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Helmut Heinen: Der Kampf des Zeitungsverlegers

19.09.2013, 11:55 Uhr  ·  Helmut Heinen, Präsident des Zeitungsverlegerverbandes, fordert mehr Schutz vor Ausspähaktionen und will doch noch Geld von Google.

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Aus seinem Mund hört sich auch ein Superlativ noch zurückhaltend an. „Wir machen so ziemlich die besten Zeitungen der Welt“, lobte Helmut Heinen, der Präsident des Deutschen Zeitungsverlegerverbandes BDZV, die hiesigen Medien am Montag. Dabei peitschte er die versammelten vierhundert Verleger auf dem jährlichen Zeitungskongress des Verbandes in Dresden kaum auf.

Heinen ist ein unaufgeregter, ruhiger Vertreter in der Medienlandschaft, und so trug er seine Rede zur Eröffnung eher nüchtern vor. Dabei muss sich die Zeitungsbranche nicht verstecken: 50 Millionen Menschen lesen jeden Tag gedruckte Zeitungen und informieren sich so über das Weltgeschehen, den Ausgang von Wahlen oder Unterhaltungsgeschichten. Eine gute halbe Stunde verbringe der Leser im Durchschnitt mit der Zeitungslektüre. Die Zeitungen haben online und gedruckt eine so hohe Reichweite wie nie zuvor, berichtet Heinen, der Herausgeber der „Kölnischen Rundschau“ und Geschäftsführer der Heinen-Verlag GmbH ist. Aus dem eigenen Geschäft weiß er, wie schwer sich viele Verlage seit der Jahrtausendwende tun. Während das Digitalgeschäft immer mehr zulegt, verringern sich die Auflagen der gedruckten Ausgaben langsam, und auch die Anzeigenerlöse sinken.

Helmut Heinen wurde am 19. August 1955 in Köln in eine Verlegerfamilie hineingeboren. Sein Großvater Reinhold Heinen hatte 1946 eine Zeitungslizenz erhalten und die „Kölnische Rundschau“ herausgebracht; er war vorher als Anhänger der katholischen Zentrumspartei lange im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert worden. Sein Enkel Helmut Heinen stieg nach dem Studium der Mathematik 1982 in das Familienunternehmen ein.

In seiner Zeit an der Spitze des Verlages fiel der große Einschnitt für den Verlag: 1999 griff der Kölner Konkurrent und Marktführer M. DuMont Schauberg („Kölner Stadtanzeiger“, „Express“) dem kleineren Heinen Verlag unter die Arme und übernahm das Verlagsgeschäft der „Kölnischen Rundschau“. Andernfalls hätte die Zeitung wohl nicht überlebt, wie das Bundeskartellamt in seiner Zustimmung meinte. Den Erben des Gründers blieb noch die Hoheit über die Redaktion. Beide Verlage waren schon länger eng miteinander verbunden: 1982 hatte DuMont Schauberg ein Fünftel am Heinen Verlag übernommen. Als DuMont 2009 den Berliner Verlag mit „Berliner Zeitung“ und „Hamburger Morgenpost“ für mehr als 150 Millionen Euro kaufte, war auch Helmut Heinen mit an Bord. Sein Unternehmen beteiligte sich mit 35 Prozent am Berliner Verlag, der derzeit spart und Stellen abgebaut hat.

Seit 2000 ist Heinen als Präsident des BDZV der Vertreter seiner Branche. Am Montag zeigte er sich besorgt darüber, wie sehr amerikanische und britische Geheimdienste andere ausspähten. Es gehöre zur Würde des Menschen, sich in Freiheit mit anderen austauschen zu können. „Für unsere Häuser ist ein optimaler Quellenschutz lebenswichtig“, sagte er zudem. Nur so könne die Presse ihre Wächterfunktion erfüllen. Heinen forderte eine „Magna Carta der Telekommunikation“ mit globalen Freiheitsrechten. Dies sei Aufgabe der deutschen Politik nach der Wahl. Die Netzneutralität, der diskriminierungsfreie Zugang zum Internet, müsse in Deutschland gesetzlich garantiert werden. Er warnte vor einer „Mehrklassengesellschaft etwa nach Größe oder Finanzkraft der Inhalteanbieter“.

Auf dem digitalen Feld reiben sich die Zeitungsverleger seit Jahren an neuen Konkurrenten. Gegen die Internetexpansion der öffentlich-rechtlichen Sender sind mehrere Zeitungsverlage mit einer Klage gegen die „Tagesschau“-App der ARD vorgegangen (darunter der Verlag dieser Zeitung). Vor dem Landgericht Köln haben diese damit weitgehend recht erhalten, dass die „Tagesschau“-App zeitungsähnlich sei und damit nicht erlaubt sei. Heinen führte vor und nach dem Urteil Verhandlungen mit öffentlich-rechtlichen Intendanten – bisher ohne Ergebnis. Am Montag hat er die Auseinandersetzung mit den öffentlich-rechtlichen Sendern um deren Internetexpansion nicht einmal mehr erwähnt.

Zum Ärger der Verleger fließt digital ein Großteil der Werbeerlöse zum Suchmaschinenbetreiber Google. Einen Wandel erhofften sich Verlage daher vom Leistungsschutzrecht, das von August an gilt. Damit soll Google den Presseverlagen Geld zahlen, um deren Inhalte in der Suche zu nutzen. Google fragte dagegen die Verlage, ob sie in „Google News“ kostenlos bleiben wollten – und fast alle stimmten dem zu. Für Helmut Heinen ist das Leistungsschutzrecht, für das er lange gekämpft hatte, in vielerlei Hinsicht nicht zufriedenstellend. Er meint, dass noch Zeit bleibt, damit die Verlage Geld von Google erhalten. „Das muss nach der langen quälenden Diskussion nicht übers Knie gebrochen werden“, sagte er nun.

Bislang hat der Einsatz gegen die öffentlich-rechtliche Internetexpansion und gegen Google noch nichts gebracht. An der Verbandsspitze bleiben damit genug Aufgaben für ihn.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
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1 Heike Schneider 19.09.2013, 18:14 Uhr

Das 50Millionen Menschen...

...täglich Zeitung lesen nehme ich Ihnen nicht ab.

Jahrgang 1983, Redakteur in der Wirtschaft der F.A.Z.