Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Neuer Partner für „Sport Bild“: Gruner + Jahr übernimmt Springers Zeitschriftenvertrieb

Zeitschriftenverlage suchen die Zusammenarbeit und wollen damit Kosten sparen. Nun baut Gruner + Jahr sein Vertriebsgeschäft aus und kümmert sich dabei auch um Titel der Konkurrenten.

Das Berliner Medienunternehmen Axel Springer SE gibt den Vertrieb ihrer Magazine „Auto Bild“, „Computer Bild“ und „Sport Bild“ aus der Hand. Wer Zeitschriften von Springer bezieht, erhält diese künftig durch den Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr („Stern“, „Gala“). Dessen Tochtergesellschaft, der DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH, übernimmt Springers Vertriebsgesellschaft, die Axel Springer Vertriebsservice GmbH, mitsamt den Zeitschriftenkunden. Das gaben beide Unternehmen am Montag bekannt, ohne einen Kaufpreis zu nennen. „Vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamts rechnen wir mit einer Übernahme Anfang August“, teilte Gruner + Jahr dieser Zeitung mit.

Das im MDax notierte Medienunternehmen Axel Springer SE hält allerdings weiter den Zeitungsvertrieb im eigenen Haus. Damit kontrolliert der Konzern vor allem auch die Auslieferung der „Bild“-Zeitung weiterhin, die davon lebt, an möglichst vielen Kiosken, Bäckereien und Läden auszulegen. Springers Aktienkurs lag am Montag leicht im Plus.

Gruner + Jahr, das zum Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann gehört, betreut im Vertrieb bisher 500 Titel und baut dieses Geschäft nun aus. 300 Titel kommen mit dem Zukauf hinzu. Dazu zählen von Springer ebenfalls die Musikmagazine „Musikexpress“ und „Rolling Stone“ oder die neue Frauenzeitschrift „Allegra“. Als Kunden gehören weiter der Hamburger Jahreszeiten-Verlag mit den Frauentiteln „Für Sie“ und „Petra“ oder Reisemagazin „Merian“ dazu sowie der Hamburger Cora-Verlag, der Liebesromane und Kochmagazine herausbringt.

Die Zeitschriftenverlage gehen immer häufiger Kooperationen untereinander ein oder überlegen, wie sie aus Kostengründen zusammenarbeiten können. Ursprünglich war auch ein Gemeinschaftsunternehmen im Vertrieb von Springer und der Essener Funke-Mediengruppe („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Gong“) angedacht, die im Werbeverkauf kooperieren. Sie hatten dies mit dem Verkauf mehrerer Zeitungen wie „Hamburger Abendblatt“ und „Berliner Morgenpost“ sowie Zeitschriften wie „Hörzu“ von Springer an Funke vereinbart. Doch die tatsächliche Umsetzung zog sich genauso wie eine Anmeldung ihrer Absichten beim Bundeskartellamt lange hin.

Mitte Mai teilten die Unternehmen jedoch mit, sich nach Gesprächen mit dem Kartellamt gegen ein gemeinsames Vertriebsunternehmen entschieden zu haben. Stattdessen vergibt Funke von Juli an den Vertrieb der zugekauften Zeitschriften wie „Hörzu“, „Bild der Frau“, „Frau von Heute“ und „TV Digital“  an den Modernen Zeitschriften Vertrieb MZV mit Sitz in Unterschleißheim, der schon die anderen Funke-Zeitschriften vertreibt. An MZV ist Funke sowie auch der Münchner Burda-Verlag („Focus“, „Bunte“) beteiligt und somit ein weiteres Beispiel für eine Zusammenarbeit unter Verlagen. Das Unternehmen betreut ebenfalls Zeitschriften anderer Verlage.

Allerdings geht Springer nicht leer aus. Funke vergibt zum Jahreswechsel den Einzelhandelsvertrieb der zugekauften Zeitungen „Berliner Morgenpost“, „Hamburger Abendblatt“ und „Bergedorfer Zeitung“ an Springer (mit deren Tochtergesellschaft Newspaper Impact). Neu hinzukommt diese Aufgabe auch für alle anderen Funke-Zeitungen wie „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Braunschweiger Zeitung“ oder „Thüringer Allgemeine“. Springer stärkt sich damit im Zeitungsvertrieb, während Gruner + Jahr den Zeitschriftenvertrieb ausbaut und hier mit MZV konkurriert.

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