Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Christoph Bauer lenkt DuMonts Sparplan

Die Kölner DuMont Mediengruppe baut das Zeitungsgeschäft um und Arbeitsplätze ab. Besonders am Berliner Standort, der länger defizitär sein soll, zeigt sich, was der Vorstandsvorsitzende Christoph Bauer plant.

Christoph Bauer © DuMontChristoph Bauer


Schon als Christoph Bauer 2014 den Vorstandsvorsitz der Kölner DuMont Mediengruppe übernahm, zeigte dies den Wandel des traditionsreichen Zeitungsverlages. Mit ihm führt erstmals ein Manager das Familienunternehmen, der anders als zuvor nicht aus dem Kreis der Gesellschafter stammt. In der Zeit vor seinem Antritt hatte der Verlag mit den Stammtiteln „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Express“ weitere Regionalzeitungen gekauft – wie im Jahr 2009 den Berliner Verlag mit „Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“ sowie „Hamburger Morgenpost“.

Gerade in der Hauptstadt lässt sich nun erkennen, wie Bauer ins Unternehmen eingreift. Die DuMont Mediengruppe GmbH & Co. KG wies 2015 ein Gesamtergebnis von 10,3 Millionen Euro aus, doch sollen manche Geschäftsteile kaum etwas dazu beitragen. So baut Bauer das Zeitungsgeschäft um und Arbeitsplätze ab, um stärker als bislang zu sparen.

Am Donnerstag verkündeten die Führungskräfte in Berlin den Wegfall von 50 Stellen in der Redaktion. Während der Betriebsrat von einem Projekt Kahlschlag spricht, nennt der Vorstandsvorsitzende dies die Fortführung seiner Unternehmensstrategie Perspektive Wachstum. „Nur ein kompletter Neuanfang kann die wirtschaftliche und damit publizistische Unabhängigkeit und Qualität sicherstellen“, sagte Bauer. In dieser Woche teilte DuMont weiter mit, den Telefondienst mit 350 Mitarbeitern in Berlin und Halle zu verkaufen und den Berliner Technikdienst mit 16 Mitarbeitern zu schließen, um die Aufgaben auszulagern. DuMont setzte 2015 mit 3376 Mitarbeitern insgesamt 546 Millionen Euro um.

Nach Köln zog es Christoph Bauer, als das Zeitungshaus noch unter der Ägide des Patriarchen Alfred Neven DuMont stand, der im vergangenen Jahr im Alter von 88 Jahren verstarb. Von 2009 bis 2012 war Bauer in der Schweiz als Vorstandsvorsitzender der AZ Medien („Aargauer Zeitung“) tätig und arbeitete davor unter anderem für Ringier sowie die „Neue Züricher Zeitung“.

Vorstand der DuMont Mediengruppe:: Otto Christian Lindemann (von links), Christoph Bauer und Stefan Hütwohl© DuMontDen Vorstand bilden Otto Christian Lindemann (von links), Christoph Bauer und Stefan Hütwohl.

Im Aufsichtsrat von DuMont sitzen heute Christian DuMont Schütte und Isabella Neven DuMont, Tochter von Alfred, als Vertreter der zwölften Familiengeneration, die beide lange im Vorstand tätig waren. Dort wirkt nun neben Christoph Bauer, der in Mannheim und in den Vereinigten Staaten Betriebswirtschaftslehre studierte, auch Stefan Hütwohl, der seit fast einem Jahr Finanzchef ist und unter anderem für den Werbevermarkter Ströer gearbeitet hat. Dritter im Bunde ist Otto Christian Lindemann, der auch Vorstandssprecher der Beate Uhse AG war, bei DuMont interimistisch das Finanzressort übernahm und von Jahresbeginn an die Organisation und Beteiligungen verantwortet. Zuvor hatte DuMont noch einen eigenen Vorstand für Publizistik. Auch aufgrund diesen Wandels sagt mancher in Köln, dass der Vorstand eigentlich nur aus Finanzvorständen besteht.

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