Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Gemeinsam gegen Google: Neue Zeitschriften finden ihre Leser

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Die Zeitschriftenverlage geben sich auf ihrem Jahrestreffen optimistisch. Hubert Burda ruft zur Zusammenarbeit auf und attackiert Google. Dieser müsse endlich Steuern zahlen.

Was macht Mathias Döpfner noch unter den Zeitschriftenverlegern? Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG ist schließlich dabei, neben den regionalen Flaggschiffen „Hamburger Abendblatt“ und „Berliner Morgenpost“ auch seine Programm- und Frauenzeitschriften an die Funke-Mediengruppe abzugeben. Trotzdem zeigte Döpfner sich auf dem Jahreskongress des Zeitschriftenverlegerverbandes VDZ in dieser Woche in Berlin und gab den Käufern vom Podium herab gleich Ratschläge.

„Die Funke-Gruppe weiß sehr genau, dass starke Regionalmarken digitalisiert werden müssen“, sagte er. „Diese Marken sind schon heute digitalisiert und müssen noch mehr digitalisiert werden.“ Die Branche beäugt genau, was aus dem Riesengeschäft mit dem Kaufpreis von 920 Millionen Euro wird. Noch prüft das Bundeskartellamt die Transaktion. Zwei Gemeinschaftsunternehmen sollen entstehen und sich um Anzeigen und Vertrieb für die Titel kümmern. Die Essener Funke-Mediengruppe mit „Westdeutscher Allgemeiner Zeitung“, „Gong“ und „TV direkt“ steigt dann zum Großverlag auf. Immerhin bleiben Springer neben „Bild“ und „Welt“ im Zeitschriftenbereich Titel wie „Auto Bild“, „Sport Bild“ und „Rolling Stone“.

Ist Springer noch ein Verlag?

Döpfner verteidigte den Verkauf der Regionalzeitungen und Zeitschriften damit, dass Springer aus kartellrechtlichen Gründen keine weiteren Titel erwerben dürfe. Der Kauf einer Zeitung in der Nähe Berlins sei daran gescheitert. „In diesen Bereichen trennen wir uns und konzentrieren uns auf unsere Stärken, um die journalistische Kraft der anderen Marken zu stärken“, sagte er. Inwieweit Springer tatsächlich mit Journalismus wachsen will, wird das Unternehmen mit den Zukäufen zeigen, die es mit dem Geld von Funke machen könnte. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) fragte zur Kongresseröffnung schon, ob Axel Springer noch ein Verlag sei? Da lächelte Döpfner im Publikum.

Flankenschutz für das Geschäft zwischen Funke und Springer kam von ungewohnter Seite. Philipp Welte, Vorstand der Hubert Burda Media („Focus“, „Bunte“, „Freizeitrevue“) und damit Wettbewerber, befürwortet den Kauf. „Ich hoffe, dass es gutgeht und das Kartellamt dem in einer gestrigen Betrachtungsweise nicht im Weg steht“, sagte er in einer Diskussion mit Döpfner. Burda ist selbst eng mit der Funke-Gruppe verbandelt: Beide sind am Vertriebsunternehmen MZV beteiligt und lassen darüber ihre Zeitschriften ausliefern.

„Die Gefräßigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender ist gewaltig“

Verleger und VDZ-Präsident Hubert Burda rief die Verlage zu mehr Zusammenarbeit auf. Sie seien umgeben von einer sehr starken Fernsehwerbung in Deutschland und der amerikanischen Suchmaschine Google, die den Werbemarkt im Internet dominiert. „Google hat uns das Anzeigengeschäft kaputtgemacht.“ Burda kritisierte, dass Google in Europa kaum Steuern zahlt. So könne man nicht zu gleichen Bedingungen gegeneinander antreten. „Wir haben alle weniger Geld, weil die anderen Steuern nicht bezahlen“, sagte er. Zudem attackiere das Angebot von ARD und ZDF die freie Presse. „Die Gefräßigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender ist gewaltig“, sagte Burda. Und angesichts dieser Bedrohungen sollten die Verlage nicht gegeneinander agieren, sondern für ihre gedruckten Medien werben.

