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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

RTL will mehr selbst produzieren

Die RTL Group, Europas größter Privatfernsehkonzern, steigert Umsatz, Gewinn und das Digitalgeschäft. Dahinter stecken Zukäufe in Nordamerika und auch mehr eigene Inhalte.

Der Lehrer© RTLDer Lehrer

Mit der Serie „Der Lehrer“ erreicht der Fernsehsender RTL am Donnerstagabend in diesem Jahr etwa drei Millionen Zuschauer. Damit steht das Treiben einer deutschen Gesamtschule in der vierten Staffel, das besonders jüngere Menschen in der Werbezielgruppe verfolgen, programmatisch für die Luxemburger RTL Group und deren Deutschlandgeschäft, zu dem die Privatsender RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und N-TV gehören. Denn der größte private Fernsehkonzern Europas baut vor allem auf eigene Serien, Filme und Magazine, die nur auf ihren Kanälen zu sehen sind, um sich gegen die zunehmende Zahl der Konkurrenten auf dem Fernsehmarkt wie die amerikanischen Internetvideoanbieter Amazon, Netflix und Youtube abzusetzen

So lag der Anteil lokaler Produktionen im Fernsehsender RTL im vergangenen Jahr bei 88 Prozent. „Wir haben keine Angst, aber Respekt vor allen Wettbewerbern“, sagte Anke Schäferkordt, Ko-Vorstandsvorsitzende der RTL Group, dieser Zeitung am Donnerstag in Köln am Rand der Jahrespressekonferenz. „Wir wollen nicht nur tolle amerikanische Spielfilme oder Serien, unser Schwerpunkt liegt auf eigenen Inhalten für den deutschen Markt.“

Für den Fernsehkonzern wächst die Konkurrenz durch zahlreiche Sender und immer mehr Internetangebote. Bislang wirken sich Portale wie Netflix, die Videos auf Abruf gegen Bezahlung anbieten (SVOD), aber kaum aus. Schäferkordt bezifferte die Verbreitung dieser Bezahlplattformen auf 8 Prozent der deutschen Haushalte. „Wenn wir Fernsehnutzungskurven anschauen, fühlen wir noch keinen Effekt“, sagte sie.

Das Deutschland-Geschäft trägt wesentlich zum Geschäft der RTL Group bei, die 57 Fernsehsender zum Beispiel in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Spanien betreibt und das Produktionsunternehmen Fremantle Media besitzt. Die RTL-Mediengruppe in Deutschland kam im Jahr 2015 auf einen Rekordgewinn von 684 Millionen Euro (Ebita, Gewinn vor Finanzergebnis, außerordentlichem Ergebnis, Steuern und Firmenwertabschreibungen), wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Das war wie im Vorjahr ein Plus von 5 Prozent und lag abermals an steigenden Werbeeinnahmen und Zahlungen von Kabel- und Satellitenbetreibern. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der operative Gewinn in Deutschland mehr als verdoppelt.

Anke Schäferkordt© RTLAnke Schäferkordt

Auch die RTL Group insgesamt wuchs nach einem leichten Rückgang wieder: Der operative Gewinn (Ebita) stieg um 2 Prozent auf einen Höchstwert von 1,167 Milliarden Euro (2014: 1,145 Milliarden Euro) und der Umsatz um 3,8 Prozent auf erstmals mehr als 6 Milliarden Euro (2014: 5,8 Milliarden Euro). Im Vorjahr hatte es jedoch Abschreibungen von 88 Millionen Euro besonders durch eine inzwischen abgeschaffte Werbesteuer in Ungarn gegeben. Die Rendite der RTL Group ging leicht auf 19,4 Prozent zurück.

Die digitalen Umsätze stiegen um 72,2 Prozent auf 508 Millionen Euro und machen nun 8,4 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das liegt hauptsächlich an Zukäufen in Nordamerika mit den Internetvideonetzwerken Broadband TV und Stylehaul sowie dem Werbetechnikanbieter Spotx. Das Digitalgeschäft ist zwar leicht profitabel, doch erwirtschaften einige Bereiche wie die beiden Videonetzwerke einen Verlust. „In den nächsten zwei Jahren sollten wir in der Lage sein, die Geschäfte in die Profitabilität zu führen“, sagte Finanzvorstand Elmar Heggen. In Deutschland hat der Konzern gerade sein Internetangebot für sechs Sender in „TV Now“ zusammenfasst, wie diese Zeitung vorab berichtete.

Für die Aktionäre zahlt sich das Wachstum nicht mit einer höheren Dividende aus: Der Konzern, der im Nebenwerteindex M-Dax notiert ist, plant eine Dividende von 4 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2015, worin eine schon ausgezahlte Dividende von 1 Euro aus dem September einberechnet ist. Im Vorjahr lag die Dividende bei 5,50 Euro je Aktie und davor bei 7 Euro. Der Aktienkurs des Fernsehkonzerns, den der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann zu 75,1 Prozent besitzt, ging am Donnerstag bis Handelsschluss etwa 3 Prozent zurück.

Für dieses Jahr erwartet die RTL Group ein moderates Umsatzplus und einen stabilen Gewinn und stellt digitale Investitionen von 250 Millionen Euro im Jahr in Aussicht. Mit neuen Inhalten kann der Zuschauer rechnen: Für „Club der roten Bänder“, die erste eigene Serie auf Vox, und für die RTL-Serie „Der Lehrer“ ist die Fortsetzung schon beauftragt.

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