Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

#Umbruch: Presseverlage gegen Google, Einstieg bei VG Media, Christian Nienhaus geht

Presseverlage wollen Geld von Google und kaufen sich dafür bei einer Verwertungsgesellschaft ein. Christian Nienhaus hat Funke und Essen verlassen.

Die Presseverlage bereiten den Angriff auf Google vor. Mehrere Medienunternehmen steigen dafür bei der Verwertungsgesellschaft VG Media ein, die dann das Leistungsschutzrecht gemeinschaftlich gegen den Internetkonzern durchsetzen soll. „Wir haben jetzt die große Chance, selbst über die gewerbliche Verwertung von journalistischen Inhalten zu entscheiden“, sagte Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE. Bislang haben die Verlage das Leistungsschutzrecht nicht gegenüber Google versucht anzuwenden. Sie hatten klein beigegeben – vorerst.

Springer und elf weitere Presseverlage übernehmen die Hälfte der Geschäftsanteile der VG Media GmbH mit einer Kapitalerhöhung. Dazu gehört das Zeitschriftenhaus von Hubert Burda sowie die Regionalzeitungsverlage Funke, DuMont Schauberg, Madsack und der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag. Die andere Hälfte bleibt im Besitz von dreizehn Privatsendern, darunter die Fernsehunternehmen ProSiebenSat.1 und N24 (der inzwischen zu Axel Springer gehört) sowie viele Radiosender wie Antenne Bayern, Antenne Niedersachsen und Antenne Thüringen (alle Gesellschafter stehen unten).

Ziel der Verlage ist es, Einnahmen von Google für Textanrisse zu erhalten. Ob das gelingt? Der amerikanische Internetkonzern hat bislang immer gesagt, nicht für kurze Textanrisse zahlen zu wollen. Andere Großverlage wie Gruner+Jahr oder Bauer beteiligen sich jedoch nicht an dem Vorstoß von Springer und Burda. Eduard Hüffer, Geschäftsführer von Aschendorff Medien sagte: „Die Vielfalt der lokalen Berichterstattung ist die Stärke der Zeitungen in der Region und damit die Verankerung der Presselandschaft in der Breite.“ Der Münchner Verleger Hubert Burda attackiert schärfer. „Google hat uns das Anzeigengeschäft kaputtgemacht“, sagte er vor einem halben Jahr.

In seinem Essener Büro hing ein „echter“ Christian Nienhaus an der Wand. Allerdings hatte Christian Nienhaus, der Geschäftsführer der Funke-Mediengruppe, das Bild nicht selbst gemalt; es stammt von dem gleichnamigen Künstler aus dem Ruhrgebiet. Nun verlässt der 54 Jahre alte Nienhaus sein Büro: Am Donnerstag hatte er seinen letzten Arbeitstag für das Medienhaus. Als er 2008 nach Essen kam, hießt das Unternehmen noch WAZ-Gruppe nach der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Inzwischen hat sich der Gesellschafterkreis gewandelt, das Haus hört auf den Namen Funke nach einem der beiden Gründer und der Konzern ist dabei, „Hamburger Abendblatt“, „Berliner Morgenpost“ und „Hörzu“ zu übernehmen – von Axel Springer, von dem Nienhaus kam und wo er die „Bild“-Geschäfte führte. Auf das Ende der Essener Zusammenarbeit haben sich Gesellschafter und Nienhaus einvernehmlich verständigt, teilte Funke mit. Nienhaus, der nie um klare Worte verlegen ist, wird in der Mitteilung nicht zitiert. Neulich hat er noch gesagt: „Ich stehe wieder zur Verfügung.“

Bisherige Gesellschafter der VG Media: Antenne Bayern, Antenne Niedersachsen, Antenne Thüringen, bigFM in Baden-Württemberg, Funk & Fernsehen Nordwestdeutschland Marketing- und Vertriebs GmbH & Co. KG, N24, ProSiebenSat.1 Media, Radio/Tele FFH, Radio Regenbogen, Regiocast, Rheinland-Pfälzischer Rundfunk, TOP Radiovermarktung  und VMG Verlags- und Mediengesellschaft.

Neue Gesellschafter der VG Media: Aschendorff Medien, Axel Springer, Burda, Evangelischer Presseverband Norddeutschland, Funke Mediengruppe, M. DuMont Schauberg, Münchener Zeitungs-Verlag, Presse-Druck und Verlag, Rheinisch-Bergische Verlagsgesellschaft, Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Madsack  und ZGO Zeitungsgruppe Ostfriesland.

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