Dennoch gab der 73 Jahre alte Unternehmer sich optimistisch – wie viele andere Verlagsmanager. „Die Leute wollen lesen“, sagte er. „Die Verbindung von Text und Bild ist nach wie vor unersetzlich und die Kraft der gedruckten Anzeige ungebrochen.“ Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach hob hervor, dass die Auflagenverluste der Zeitschriften größtenteils auf ältere Titel entfallen. „Es existiert kein Gattungsschicksal Print, sondern es gibt Erfolge und Misserfolge“, sagte sie. 35 neugegründete Zeitschriften des vergangenen Jahrzehnts erreichen derzeit ein Auflagenplus von fast 6 Prozent. Dagegen entfallen auf die 20 verlustreichsten Titel 79 Prozent der bilanzierten Verluste.

Gruner + Jahr will neue Titel herausbringen

Die Verlage müssten immer wieder ihre Angebote prüfen und sich auch von Zeitschriften trennen. Neue Titel beleben den Markt und sorgen dafür, dass die Auflage im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal auch wieder anstieg. „Der Innovationsgrad für ein Unternehmen wie unseres ist essentiell“, sagte Julia Jäkel, Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“). „Wir müssen noch innovativer sein.“

Dafür wandert die Werbung ins Internet. Anders sieht das allerdings Boris Schramm von der Mediaagentur-Gruppe Group M, der dort für Print zuständig ist. „Unsere Kunden schalten nicht weniger Anzeigen im Jahr, sie zahlen nur weniger Geld dafür“, sagte er. Trotz des digitalen Wachstums leben Unternehmen noch davon, in gedruckten Medien präsent zu sein.

Anzeigen bringen Umsatz im Einzelhandel

Der Handelskonzern Edeka will seine bisher überschaubaren Online-Ausgaben zurückfahren und stärker in Zeitschriften werben. Deren Läden spüren direkt, wenn gedruckte Werbung fehlt. „Wenn wir keine Anzeigen mehr schalten, machen wir in der Woche 10 Prozent weniger Umsatz“, sagte der Vorstandsvorsitzende Markus Mosa.

Ein aufstrebender Verlag war auf der Bühne der Zeitschriftenverleger in diesem Jahr noch nicht präsent. Die Essener Funke-Mediengruppe bleibt gern im Hintergrund und zeigte sich mit Geschäftsführer Manfred Braun nur im Publikum. Wenn das Kartellamt mitspielt, steigt Essen in eine andere Liga auf und gehört zu den großen Zeitschriftenverlagen. Dann dürfen sie im kommenden Jahr nicht kommen, sich auf der großen Bühne zu zeigen.

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3 Lesermeinungen

  1. Dieser müsse endlich Steuern zahlen.
    Korrekt!
    Und enjdlich Lizenzen zahlen an all die Urheber und Rechteinhaber von Millionen von der Filmen und MUSIK-Titeln, die er ohne zu fragen in seinem YouTube anbietet.

  2. Ach ja, Online-Werbung
    Ich habe davon gehört, dass es Online-Werbung geben soll. Ich seh sie nur immer nicht, weil ich wie viele Millionen andere User den beliebtesten Browser Mozilla Firefox verwende und dort das beliebteste Add-ons installiert habe.

  3. Ich glaube auch an die Printmedien
    Morgens bei meiner Online-Presseschau packt mich oft die Wut: Immer die gleiche Krawallrethorik, die platte Bilderflut, Videos, die einem die Zeit stehlen. Besonders respektlos finde ich, daß die Texte mit eingestreuter Wort-Werbung verhunzt werden, was sich nicht einmal die englische Presse erlaubt. Das alles paßt zu den Verwahrlosungstendenzen des Internets: Abhörskandale, Shitstorms („Asoziale Netze“), Betrügereien usw. Es soll ja Journalisten geben, die auf das Internet setzen. Da müssen sich aber einige noch ganz schön umstellen.

    Wie leicht man sich in die Herzen frustrierter Städter schreiben kann, zeigt dagegen der phänomenale Erfolg des Printmediums „Landlust“. Mit Tränen der Rührung stapelt die Leserschaft Brennholz und wähnt sich in Arkadien.

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