen Verlag tätig war. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften in Köln arbeitete er von 1983 bis 2009 für die „Handelsblatt“-Verlagsgruppe in Düsseldorf. Seit Oktober 2010 hat er sich in beratender Funktion einer Rechtsanwaltskanzlei angeschlossen und kümmert sich dort um Presse-, Urheber- und Verlagsrecht. Seit Mitte der Achtziger ist er zudem Mitglied und seit 1995 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Verlagsjustiziare. In der Verbandsarbeit ist Wallraf weiter aktiv – und vom Zeitungsverlegerverband an vorderster Front gegenüber den Gewerkschaften geschickt worden.

Nun obliegt es ihm, mit dafür zu sorgen, dass die Tarifverhandlungen nicht wie vor zwei Jahren eskalieren. Erst nach Monaten kam es zu einer Einigung und einem Gehaltszuschlag für die Redakteure. Der BDZV hatte damals ein neues Tarifwerk für Berufseinsteiger gefordert und sich damit einen Aufschrei der Gewerkschaften gesichert. Dies will der Verband in der kommenden Auseinandersetzungen nicht abermals forcieren.

Keine Staffelung der Berufsjahre, längere Arbeitszeit

Dennoch wollen die Zeitungsverleger den Tarifvertrag deutlich umbauen. „Der Werbekuchen wird nicht größer und die Erlöse sinken“, sagte Wallraf. Er will den Tarif angesichts der wirtschaftlichen Branchenlage flexibler gestalten und weniger „Automatismen“. Die Altersversorgung könnte nach dem Vorbild der Zeitschriftenredakteure umgebaut werden und die Besteuerung erst bei Rentenauszahlung erfolgen, wovon beide Seiten profitieren sollen. Dies hatten die Gewerkschaften erst kürzlich zum April diesen Jahres mit den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger vereinbart.

Zu besprechen sei die Eingruppierung in eine höhere Gehaltsstufe nach Berufsjahren sowie geringere Urlaubstage (bisher bis zu 34 Tage im Jahr) oder eine längere Wochenarbeitszeit (bisher 36,5 Wochenarbeitsstunden). Auch sollte das Tarifwerk möglichst regionale Unterschiede berücksichtigen und stärker Sonderzahlungen vom wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen abhängig machen.

Kommen Online-Redakteure in den Tarif?

Als ein Aspekt, mit denen die Verleger den Gewerkschaften entgegenkommen könnten, gilt, dass der neue Tarifvertrag auch Online-Redakteure umfassen könnte. Die Gespräche über ein neues Tarifwerk dürften spannend werden.

Wallraf weist darauf hin, dass viele Verlag sich indes schon aus dem Tarif verabschiedet hätten und etwa Verbandsmitglieder ohne Tarifbindung seien. „Vom Gesamtergebnis hängt ab, ob Verlage, die aus dem Tarif heraus sind, wieder hineinkommen“, sagte er. Dies hat auch die Gewerkschaft als Problem erkannt.

Schwarz malt Wallraf für die Branche dennoch nicht. Er erwähnt auch die hohe Reichweite der Zeitungen: In Deutschland geben die Verlage 332 verschiedene Zeitungen in 1531 lokalen Ausgaben heraus und kommen damit auf einen Auflage von 18 Millionen Exemplaren. Zwei Drittel der Deutschen, die älter als 14 Jahre sind, liest eine gedruckte Tageszeitung.

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