Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

„Snapchat macht das Fangen und Teilen des Lebens so lustig“

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Auf Snapchat ist das Medienunternehmen Vice sehr aktiv. Was bringt das? Sterling Proffer spricht über das Geschäft mit den sozialen Plattformen und den roten Faden von Snap.

Sterling Proffer leitet die Wachstumsarbeit des Medienunternehmens Vice.© ViceSterling Proffer leitet die Wachstumsarbeit des Medienunternehmens Vice.

Herr Proffer, warum ist Snapchat der nächste große Digitalhit?

Facebook macht die Kommunikation mit deinen Freunden einfach. Whatsapp macht sie schnell und günstig. Instagram macht es schön. Aber Snapchat macht Spaß – und daher ist es keine Überraschung, dass es schnell so dominant wurde.

Warum verteilt auch Vice seine Inhalte auf Snapchat?

Unsere Aufgabe ist es, große Geschichten zu erzählen. Und dabei wollen wir unser Publikum erreichen – egal wo sie Inhalte finden. Mit unseren jungen, sehr mobilen Zielgruppe passt Snapchat perfekt.

Wie haben sich denn die Veröffentlichungen auf dem Discover-Kanal entwickelt?

Wir entwickeln alles von Vice ständig weiter und wollen uns verbessern. Nachdem wir das nun fast zwei Jahre machen, haben wir viel gelernt. Von einem kreativen Standpunkt aus ist es ein einzigartiger Weg, Geschichten für unsere Zielgruppe zu erschaffen und zu verpacken. Viel von der Evolution bezieht sich dabei auf den Wandel vom Inhaltverpacken für Snapchat bis hin zur eigenständigen Entwicklung für Snapchat.

Wie viele der 150 Millionen täglichen Snapchat-Nutzer sehen die Inhalte von Vice?

Viele!

Erhält Vice viele Fragen, Anregungen und Beschwerden von der jungen Generation direkt über Snapchat und beantwortet diese auch?

Wir erhalten viele Rückmeldungen von unseren Nutzern. Dinge, die sie lieben. Sachen, die sie nicht mögen. Geschichten, die wir für sie machen sollen. Snapchat ist auf jeden Fall eine Quelle und die Nachrichten sind ein Teil unsere Entwicklungsprozesses.

Welche sozialen Netzwerke sind am wichtigsten für Vice?

Wichtig ist jeder Platz, auf dem unsere Zielgruppe ist und auf dem wir sie erwarten. Angesichts der Breite unseres Angebots, von unserem Netzwerk digitaler Kanäle zu Viceland und unseren mobilen Angeboten rund um den Globus, hängt der Fokus von unseren Zielen ab. So ist eine Plattform wie Twitch ein wichtiger Partner für unseren neuen Spielekanal Waypoint, während Plattformen wie Snapchat, Facebook und Nachrichten-Apps wichtig für alle sind.

Werden sich die sozialen Netzwerke noch stärker unterscheiden oder eher wie Instagram und Snapchat einander angleichen?

Etablierte Plattformen werden ihr Angebot nach ihren Zielen weiter ausbauen oder vertiefen: mehr Nutzer, ein höheren Anteil an Zeit auf ihren Seiten oder mehr Geld. Niemand wird zufrieden sein, wo sie sind – es gibt immer eine Version von „mehr“, die sie verfolgen. Jeder, der es auf ihr Gebiet abgesehen hat, muss entweder mit einem sehr spezifischen Anwendungsfall beginnen (wie das Speichern von Artikeln für später wie mit Pocket) oder kommen Sie es von der Seite (wie Uber mit Uber Feed).

Wie wird Snapchat wohl in ein paar Jahren sein?

Das kann das Unternehmen besser selbst sagen. Man kann von ihrer Ausführung sehen, dass Snap ein unglaublich fokussiertes, produktgetriebenes Unternehmen ist.  Wenn es irgendeinen roten Faden gibt, den ich sehe, ist es, dass sie das Fangen und Teilen des Lebens ihrer Nutzer so lustig und einfach wie möglich machen möchten. Wir freuen uns, zu sehen, wohin sie das führt.

Was werden Sie mit Spectacles, den neuen Videobrillen von Snap, anfangen?

Zunächst werden wir viel Spaß damit haben, dann werden wir mehr herausfinden.

Wie laufen die Discover-Projekte außerhalb von den Vereinigten Staaten?

Neben unserer englischen Ausgabe in Discover bieten wir auch eine tägliche französische Ausgabe. Die beiden Mannschaften arbeiten eng zusammen, teilen Ideen, Vorlagen und die besten Beispiele jeden Tag.

Bislang teilte sich Snapchat die Werbeeinnahmen mit den Discover-Partnern. Doch im Gespräch ist, dass Snapchat eine Lizengebühr an die Medienunternehmen vergibt und dann die Werbeeinnahmen komplett behält. Warum ist das besser?

Bisher hat Snapchat die Werbeeinnahmen mit den Discover-Partner zur Hälfte geteilt. Allerdings wird jetzt davon gesprochen, dass Snapchat eine Lizengebühr für die Medienunternehmen zahlt und dann die Werbeeinnahmen komplett behält. Warum das besser ist? Das können sie selbst viel besser beantworten.

Wird Vice nach Frankreich und Großbritannien auch beim Deutschland-Start von Discover mitmachen?

Wir würden nicht darüber sprechen wollen. Es liegt an Snapchat, was sie dazu verkünden.

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1 Lesermeinung

  1. Die Gier letzte, privat verbliebende Räume des Menschen zu kommerzialisieren
    führt zu systematischer Plünderung der Menschenwürde und hemmungslosem, scheinbar „kostenlosem“ Totalkonsum. Hier mit dem Versprechen, die Bilder seien doch angeblich nur flüchtig.

    So werden die Menschen, hier die schutzenswürdigsten, die Kinder und Jugendlichen, systematisch in die Versuchung geführt, etwas zu tun, was sie ansonsten nicht tun würden: Fotos veröffentlichen, die eigentlich (!) zuviel zeigen.

    Dass die Bilder technisch trivial von Laien und auch weiteren kommerziellen „Dienstleistern“ und Geheimdiensten dennoch „verewigt“ werden können, das wollen weder die Kinder, Jugendlichen noch deren Eltern wissen. Mich erinnert dieses Herauskitzeln der Menschenwürde aus dem Menschen auch an die Studie, die eine deutsche Universität zu Facebook gemacht hat: Man stellte fest, dass die Nachrichten, die von ihren Absendern zwar formuliert, aber dennoch letztlich NICHT abgesendet wurden, für die Analyse der Person des Schreibenden viel, viel ergiebiger sind als die, die er tatsächlich absendet. Deshalb warten viele Programme wohl auch nicht auf die „Eingabe-Taste“, senden jeden Buchstaben sofort – unter dem Vorwand, dass bei einem Programmabsturz/Verbindungsfehler der Text erhalten bliebe.

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