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Werbung mit Funke: Springers Zeitungsmann probt die Allianz mit der Konkurrenz

Springer-Vorstand Jan Bayer bereitet Gemeinschaftsunternehmen für den Vertrieb und den Anzeigeverkauf mit der Funke-Mediengruppe vor.

Für ihn fängt die Arbeit nach der Entscheidung des Bundeskartellamts erst an. Jan Bayer hält als Zeitungsvorstand der Axel Springer SE die Hände über das neue Gemeinschaftsunternehmen für den Anzeigenverkauf, an dem sich jetzt die Essener Funke-Mediengruppe als Minderheitsgesellschafter beteiligten darf. Zügig wollen beide Unternehmen nach der Freigabe der Wettbewerbsbehörde ihre Anzeigenallianz aufbauen. Für Springer kommt es darauf an, im Werbemarkt zu wachsen, um auch mit den zwei großen Anzeigenvermarktern der beiden privaten Fernsehgesellschaften in Deutschland zu konkurrieren. Für Jan Bayer, den Vorstand für die „Bild“- und „Welt“-Gruppe, spielt Größe im Anzeigengeschäft die zentrale Rolle.

Bayer ist ein gelernter Zeitungsmann, der nach Stationen bei der „Süddeutschen Zeitung“ und „Magdeburger Volksstimme“ zu Springer kam und in zwei Wochen seinen 45. Geburtstag feiert. Er schaue sich die Situation erst einmal zurückhaltend von der Seite an, dann entscheide er und führe das konsequent aus, sagte einer, der ihn kennt. Mit anderen Worten: Er ist eher ruhig, aber auch klar und hart. Seinen eigenen Führungsstil beschreibt Bayer derart, dass er über Vertrauen und Inspiration leiten möchte. Seine Mitarbeiter seien gut; dadurch habe er Zeit, sich um die großen Themen zu kümmern.

Als er nach seiner Lehrzeit als „Trainee“ für die „Süddeutsche Zeitung“ arbeitete, verkaufte er dort in den Neunziger Jahren Anzeigen und hat damit auch die operative Arbeit des Vermarktungsgeschäft kennengelernt, die ihm nun untersteht. Zuvor hatte er Medien- und Rechtswissenschaften sowie Betriebswirtschaft in Hannover und im amerikanischen Madison (Wisconsin) studiert. Kurze Zeit war er Verlagsleiter der „Volksstimme“ in Magdeburg, bevor er als Leiter des Controllings im Jahr 2002 zur Münchner Zeitung zurückkehrte und später Verlagsleiter war.

Jan Bayer© UnternehmenJan Bayer

Zu Axel Springer kam er im Jahr 2004 als Leiter des Vorstandsbüros Zeitungen. Im Konzern stieg Bayer Stück um Stück auf. Er wurde Verlagsgeschäftsführer für die Regionalzeitungsgruppe in Hamburg und kurz darauf Vorsitzender der Verlagsgeschäftsführung von „Welt“, „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“. Im Jahr 2012 folgte der Schritt in den Vorstand mit der Zuständigkeit für „Welt“-Gruppe und Technik. Seit April 2014 verantwortet er die „Bild“- und „Welt“-Gruppe, die im eigenen Haus rote und blaue Gruppe genannt werden.

Allerdings hat er Zuständigkeiten dadurch verloren, dass Springer im vergangenen Jahr die von ihm verantworteten Regionalzeitungen „Hamburger Abendblatt“ und „Berliner Morgenpost“ und andere Titel für 920 Millionen Euro an Funke verkauft hat. Springer trennte sich mit dem Verkauf von „Hamburger Abendblatt“ und der Fernsehzeitschrift „Hörzu“ von seinen Wurzeln. Stattdessen rückt Springer das Digitalgeschäft mit Rubrikenanzeigen im Internet in den Fokus. Dennoch braucht Springer das gedruckte Geschäft: Zu der Vereinbarung mit Funke gehört der Aufbau eines gemeinsamen Anzeigengeschäfts, so dass Springer die verkauften Titel in seinem Anzeigenangebot behält und nicht Größe verliert.

Die Zuständigkeit für das Anzeigengeschäft von Springer erhielt Jan Bayer im April und konnte dadurch abermals sein Aufgabengebiet vergrößern. Er ist auch dafür verantwortlich, dass die Gemeinschaft mit Funke noch enger werden soll. Neben der Anzeigenallianz bereitet er ein Gemeinschaftsunternehmen für den Vertrieb vor, an dem sich Funke ebenfalls als Minderheitsgesellschafter beteiligen soll. Dies wollen beide Unternehmen jetzt beim Kartellamt beantragen, das dem Vorhaben zustimmen muss. Das Ziel: Im Vertrieb und im Anzeigengeschäft muss das Geschäft wachsen, um im Markt zu bestehen. Dafür wirbt Jan Bayer um andere Verlage, für die Springer die nationale Werbung ihrer Regionalzeitungen verkaufen oder den Vertrieb übernehmen kann.

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