Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Fußball und Frauen: Zeitschriftenverlage setzen auf Sportereignisse und Frauentitel

Die Zeitschriftenverlage wollen dieses Jahr neue Magazine auf den Markt bringen. Für digitale Angebot werden Leser bald mehr zahlen.

Im Jahr der Fußball-Europameisterschaft und von Olympia hoffen auch die Zeitschriftenverlage, von den sportlichen Großereignissen zu profitieren. Vier von fünf Verlage planen in diesem Jahr Sonderausgaben an den Kiosk zu bringen, die auf Sport oder andere Ereignisse wie Jubiläen setzen. „Das darf man nicht unterschätzen, das sind häufig aufwendig produzierte Zeitschriften, die auch mehr als andere Titel kosten“, sagt Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Generell reagieren die Zeitschriftenverlage mit Neugründungen und höheren Preisen auf einen Auflagenrückgang, allerdings erscheinen neue Titel oft mit geringerer Auflage.

In diesem Jahr will die Mehrheit der Zeitschriftenverlage neue Titel herausgeben, wie eine neue Umfrage des Verbandes ergeben hat, die dieser am Mittwoch auf seiner Jahrespressekonferenz in Berlin vorstellen wird. Der VDZ hat dafür im März seine Mitgliedsunternehmen befragt, die für vier Fünftel des Umsatzes des Zeitschriftengeschäfts in Deutschland stehen. 60 Prozent der befragten Verlage geben an, neue gedruckte Magazine zu planen, die regelmäßig erscheinen sollen. Von diesen sagen neun von zehn Verlagen, dass sie bis zu vier neue Titel in diesem Jahr gründen werden. 11 Prozent rechnen mit mindestens fünf neuen Zeitschriften. 80 Prozent der befragten Verlage planen neue Sonderausgaben gedruckter Titel wie eben zu sportlichen Großereignissen und 64 Prozent neue digitale Titel. „Es wird in Neues investiert und bei allen Herausforderungen durch den digitalen Wandel gehen die Verlage nach vorne“, sagt Scherzer.

In Deutschland erscheinen laut VDZ fast 1600 Zeitschriften mindestens einmal im Quartal. Am Kiosk geben die Leser für ihre Magazine hierzulande 257 Millionen Euro im Jahr aus. Häufig lassen Verlage Zeitschriften auch wieder vom Markt verschwinden, allerdings kam es in den vergangenen Jahren zu mehr Neugründungen als Abgängen. Scherzer sieht eine Entwicklung zu Spezialthemen mit kleineren oder mittelgroßen Auflagen bei hohen Preisen.

Auffällig ist auch der Fokus auf Leserinnen. Der Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr mit seinen Flaggschiffen „Stern“ und „Geo“ hat vergangenes Jahr mit der Moderatorin Barbara Schöneberger das Frauenmagazin „Barbara“ sowie jüngst das wöchentliche Frauenheft „Frei“ herausgebracht. Die Essener Funke-Mediengruppe („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Echo der Frau“) setzte Ende vergangenen Jahres auf „TV Wissen“, einem Mix aus Wissenschaft und Fernsehprogramm, und startete gerade den Titel „Zeit für mich“ für Frauen im Alter von mehr als 45 Jahren. Der Berliner Konzern Axel Springer („Bild“, „Welt“), der Zeitschriften wie „Hörzu“ und „Bild der Frau“ an Funke verkauft hatte, veröffentlicht demnächst das Frauenmagazin „Allegra“. Der Hamburger Bauer-Verlag („TV Movie“, „Closer“) bringt im Mai das bisherige Monatsheft „Meins“ alle zwei Wochen heraus, das sich an Frauen im Alter von mehr als 50 Jahren richtet, und hat gerade eine Sonderausgabe der Jugendzeitschrift „Bravo“ angekündigt, die Eltern Fragen rund um die Pubertät beantworten soll.

Während die Zeitschriftenverlage mehr Umsatz mit gedruckten Titeln machen, erreichen sie digital immer mehr Leser. Inzwischen verteilt sich die Gesamtreichweite der 50 größten Publikumszeitschriftenverlage etwa zur Hälfte auf digitale und gedruckte Produkte. Vor drei Jahren lag der Anteil der gedruckten Ausgaben noch mit 70 Prozent zu 30 Prozent vorn. Scherzer führt die Entwicklung auf den schnell wachsenden Mobilmarkt zurück. „In drei Jahren werden 80 Prozent der Internetzugriffe mit Smartphones und Tabletcomputern abgerufen werden“, sagt er. Allerdings bringt dies den Unternehmen zu wenig ein. „Die Inhalte laufen hervorragend, die Herausforderungen liegen in der Profitabilität.“ Für die Internetangebote sieht Scherzer deswegen sowohl Anzeigenerlöse als auch Zahlungen der Leser als notwendig an. „Bei den Zeitschriften erwarte ich, dass in den nächsten zwölf Monaten viele Digitalangebote kostenpflichtig werden. Werbefinanzierung allein wird auch digital nicht ausreichen.“

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