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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Die lokale Zeitungskooperation: Rheinische Post tauscht sich mit Funke aus

Zwei Konkurrenten arbeiten jetzt eng zusammen. Inhalte der Rheinischen Post kommen in eine Funke-Zeitung. Andere Verlage machen da auch mit.

Lange Zeit haben sie sich in der Funke-Mediengruppe in Essen immer versprochen, wenn von der „Rheinischen Post“ die Sprache war. Der Regionalzeitungskonkurrent aus Düsseldorf hieß dort irgendwie nur „Rheinische Pest“. Doch damit dürfte es jetzt vorbei sein. Denn die Funke-Mediengruppe macht gemeinsame Sache mit der Rhei­nisch-Ber­gi­sche Ver­lags­ge­sell­schaft, die die „Rheinische Post“ herausbringt. Funkes „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“ (NRZ) liefert lokale Inhalte künftig an die „Rheinische Post“ – und umgekehrt. Die „NRZ“ soll dabei besonders die linksrheinischen Nachrichten von der Konkurrenz beziehen, während die „Rheinische Post“ dies eher auf der rechten Seite des Rheins macht.

Seit langem verstärken Verlage Kooperationen, aber eine redaktionelle Zusammenarbeit im regionalen Bereich ist doch die Ausnahme. Denn das gefährdet die Unverwechselbarkeit einer Zeitung: Warum soll der Leser nicht zur Konkurrenz greifen, wenn dort gleiche Texte und gleiche Autoren zu finden sind?

Die Funke-Mediengruppe hatte vor einem Jahr schon die „Westfälische Rundschau“ redaktionell ausgehöhlt und fast die gesamte Redaktion entlassen. Die Inhalte der Dortmunder Zeitung kommen seitdem vom anderen Redaktionen des Hauses oder direkt von der Konkurrenz. Allerdings war die „Westfälische Rundschau“ lange defizitär. Alle anderen Zeitungen von Funke erreichten zu der Zeit dagegen einen Gewinn. Die Not in Essen muss entsprechend sein, wenn der Regionalzeitungsverlag so handelt, das sich selbst auf dem Weg zum besten nationalen Medienhaus sieht. Für mehr als 900 Millionen Euro hat Funke gerade „Hamburger Abendblatt“, „Berliner Morgenpost“, „Hörzu“ und weitere Zeitschriften von Springer gekauft und sitzt damit auf einer hohen Schuldenlast.

© Edgar SchoepalDüsseldorf: Hier läuft die Zeitungsarbeit bald anders

Die Zusammenarbeit startet in der kommenden Woche mit einem Testdurchlauf. Der jeweilige Zulieferer stellt seine Inhalte zur Verfügung, der Abnehmer darf diese anpassen. Für beide Zeitungen sollen an den bisherigen Standorten Redaktionen verbleiben, die allen Beiträgen eine eigene Prägung geben. Die Verlage sagen, dass die Eigenverantwortung der beiden Zeitungen gewahrt bleibe. Die „NRZ“ erscheint am Niederrhein, im westlichen Ruhrgebiet und in Düsseldorf. Empfänger der Nachrichten der „Rheinischen Post“ sind die Lokalredaktionen in Düsseldorf, Kleve und Rheinberg. In Moers, Dinslaken, Wesel, Emmerich und Duisburg liefert die Funke-Zeitung dagegen ihre Inhalte an die „Rheinische Post“.

Von Düsseldorf bis Duisburg

Zudem arbeitet die „Rheinische Post“ mit der „Westdeutschen Zeitung“ zusammen und überlässt mehreren Lokalausgaben der Konkurrenz ihre Inhalte und gestaltet auch Seiten für diese. Voraussichtlich im September soll dies im Kreis Mettmann, im Rhein-Kreis Neuss, in Mönchengladbach und Viersen geschehen. Die generelle Zusammenarbeit hatten die Verlage im März bekanntgegeben und jetzt erläutert. Der Düsseldorfer Verlag W. Girardet hatte zu der Zeit bekanntgeben, 50 Stellen in der Redaktion der „Westdeutschen Zeitung“ zu streichen. Grund sei eine anhaltend schwierige wirtschaftliche Entwicklung. Dieses Jahr hat auch der Kölner Zeitungsverlag M. DuMont Schauberg mit dem Heinen-Verlag Lokalredaktionen der Regionalzeitungen „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Kölnische Rundschau“ zusammengelegt, um Arbeitsplätze zu streichen.

Neues Geschäftsmodell für die Rheinische Post

Die „Rheinische Post“ spricht davon, sich über eine neue Erlösquelle zu freuen. Somit erhält der Verlag für die Zusammenarbeit Geld von dem Wettbewerber. Im Zuge der Kooperationen will die „Rheinische Post“ auch mehr Mitarbeiter einstellen. Wie viel Personal gebracht wird, blieb jedoch unklar.

Schon nähern sich Funke und „Rheinische Post“ an – nicht nur redaktionell, sondern auch im Technikbereich. Funke beteiligt sich dafür mit 10 Prozent an einer Tochtergesellschaft der „Rheinischen Post“, die deren Technikdienstleister ist und diese Aufgabe teilweise für den neuen Mitinhaber übernimmt. Das Unternehmen soll nach einer Umstellungsphase von 18 Monaten die Infrastrukturservices für Funke durchführen. Auch eine stärkere Beteiligung von Funke an dem Unternehmen ist denkbar, wie die Verlage diese Woche mitteilten.

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