Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Fußball-EM ärgert Pro Sieben Sat 1

Die Zuschauerzahlen sind im Juni gesunken. Dennoch wächst das Geschäft – vor allem digital. Auf dem Feld der Reisebuchungen sieht es derzeit jedoch nicht einfach aus.

Zum Jahreswechsel hat sich der Entertainer Stefan Raab zwar vom Fernsehschirm und damit von der Privatsenderkette Pro Sieben Sat 1 Media SE verabschiedet. Dafür laufen weiter die Simpsons für den Konzern auf und lagen im Vorprogramm am Mittwoch deutlich über dem durchschnittlichen Marktanteil des Senders: Etwa 15 Prozent und damit 800.000 Zuschauer der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen betrachteten das Treiben der gelben Zeichentrickfiguren aus Amerika, die schon seit mehr als 20 Jahren zum Sender gehören. Auch mit dieser traditionsreichen Hilfe sind die Einschaltquoten der privaten Sender der Gruppe um Pro Sieben, Sat 1 und Kabel Eins zuletzt gesunken.

Die nachlassenden Zuschauerzahlen begründet der Konzern mit der Fußball-Europameisterschaft, die den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern teilweise mehr als 20 Millionen Zuschauer einbrachte. Immerhin zeigte auch Sat 1 Fußballspiele: Der Sender übertrug eines der letzten beiden Spiele in einer Gruppe, doch hier wählte der Zuschauer häufiger die parallel ausgetragene Partie der öffentlich-rechtlichen Sender. Jedenfalls sank in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen die Einschaltquote der deutschen Sender der Unternehmensgruppe von mehr als 29 Prozent im April und Mai auf 25 Prozent im Juni.

Ohnehin blickt Pro Sieben Sat 1 weniger auf den klassischen Fernsehschirm, sondern schaut sich digital um. Hier kauft das Unternehmen immer wieder Internetportale zu und wächst damit. Pro Sieben Sat 1 weist im ersten Halbjahr einen Umsatzanteil außerhalb des Geschäfts mit der Fernsehwerbung von 44 Prozent aus – ein Plus von 9 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Der Konzern peilt an, zum Jahresende 2018 jeden zweiten Euro außerhalb der Fernsehwerbung umzusetzen.

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 18 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Der operative Gewinn legte um 9 Prozent auf 424 Millionen Euro zu (um Sondereffekte bereinigtes Ebitda) und der bereinigte Konzernüberschuss um 7 Prozent auf 207 Millionen Euro. Der Aktienkurs des Unternehmens, das im März in den Leitindex Dax aufgestiegen war, erhöhte sich am Donnerstag leicht um 0,1 Prozent auf 40,16 Euro. Die Nettoverschuldung stieg abermals an und betrug zur Jahresmitte 2,0 Milliarden Euro – ein Anstieg um 13 Prozent. Hier nennt der Konzern das höhere Investitionsvolumen als einen Grund.

Während das Fernsehgeschäft von April bis Juni um 1 Prozent auf einen Umsatz von 541 Millionen Euro kam, steigern sich die übrigen Geschäfte wesentlich mehr: Der Umsatz in der Konzernsparte Digital & Adjacent mit Unterhaltungsangeboten und Beteiligungen wuchs um 43 Prozent auf 263 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatte Pro Sieben Sat 1 die Portale Verivox für Preisvergleiche und Etraveli für Flugreisen erworben. Besonders diese Angebote sind laut dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Ebeling deutlich gewachsen. Auch das Fernsehproduktionsgeschäft Red Arrow legte zu und erreichte ein Umsatzplus von 42 Prozent auf 77 Millionen Euro. Die Gesellschaft arbeitet auch für andere Unternehmen und produziert mittels einer amerikanische Beteiligung die Serie „Bosch“ für den Internetvideodienst des Versandhändlers Amazon.

Ebeling erwartet im Gesamtjahr nach wie vor ein Umsatzplus von mehr als zehn Prozent und einen Gewinnanstieg. Bis 2018 soll der Konzernumsatz auf insgesamt 4,2 Milliarden Euro steigern. Dafür sieht sich Pro Sieben Sat 1 auch stets nach Übernahmen um. Zum Verkauf stehen gerade die Internetportale insolventer Unister-Gesellschaften mit den Reisevermittlern ab-in-den-urlaub.de und fluege.de. „Das ist sicher etwas, das wir diskutieren“, sagte Ebeling. Man haben immer die Pflicht sich Möglichkeiten für Zukäufe anzuschauen. Zu Pro Sieben Sat 1 gehören die Reiseportale weg.de und billiger-mietwagen.de. Hier trübt die Angst vor Terroranschlägen die Reisenachfrage. „In einigen Märkten sehen wir Buchungsrückgänge“, sagte Ebeling.

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