Medienwirtschaft

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Wie „Charlie Hebdo“ nach Deutschland kommt

Ein Jahr nach dem Terroranschlag bringt die Satirezeitschrift eine Gedenkausgabe in Millionenauflage heraus. Auch hierzulande bleiben die Ausgaben gefragt.

Charlie Hebdo: Gedenkausgabe ein Jahr nach den Anschlägen© ReutersCharlie Hebdo: Gedenkausgabe ein Jahr nach den Anschlägen

In den vergangenen Monaten war die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ kaum mehr im deutschen Pressehandel präsent. Nach dem Terroranschlag auf die Redaktion des Magazins am 7. Januar 2015, bei dem in Paris zwölf Menschen ums Leben kamen, nahmen viele Menschen Anteil, und die ersten Ausgaben danach erschienen in einer Millionenauflage. Im deutschen Einzelhandel bildeten sich teilweise lange Schlangen, um Exemplare zu kaufen. An diesem Mittwoch dürfte „Charlie Hebdo“ in den Pressegeschäften wieder sichtbarer erscheinen, wenn ein Jahr nach dem Anschlag eine Sonderausgabe in einer Auflage von einer Million Exemplaren herauskommt.

Der Großteil davon ist zwar weiter für die Heimat vorgesehen. Doch auch in Deutschland ist die französische Zeitschrift stark gefragt – auch wenn die Auflage im vergangenen halben Jahr deutlich gesunken ist. „Die Verkäuflichkeit ist in Deutschland mit am größten“, sagte Dieter Wirtz, Geschäftsführer der IPS Pressevertrieb GmbH, dieser Zeitung. Der Meckenheimer Unternehmer hat sich auf den Vertrieb ausländischer Presse spezialisiert.

Diese Woche gehen 50 000 Exemplare der Gedenkausgabe direkt nach Deutschland und werden größtenteils mit dem Erscheinen in Frankreich am Mittwoch im Presseregal in Deutschland ausliegen. In den ersten Monaten des vergangenen Jahres verbreitete IPS zeitweise 20.000 bis 25.000 Exemplare der französischen Zeitschrift. Von April an ging der Absatz zurück und beträgt seit September 2000 bis 3000 Exemplare. „Der Verkauf hat sich stabilisiert“, berichtet Wirtz. Er verweist darauf, dass der Verkauf der Satirezeitschrift 2014 und davor etwa 100 Exemplare hierzulande betragen hat. Somit ist die Aufmerksamkeit immer noch höher.

Die erste Ausgabe nach dem Anschlag erreichte eine Auflage von acht Millionen Exemplaren. In Deutschland kam es zum Verkauf von etwa 80.000 Exemplaren – fast so viel, wie ausgeliefert wurden. Die Verkaufserlöse für die Gedenkausgabe am 6. Januar sollen den Angehörigen der Todesopfer zugutekommen.

In der Regel kommt die neue Ausgabe ein paar Tage nach dem Erscheinen in Frankreich an die Kioske in Deutschland. Nun sollen allerdings 70 bis 80 Prozent der deutschen Auflage schon am Mittwoch gleichzeitig mit dem Erscheinen in Frankreich auch in deutschen Presseregalen in den Großstädten liegen. Auf dem Land wie etwa im Bayerischen Wald wird es aus logistischen Gründen wohl einen Tag länger dauern. „Wir erwarten eine deutlich höhere Verkäuflichkeit und investieren dafür aus eigener Tasche“, sagte Wirtz. Mit einem Sonderfahrzeug kommt die Lieferung in Deutschland an; dabei entstehen Zusatzkosten durch die Verteilung in der Nacht. Der Einzelhandel hat sich laut Wirtz offen für die höhere Verbreitung gezeigt und beteiligt sich.

Zuständig für den Vertrieb von „Charlie Hebdo“ ist der IPS Pressevertrieb GmbH in Meckenheim seit Februar des vergangenen Jahres. Zu dem Zeitpunkt übernahm das Familienunternehmen den dafür verantwortlichen Hürther Nationalvertrieb W. E. Saarbach GmbH vom Deutschen Pressevertrieb (DPV), der zum Hamburger Großverlag Gruner+Jahr („Stern“, „Geo“) gehört und noch die Verbreitung der ersten Ausgabe nach den Anschlägen betreute.

IPS ist mit 4200 Zeitungen und Zeitschriften sowie mehr als 120 Millionen ausgelieferten Exemplaren im Jahr nach eigenen Angaben der größte unabhängige Nationalvertrieb Deutschlands. Seit Gründung 1985 ist das Unternehmen im Besitz von Magdalene Coerdt-Wirtz und Dieter Wirtz. Den Vertrieb übernehmen sie für Magazine wie „Time“, „Economist“ und „National Geographic“, für größere Tageszeitungen aus dem Ausland und für viele Spezialtitel wie die Jugendzeitschrift „Topmodel“. Die Unternehmensgruppe setzt mit 125 Mitarbeitern rund 110 Millionen Euro im Jahr um.

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