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Bachelor, Ungarn, X Factor: Das Geschäft von RTL stagniert

Umsatz und Gewinn der größten privaten Fernsehkette Europas sinken – trotz Rekordgewinns in Deutschland. RTL braucht neue Sendungen.

Weniger Menschen als in den Jahren zuvor sehen sich die großen Unterhaltungssendungen des deutschen Privatsenders RTL an. Am Mittwochabend schalteten zwar noch dreieinhalb Millionen Menschen das Finale des „Bachelor“ ein und verfolgten, wie ein Junggeselle aus 22 Kandidatinnen eine Frau auswählt und ihr zur Krönung am Ende eine Rose überreicht. Aber die Zuschauerzahl des vermeintlichen Liebesformats in der fünften Staffel schwächt sich deutlich ab. Der Marktanteil des Senders ging schon im vergangenen Jahr zurück. „Auch wenn das ein eher schwaches Jahr für RTL war, haben wir weiter einen zweistelligen Marktanteil in der Zielgruppe“, sagte Anke Schäferkordt, Co-Vorstandsvorsitzende der RTL Group, am Donnerstag in Frankfurt auf der Jahrespressekonferenz. Sie bezieht sich auf die Altersgruppe von 14 bis 59 Jahren, aber im Gesamtpublikum erreichte der Sender nur noch 9,6 Prozent der Zuschauer.

###© RTLFersehmanagerin Anke Schäferkordt

Das Deutschlandgeschäft bleibt dennoch Pluspunkt der RTL Group, dem größten privaten Fernsehkonzern Europas mit Sitz in Luxemburg: Das Unternehmen erreichte hierzulande im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 650 Millionen Euro (Ebita: Gewinn vor Finanzergebnis, außerordentlichem Ergebnis, Steuern und Firmenwertabschreibungen) – ein Zuwachs um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das lag an steigenden Einnahmen aus der Fernsehwerbung in der zweiten Jahreshälfte und zunehmenden Zahlungen von Kabel- oder Satellitenbetreibern.

Das reichte allerdings nicht, um insgesamt das Ergebnis zu verbessern. Im Gegenteil: Gewinn und Umsatz der RTL Group gingen im Jahr 2014 um jeweils 0,3 Prozent zurück. Der operative Gewinn (Ebita) fiel um 3 Millionen Euro auf 1,145 Milliarden Euro und der Umsatz um 16 Millionen Euro auf 5,8 Milliarden Euro. Die Rendite blieb mit 19,7 Prozent stabil. An der Börse kam das nicht gut an: Der Aktienkurs des Unternehmens, den der Medienkonzern Bertelsmann zu 75,1 Prozent besitzt, ging am Donnerstag teilweise um fast 1 Prozent zurück. Der Konzern, der im Nebenwerteindex M-Dax notiert ist, plant eine Dividende von 3,50 Euro je Aktie. Trotz einer schon erfolgten Sonderdividende von 2 Euro werden es damit weniger als die 7 Euro aus dem Jahr 2013.

Hohe Abschreibungen in Ungarn belasten das Ergebnis aufgrund einer umstrittenen Werbesteuer. Die Regierung hatte jüngst angekündigt, dies wieder zu ändern. Offen bleibt, wie das geschieht. In den anderen Ländern Europas war das Geschäft weitgehend stabil. Die französische Group M6 steigerte den Gewinn leicht um 2 Millionen Euro auf 209 Millionen Euro (Ebita), in der Niederlande waren es 103 Millionen Euro. Schwer hatte es die Produktionsgesellschaft Fremantle Media: Der Gewinn sank hier um 23 Millionen Euro auf 113 Millionen Euro (Ebita). Das lag hauptsächlich an der Einstellung der Musiksendung „X Factor“ in Amerika und weniger Erlösen aus „American Idol“, das hierzulande als „Deutschland sucht den Superstar“ gerade wieder auf RTL läuft.

Neue Serie: "Deutschland" läuft allerdings erst im Herbst an.© RTLNeue Serie: „Deutschland“ läuft allerdings erst im Herbst an.

Große Unterhaltungssendungen schlagen sich auch in Deutschland schlechter als zuvor. Das Medienunternehmen hält an den Formaten jedoch fest und möchte diese immer wieder auffrischen. „In einem fragmentierten Markt wird es immer schwerer, neue Lagerfeuer zu schaffen“, sagte Schäferkordt nach der Pressekonferenz. Sendungen wie „Bachelor“ oder „Deutschland sucht den Superstar“ werde es noch Jahre geben. „Henkel wird die Produktion von Persil auch nicht einstellen, obwohl es das seit vielen Jahren gibt.“ Schäferkordt führt gleichzeitig die Geschäfte in Deutschland mit den Sendern RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro, N-TV und Geo Television. Die großen Unterhaltungssendungen liegen oftmals über dem durchschnittlichen Marktanteil des Senders, erläutert Schäferkordt. Doch sie weiß auch von der Bedeutung von Neuheiten im Fernsehen. Die Gruppe werde „aggressiver“ sein und mehr neue Sendungen ausstrahlen, sagte sie. „Wir werden nicht immer den großen Hit landen, aber wir probieren es.“

Die digitalen Umsätze stiegen um 26,6 Prozent auf 295 Millionen Euro. „Reicht das? Nein“, sagte der Co-Vorstandsvorsitzende Guillaume de Posch. Er kündigte an, in den nächsten drei bis fünf Jahren den Digitalanteil auf 10 Prozent zu verdoppeln. Die Aussicht bleibt indes stabil: Für dieses Jahr erwartet die RTL Group ähnlichen Umsatz und Gewinn wie im vergangenen Jahr.

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