Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

112 Millionen Euro Verlust: Isabella Neven DuMont und Alfred Neven DuMont

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Das Kölner Familienunternehmen M. DuMont Schauberg wollte hoch hinaus – und hat dafür bitter bezahlt.

Höhenangst lässt sich der Familie nicht nachsagen. Immerhin betreibt die 45 Jahre alte Isabella Neven DuMont gemeinsam mit ihrem Mann Stefan Vornholt einen Hochseilgarten in Odenthal. Als sie diesen vor ein paar Jahren eröffneten, kamen und kletterten auch ihre Eltern in luftige Höhen: Hedwig und Alfred Neven DuMont enterten mit Helm auf dem Kopf und Seilen am Körper den Parcour unter den Baumwipfeln. „Ich führe ein Unternehmen von acht Zeitungen, da werde ich doch wohl balancieren können“, sagte Vater Neven DuMont, der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende des großen Regionalzeitungsverlags M. DuMont Schauberg, dem konzerneigenen „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Der Hochseilgarten ist nur noch Nebenerwerb für Isabella Neven DuMont. 2011 holte der heute 86 Jahre alte Alfred Neven DuMont seine Tochter in den Vorstand des Kölner Verlages, der 2002 sein Bestehen seit 200 Jahren feierte. Zu dessen Medienreich gehören die Tageszeitungen „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Kölnische Rundschau“, die „Mitteldeutsche Zeitung“ in Halle und die „Berliner Zeitung“ sowie die Boulevardtitel „Express“, „Berliner Kurier“ und „Hamburger Morgenpost“. Die Geschäfte des Konzerns liefen in den vergangenen Jahren jedoch äußerst schlecht. Im Jahr 2012 erreichte die Mediengruppe M. DuMont Schauberg einen Fehlbetrag von 112,2 Millionen Euro. Das geht aus dem Konzernabschluss für 2012 vor, der diese Woche im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde und mehr als 50 Din-A4-Seiten umfasst. In den beiden Jahren davor war das Geschäft zwar auch verlustreich, verlief jedoch mit einem Minus von etwa 3 Millionen Euro nicht annähernd so schlecht. 2012 kam es hingegen zu wesentlichen Wertberichtigungen auf das Zeitungsgeschäft, das Lokalfernsehen und Auslandsbeteiligungen.

© Daniel PilarAlfred Neven DuMont

DuMont Schauberg trifft vor allem die im November 2012 gemeldete Insolvenz der „Frankfurter Rundschau“, die seit März 2013 der Frankfurter Societät GmbH und dem Verlag dieser Zeitung gehört. „Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH wird das Hauptrisiko der Mediengruppe beendet“, heißt es im Konzernabschluss. Doch wirkte sich dies auf das Konzernergebnis negativ mit 64,8 Millionen Euro aus. Hohe Aufwendungen und vor allem Abschreibungen für das Druck- und Verlagshaus Frankfurt wurden fällig. Das ist der Hauptteil, aber nicht alles.

DuMont Schauberg sollte groß werden

Das Berliner Geschäft machte 2012 ebenfalls Verlust. Deswegen schrieb M. DuMont Schauberg 16,9 Millionen Euro auf seinen Anteil von 65 Prozent am PMB Presse- und Medienhaus Berlin mit „Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“ und „Hamburger Morgenpost“ ab. Weiteres Sorgenkind ist der Versuch von Lokalfernsehen im Rheinland: Center.TV Heimatfernsehen Köln kam auf einen Verlust von 2,2 Millionen Euro und eine Wertminderung für DuMont Schauberg von 10,5 Millionen Euro. Das israelische Zeitungshaus „Haaretz“, an dem die Kölner 20 Prozent besitzen, machte ebenfalls Verlust; dies führte zu einer Wertminderung um 8,9 Millionen Euro.

Der Familienverlag M. DuMont Schauberg wollte nicht nur in Köln, sondern in ganz Deutschland wirken und wuchs deswegen kräftig. 2006 kaufte DuMont Schauberg 50 Prozent und eine Stimme an der „Frankfurter Rundschau“ von der SPD-Beteiligungsgesellschaft DDVG. 2009 folgte die Übernahme der Berliner Zeitungsgruppe mit „Berliner Zeitung“ und „Hamburger Morgenpost“ vom britischen Investor David Montgomery. Im Jahr 2012 ging jedoch der Umsatz von 710 Millionen Euro auf 671,2 Millionen Euro zurück und liegt damit wieder unter dem Niveau des Jahres 2008.

Weniger Stellen, neuer Vorstandschef

M. DuMont Schauberg nennt den Fehlbetrag von 112,2 Millionen Euro auf Anfrage dieser Zeitung „nicht überraschend“. Er beruhe auf außerordentlichen Wertberichtigungen und Restrukturierungskosten. Für 2013 erwarte der Verlag nun ein ausgeglichenes Ergebnis.

Dennoch reagiert die Mediengruppe: Sie baut Arbeitsplätze ab und die Führung um. Der ebenfalls zur Familie gehörende Christian DuMont Schütte ging zum Jahreswechsel aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat, wo er als Stellvertreter von Alfred Neven DuMont wirkt. Beide repräsentieren dort die zwei Familienstämme, die den Verlag besitzen. Der neue Vorstandsvorsitzende ist Christoph Bauer, der in der Schweiz für AZ Medien und Ringier gearbeitet hat.

Bauer ließ im „Express“ ankündigen, dass die Gruppe nach vorläufigen Zahlen im Jahr 2013 einen leichten Gewinn erreicht habe. Der Verlag gibt sich optimistisch. „Wir wollen die Besten sein. Wenn wir an unser Unternehmen glauben, werden wir erfolgreich überleben“, sagte Alfred Neven DuMont. „Wir müssen unsere Leser überzeugen, dass die Zeitung unabdingbar ist.“ Gleichzeitig sprach er vom „schmerzlichen Verlust“ von Arbeitsplätzen, die das Unternehmen gestrichen habe. „Wir hatten keine Wahl.“ In Köln sollen bis Jahresende 84 Stellen wegfallen.

Seine Tochter Isabella Neven DuMont bleibt im Vorstand als einzige Vertreterin aus dem Kreis der Gesellschafter übrig. Sie leitete das Veranstaltungshaus „Studio DuMont“, war Chefredakteurin von Pferdefachzeitschriften und schrieb Bücher über arabische Pferde. Den Hochseilgarten führt sie als geschäftsführende Gesellschafterin weiter. Vor dem dortigen Balanceakt in luftiger Höhe war Alfred Neven DuMont übrigens nicht bange. „Ich war schon in schwierigeren Lebenssituationen“, hatte er betont.

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1 Lesermeinung

  1. Was-es-nicht-alles-gibt:
    Hochseilgarten?!

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