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Staatsgeld für Start-ups: 150 Millionen Euro warten auf Gründerfirmen

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Die Bundesregierung fördert junge Internetunternehmen mit viel Geld. Sie verspricht sich neue Arbeitsplätze von ihnen. Doch bislang haben Investoren erst einen Bruchteil der Förderung beantragt.

Lange Zeit ist ihr kleiner Internetbetrieb aus eigener Kraft gewachsen. Direkt nach der Gründung 2010 hatten Hubertus Porschen und Sebastian Buckpesch zuerst ein öffentliches Gründerstipendium, das ihnen die Lebenskosten deckte. Schnell fanden sich erste Kunden: Firmen, denen sie im Getümmel der sozialen Medien im Kampf um Aufmerksamkeit helfen – darunter auch ein Internetladen für Schwangerschaftstests, in deren Betrieb Porschen gearbeitet hatte. „Das hat überraschenderweise gut funktioniert“, sagt der 31 Jahre alte Porschen. „Wir haben so viel verbucht, dass wir ohne Stipendium davon leben konnten.“ Sie stellen Mitarbeiter ein, finden mehr Kunden, der Umsatz verdoppelt sich jedes Jahr und erreicht im vergangenen Jahr 300.000 Euro. Doch dann brauchen sie mehr Kapital.

Auf die Suche machen sich die Gründer im vergangenen Jahr. Sie erzählen Investoren und Wagniskapitalfonds ihr Geschäftsmodell: Ihre Firma bietet Unternehmen Anwendungen für soziale Netzwerke und besonders für Facebook an, damit diese mehr Anhänger ihrer digitalen Präsenz finden. Zu den Kunden gehören Versicherungen, Volksbanken und Sparkassen. Im April stoßen sie auf mehrere Interessierte. Wochen später steht nach wenigen Gesprächen der Einstieg von vier Investoren fest: Privatpersonen, die jeweils etwa 60.000 Euro für einen mittleren, einstelligen Prozentanteil an iConsultants zahlen und sich anders als stille Kapitalgeber auch beratend ins Geschäft einmischen. Mit diesem Kaufpreis war die Kölner Firma von Buckpesch und Porschen schon weit mehr als eine Million Euro wert.

© APDeutsche Gründer starten mit Facebook durch: Auch ein Mark Zuckerberg hat mal klein angefangen.

Das Geld für den Einstieg kam allerdings nicht nur aus der Tasche der Investoren, sondern zu einem Fünftel vom Staat. Als eine der ersten sicherten sich das Unternehmen und die vier Investoren den Zuschuss aus dem Wagniskapitalprogramm der Bundesregierung. Bis 2016 hält diese 150 Millionen Euro bereit, die an junge Gründerfirmen fließen sollen.

Doch zunächst konnten sich Investoren und Gründer nicht einigen, wie wertvoll die Firma und wie teuer die gekauften Anteile werden sollten. „Da hat der Investitionszuschuss mir geholfen, einen höheren Kaufpreis zu akzeptieren“, sagt Investor Guenter Christmann. Er ist momentan an sieben Firmen beteiligt und verwendet für seine Tätigkeit den angelsächsischen Begriff „Business Angel“, der neben dem Anteilskauf auch persönlichen Einsatz umfasst. Einmal im Monat erhalten die Investoren einen schriftlichen Bericht und sprechen in einer Telefonkonferenz eine Stunde lang über die Entwicklung von iConsultants, mit denen Christmann erstmals vom Wagniskapitalprogramm profitiert hat.

Erst 3 Millionen Euro vergeben

An das Staatsgeld kann jeder kommen, der für mindestens 10.000 Euro erstmals Anteile an einem jungen innovativen Unternehmen erwirbt. Wenn die Firma förderfähig ist, erhält er ein Fünftel seines Kaufpreises vom Staat zurück. Für jeden Investor wird höchstens 250.000 Euro und für jedes Unternehmen höchstens eine Million Euro im Jahr gezahlt. Bedingung ist, dass die Beteiligung mindestens drei Jahre gehalten wird – sonst droht die Rückzahlung. Damit will die Regierung die hiesige Internetszene beleben, die gegen ihre außereuropäische Konkurrenz abgeschlagen ist. Während es besonders in Amerika große Kapitalgeber für Internetfirmen gibt, deren Erfolg ungewiss ist, bleibt die Finanzierung hierzulande überschaubar.

Bislang läuft das Förderprogramm allerdings erst langsam an. Am 1. Februar waren 3,3 Millionen Euro bewilligt. Für das vergangene Jahr standen seit dem Start im Mai allerdings 30 Millionen Euro bereit. Von 2014 an sind 40 Millionen Euro jedes Jahr vorgesehen. Inzwischen gelten 803 Unternehmen und 509 Investoren als förderfähig. Angesichts dieser Nachfrage plant das Bundeswirtschaftsministerium, das Wagniskapitalprogramm zu weiten. Die Details werden derzeit mit dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn, das die Förderung abwickelt, erörtert. Ziel ist, dass sowohl mehr Unternehmen wie auch Investoren unter den staatlichen Fördermantel kommen. Das staatliche Wagniskapital verteilt sich bislang zu 40 Prozent auf die IT-Branche und zu 24 Prozent auf Internet-Dienstleistungen. Da generell junge innovative Firmen als förderfähig gelten, sind auch Unternehmen aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Medizin darunter vertreten.

„Irgendwann braucht man qualifiziertes Personal“

„Der Multiplikator für die Beschäftigung ist bei Internetfirmen enorm“, sagt Arnold Wallraff, der Präsident des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Doch die Wirtschaftspolitik lege ihren Schwerpunkt auf Konzerne, kritisiert er. Politisch sei es zwar verständlich, wenn Kanzler und Wirtschaftsminister einstiegen, wenn ein Arbeitsplatzabbau in großen Unternehmen drohe. Auch wenn es in den kleinen Unternehmen nur um wenige Arbeitsplätze gehe, sei hier der Gesamteffekt jedoch größer.

Porschen und Buckpesch konnten ihren Geschäftsplan bislang einhalten und wollen im kommenden Jahr endlich Gewinn machen. Solange trägt sie der Kapitaleinsatz ihrer Investoren über die Runden. Das Geld stecken sie vor allen in weitere Beschäftigte. „Irgendwann braucht man qualifiziertes Personal und professionelle Marketingkampagnen, um sein Produkt bekannt zu machen“, sagte Porschen. Im Unternehmen arbeiten sieben Vollzeitkräfte, zwei Auszubildende und mehrere freie Mitarbeiter mit.

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2 Lesermeinungen

  1. Mehr Informationen
    Sehr geehrter Herr Hauser, vielen Dank für den guten Artikel. Könnten Sie mir sagen wo man mehr Informationen oder sogar eine Anleitung zu diesem Förderprogramm erhalten kann?

    Vielen Dank

    • Titel eingeben
      Informationen zu der Förderung, die Investitionszuschuss Wagniskapital heißt, findet sich auf der Internetseite des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

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