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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Gruner + Jahr baut um und zieht um

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Das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr zieht in Hamburgs Hafencity. Allerdings ist der Umzug erst für 2021 geplant. Der Verlag wächst mittlerweile vor allem digital.

Julia Jäkel© dpaJulia Jäkel

Der Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr hat nah an der Elbe gebaut. Mit Blick auf die vorbeifahrenden Schiffe residiert das Unternehmen schon von 1990 an am Baumwall. Auch das wird sich wie so vieles im Verlag ändern. In fünf Jahren zieht Gruner + Jahr flussaufwärts in den benachbarten Stadtteil Hafencity. Voraussichtlich im Jahr 2021 sollen die Zeitschriftenmacher von „Stern“, „Geo“ und „Gala“ in einem noch zu errichteten Gebäude am Lohsepark arbeiten. „Es ist Zeit für etwas Neues“, sagte Julia Jäkel, Vorsitzende der Geschäftsführung von Gruner + Jahr, am Donnerstag. Sie informierte die Mitarbeiter in Hamburg am Donnerstagvormittag über den Umzug. Die Stadt Hamburg wird das Pressehaus kaufen, in dem etwa 2000 Mitarbeiter beheimatet sind und in dem der Verlag dann mehr als 30 Jahre lang Magazine herausgebracht hat. Die Entscheidungen benötigen noch die Zustimmung der städtischen Gremien, wie der Verlag mitteilte. Zum Verkaufspreis und den Umzugskosten macht das Unternehmen keine Angaben.

Das Zeitschriftenhaus wächst in diesem Jahr vor allem digital mit einem Anstieg um fast ein Drittel, während das Geschäft mit den gedruckten Titeln leicht rückläufig ist. Im Jahr 2015 war der Umsatz um 12 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro und der operative Gewinn um 22 Prozent auf 128 Millionen Euro (Ebitda) zurückgegangen. Dafür führte das Unternehmen unter anderem den Verkauf des amerikanischen Druckgeschäfts an. Für dieses Jahr wird erwartet, dass der Verlag ähnliche Werte wie im Vorjahr erreicht.

Jäkel kam im Jahr 2012 an die Verlagsspitze, stellte die defizitäre Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“ ein und baute das Unternehmen um. In den Kernmärkten Deutschland und Frankreich steigerte sich der Digitalanteil mittlerweile auf ein Fünftel. Doch noch sind nicht alle Internetseiten profitabel. Mit zusätzlichen Spezialtiteln versucht das Unternehmen zuzulegen: In den vergangenen 20 Monaten hat der Verlag so 13 neue Magazine an den Kiosk gebracht, wozu die Erweiterungen bestehender Marken wie „Stern Crime“ und „Geolino Zeitreise“ sowie die Frauenzeitschrift „Barbara“ und zuletzt das Männerheft „Wolf“ gehören. Aus dem Ausland zieht sich das Unternehmen hingegen zurück und hat Anfang Dezember die Tochtergesellschaft in Spanien verkauft. In den vergangenen drei Jahren hat Gruner + Jahr damit Geschäfte mit einem Umsatz von 600 Millionen Euro verkauft, die nicht mehr zur strategischen Ausrichtung passen.

Das neue Quartier mit der Anschrift „Am Hannoverschen Bahnhof“ soll auf eine Mietfläche von mindestens 36000 Quadratmeter kommen. Die bisherige Heimat hat eine Mietfläche von 56000 Quadratmetern, allerdings sei davon viel unnutzbar und nicht auf moderne Büros ausgerichtet. In der Nähe des Neubaus, dessen Bauarbeiten 2019 beginnen sollen, sind die Deichtorhallen und auch andere Medienunternehmen wie der „Spiegel“-Verlag, an dem Gruner + Jahr mit 25,5 Prozent beteiligt ist. Gruner + Jahr ist vollständig im Besitz des Gütersloher Medienkonzern Bertelsmanns, zu dessen Geschäft ebenfalls die Fernsehkette RTL Group, der Buchverlag Penguin Random House, das Musikunternehmen BMG und der Dienstleister Arvato gehören. Mit einem Umsatz von 17 Milliarden Euro zählt Bertelsmann zu den größten Medienunternehmen der Welt.

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