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Buchclub-Aus bringt Bertelsmann vor Gericht

Bertelsmann schließt den Buchclub. Geschäftspartner klagen dagegen und berufen sich auf Unkündbarkeit ihrer Verträge. Jetzt steht fest, wann sich beide Seiten im Gerichtssaal sehen.

Eine Klage dreier Buchhändler gegen das Ende des Buchclubs des Medienkonzerns Bertelsmann kommt vor Gericht. Das Landgericht Düsseldorf hat den ersten Güte- und Verhandlungstermin auf den 18. August festgesetzt. „Bertelsmann muss sich bewegen“, sagt Kläger Guido Gebhard. Gegenüber Bertelsmann vertritt er 244 Geschäftspartner, die für etwa 250000 Mitglieder des Buchclubs stehen. Diese hatten als Verpächter die Mitglieder für den Buchclub geworben und erhalten dafür nach wie vor einen Anteil am Umsatz ihrer Kunden. Jedes vierte Mitglied der zuletzt eine Millionen Mitglieder zählt zu einem Verpächter. Diese fürchten nun um ihre Einnahmen.

Doch für Bertelsmann lohnt sich das Geschäft nicht mehr. Das Gütersloher Familienunternehmen wird den Buchclub Ende des Jahres schließen, mit dem es nach dem Zweiten Weltkrieg den Eckpfeiler für den Unternehmensaufstieg legte. Die letzten der einst 320 Filialen sind schon seit April geschlossen. Mit der Ankündigung des Endes für den Buchclub hat Bertelsmann im Juni 2014 auch den Verpächtern zum Ende des Jahres 2015 gekündigt. Das nehmen drei Geschäftspartner jedoch nicht hin und fordern, dass Bertelsmann den Buchclub nicht schließen darf. Die Kläger berufen sich vor Gericht auf die Unkündbarkeit ihrer Verträge – darauf habe Bertelsmann in den Verträgen selbst verzichtet.

Sie leiten daraus eine Laufzeit für den Buchclub bis ins Jahr 2026 ab. Diese ergibt sich aus einem 30-jährigen Kündigungsverzicht, der im Jahr 1996 neu ausgehandelt wurde, sagt Gebhard. Geklagt haben sein Düsseldorfer Unternehmen mit dem Elite Verlag Ernst Heyer aus Essen und die Buchhandlung Schröder aus Uetersen gegen die Bertelsmann-Tochtergesellschaft RM Buch & Medien Vertrieb GmbH. Als Schadenssumme nennt Gebhard einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Am Ende dürfte es um eine hohe Abfindung gehen. Bertelsmann wird die Schließung kaum zurücknehmen.

„Der Buchclub kann nicht weitergeführt werden, weil er wirtschaftlich keine Perspektive hat“, sagt ein Sprecher des Club Bertelsmann. „Aus dem Vertrag lässt sich für uns keine Betriebspflicht ableiten.“ Deswegen haben sie den Vertrag mit den Verpächtern gekündigt, obwohl das Unternehmen kein Kündigungsrecht hat. Zum Konzern gehören die Fernsehkette RTL, der Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr („Stern“) und der Buchverlag Penguin Random House. Mit einem Umsatz von 16,7 Milliarden Euro zählt Bertelsmann zu den größten Medienkonzernen der Welt.

Das war einmal: Bertelsmann und sein Buchclub© dpaEs war einmal: Bertelsmann und sein Buchclub

Seit der Gründung im Jahr 1950 hat der Buchclub Millionen Menschen den Zugang zu Büchern ermöglicht. Externe Vertriebsunternehmen warben die Mitglieder für den Buchclub. Am Anfang arbeiteten sie wie Buchhändler und kauften Bertelsmann Bücher ab, um diese weiterzugeben. Später kümmerte sich Bertelsmann direkt um die Mitglieder, um die Arbeit zu zentralisieren und besonders die Werbung zu vereinheitlichen. Im Gegenzug beteiligte es die Geschäftspartner an dem Umsatz jedes geworbenen Kunden. Dieses System, das in Verträgen zwischen allen Verpächtern und Bertelsmann mitsamt der Unkündbarkeit festgeschrieben war, führten beide Seiten bis zuletzt fort. Lange Zeit haben beide Seiten davon profitiert.

Seit zehn Jahren warben die Verpächter jedoch nicht mehr Neumitglieder an, sagt Gebhard. Bertelsmann hat die Mitglieder für den Buchclub seither durch Werbung weitgehend selbst gefunden. Die Vertriebspartner wie das Unternehmen von Gebhard haben stattdessen Mitglieder abgekauft und damit in das Bestehen des Buchclubs investiert. Die Verpächter zahlten an Bertelsmann etwa 40 bis 70 Euro je Kunde und verpachteten sie dann an den Medienkonzern zurück. Der Preis variierte aufgrund unterschiedlicher Werbung, die für das Neumitglied in Rechnung gestellt wurde.

Die Verpächter erhielten wiederum einen Anteil am Umsatz des einzelnen Mitglieds, das im Durchschnitt im Jahr für etwa 80 bis 100 Euro eingekauft hat. Gebhard schätzt den Anteil der Verpächter auf etwa 12 bis 15 Euro im Jahr, so dass sich dies für den Verpächter in der Regel nach fünf bis sechs Jahre lohnt, wenn der Kunde nicht vorher kündigt. Die Kunden erfahren davon nichts; Bertelsmann führt diese nur intern auf dem Konto des Verpächterunternehmens. Das Geschäft blieb so in den Händen von Bertelsmann. Dafür zahlte der Buchclub jedes Jahr mehrere Millionen Euro an die Verpächter.

Seitdem das Ende des Buchclubs bekannt ist, kommunizieren beide Seiten darüber nur noch über Anwälte und tauschten mehrere Schriftsätze aus. Gebhard beklagt, dass es nicht zu Gesprächen mit Bertelsmann gekommen ist. Bertelsmann hatte gesagt, dass die Verpächter Vorbedingungen für Gespräche gestellt haben. Dem widerspricht Gebhard: „Solche Vorbedingungen hat es unsererseits nicht gegeben.“ Er bedauert, wie mit langjährigen Partnern umgegangen werde und dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Die einstigen engen Geschäftspartner haben sich dazu nichts mehr zu sagen.

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