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In der Höhle der Löwen: „Der Gründer behauptet etwas, von dem er weiß, dass es gelogen ist“

| 3 Lesermeinungen

Jochen Schweizer war Stuntman, hat ein Unternehmen für allerlei Reiseerlebnisse aufgebaut und sitzt als Investor in der „Höhle der Löwen“. Dort stellen sich Gründer vor, um fünf Unternehmern einen Anteil ihres Unternehmens zu verkaufen. Schweizer spricht davon, wie viel er bislang investiert hat – und warum manches Geschäft aus der Sendung später doch nicht gelingt.

Jochen Schweizer© VOX/Bernd-Michael MaurerJochen Schweizer in der Sendung…

Herr Schweizer, wie erleben Sie die aktuellen Sendungen?

Die aktuelle Staffel zeigt noch viel mehr, als die vergangenen zwei Staffeln, dass „Die Höhle der Löwen“ eine besondere Show ist. Sie schafft reale Werte und trägt dazu bei, die Kultur des Gründens in Deutschland zu stärken. Hinzu kommt, dass sie nicht nur unterhaltsam, sondern auch echt ist. Es gibt kein Skript, keine vorgeschriebenen Dialoge und keine Absprachen im Voraus. Gründer und Löwen treffen das erste Mal in der Show aufeinander. Ergänzend hat sich durch die beiden neuen Löwen eine neue Dynamik entwickelt, die dem Format zusätzlich guttut und es weiter aufwertet.

Gibt es denn schon Pläne für eine Fortsetzung?

Das müssen Sie Vox und Sony fragen.

Warum machen Sie mit?

Ich möchte einen Teil meines Erfolgs und meiner Erfahrung einbringen, damit andere ebenso Erfolg haben können. Ich will jungen Entrepreneuren Mut machen und sie unterstützen, eine Idee zu entwickeln und darauf zu setzen.

Wie viel haben Sie bisher investiert?

In „Die Höhle der Löwen“ habe ich bis heute in knapp zwei Dutzend Start-ups mit einem insgesamt siebenstelligen Investitionsvolumen investiert. Darüber hinaus stehen ich und mein Team vielen Gründern beratend zur Seite oder es entwickelt sich eine Unternehmenskooperation.

Nach den Aufnahmen wird weiter verhandelt. Häufig einigen sich Investoren und Jungunternehmen dann doch nicht. Woran liegt das?

Ein in der Sendung gemachter Deal kann dann im Nachhinein nicht zustande kommen, wenn sich aus der Due Diligence für mich als Investor Erkenntnisse ergeben, die negativ sind. Nach meiner Erfahrung stoßen wir leider relativ häufig auf drei verschiedene Formen von Unwahrheit. Die erste mildeste Form: Wir finden etwas sehr Negatives heraus, dass dem Gründer selbst nicht einmal bewusst ist. Zum Beispiel, dass sein Produkt gegen ein gültiges Patent eines Wettbewerbers verstößt oder er nicht im Besitz erforderlicher Rechte ist. Dies lässt sich in manchen Fällen heilen und es kommt doch noch ein Deal zustande. Zweitens, der Gründer weiß um eine bestimmte Sache, zum Beispiel am Jahresende wird ein Kredit fällig oder die Firma ist stark überschuldet, aber er hat es nicht gesagt. Das nenne ich eine passive Unwahrheit. Die dritte Form ist die aktive Unwahrheit. Das heißt, der Gründer behauptet etwas, von dem er weiß, dass es schlicht gelogen ist. Zum Beispiel, dass er die unbefristeten, unlimitierten Vermarktungsrechte an einer Idee oder einem Produkt besitzt. Und schließlich kann es auch vorkommen, dass es sich ein Gründer nach der Sendung anders überlegt und den vereinbarten Deal dann doch nicht machen will. Zum Beispiel will er statt der vereinbarten 25,1 Prozent für die gleiche Investitionssumme plötzlich nur noch 15 Prozent Geschäftsanteile abgeben. Ungeachtet dessen ist meine Intention immer, den in der Sendung vereinbarten Deal auch abzuschließen, was in vielen Fällen auch so stattfindet. Zum Beispiel bei Hip Trips, Foreverly, Frooggies und Lendstar sowie anderen.

Die Fragen stellte Jan Hauser.

Nachtrag: Am Mittwoch teilte Vox mit, dass die Sendung fortgesetzt wird. Die vierte Staffel soll im kommenden Jahr starten. Wer als Investor beteiligt ist, wurde allerdings noch nicht genannt.

Absprung© Jochen Schweizer… und nach dem Absprung

Mehr im Blog:

Ab in die Höhle der Löwen: Gründer lernen jetzt im Fernsehen Laufen

Virtual Reality: Der nächste Film dreht virtuelle Runden

Israel und die Start-up-Nation: Aus dem Techniklabor hinaus in die Welt

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3 Lesermeinungen

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  3. Interessante Sendung...
    …zeigt sie allerdings auch den Turbo-Kapitalismus vom Feinsten. Das unternehmerische Risiko wird auf das Mindestmaß reduziert, der Aspirant muss nicht nur eine Idee sondern schon ein umfangreiches Konzept mehr oder weniger implementiert haben, so dass er/sie nur noch die letzte Komponente für die Skalierung seiner Business- oder Produkt-Idee, nämlich Kapital, noch zur Seite gestellt bekommt. Die Idee dieser Art von Investoren ist es nicht, langfristiges Entrepreneurship zu entwickeln – er ist kein „Business Angel“ – sondern kurzfristige Rendite: am besten schon nach wenigen Monaten wieder raus, wenig Aufwand, höchste Ausspielung. „In der Höhle der Löwen“ wäre eigentlich besser „In der Höhle der Turbokapitalisten“: Es ist die öffentlich sichtbare Variante von all dem, was bei Hedgefonds und deren Umsatzrenditen so gern doch verteufelt wird. In einem muss ich Herrn Schweizer schon Recht geben: eine Kultur wie sie z.B. bei „Indiegogo“ und „Kickstarter“ in den Staaten existiert ist hierzulande nahezu nicht existent. Kaum ein Inkubator steht im sichtbaren Umfeld von Politik und Wirtschaft. Die „digitale Stadt“, so wie sie in einigen Großstädten gern vorweg geht, um z.B. den lokalen ICT-Impuls zu fördern, schafft es nicht, die Breitenförderung und Entrepreneurship zu entwickeln. Das ist eines der großen Mankos…

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