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DVB-T2: „Deutschland ist internationaler Vorreiter“

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Fast vier Millionen Haushalte haben in Deutschland bisher Fernsehen via Antenne geschaut. Und für viele von ihnen ändert sich der Empfang: Durch den Umstieg auf DVB-T2 HD wird die Bildqualität zwar verbessert, aber für private Sender muss zusätzlich gezahlt werden.

Nach drei Freimonaten beginnt im Juli die Zahlzeit für dieses HD-Programm und die einst frei empfangbaren Privatsender RTL, Sat 1 oder Pro Sieben sind nur noch gegen Bezahlung im Antennenfernsehen zu sehen.

Warum ist es so gekommen und wie geht es weiter? Dazu äußert sich Andre Prahl, Bereichsleiter Programmverbreitung Mediengruppe RTL Deutschland. Das Kölner Unternehmen sendet die sechs Sender RTL, Vox, RTL II, Super RTL, N-TV, und RTL Nitro im verbesserten Antennenfernsehen mit HD-Qualität. Für RTL und auch für den Wettbewerber Pro Sieben Sat 1 kümmert sich das Unternehmen Freenet um den Verkauf der Sender im Verbund und reicht dazu einen Anteil an die Sender weiter.

© Mediengruppe RTL Deutschland / Stefan GregorowiusAndre Prahl, Bereichsleiter Programmverbreitung Mediengruppe RTL Deutschland

Herr Prahl, wie läuft bisher die Umstellung auf DVB-T2?

Am 29. März wurden alle Sendeanlagen in den Umstiegsregionen erfolgreich auf DVB-T2 HD umgestellt. Die Aufschaltung der HD-Programme erfolgte planmäßig. Wir können damit das Fazit ziehen, dass der Umstieg technisch sehr gut funktioniert hat.

Wie viele Haushalte nutzen nun DVB-T2?

Inwieweit die ehemaligen DVB-T-Haushalte dem terrestrischen Empfangsweg treu geblieben sind oder jetzt eine andere Empfangsart nutzen, können wir zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Von Freenet TV sind allerdings erfreulich hohe Zahlen zu DVB-T2 HD nutzenden und Freenet TV-fähigen Empfangsgeräten genannt worden.

Wie viele davon zahlen schon?

Nutzer, die sich zur Umstellung Ende März für Freenet TV entschieden haben, müssen ab Ende Juni eine Gebühr entrichten, wenn sie die privaten HD-Programme weiterhin sehen möchten. Eine valide Aussage über die Annahme dieses Angebots lässt sich daher erst im Sommer treffen. Später startende Nutzer der Plattform Freenet TV erhalten ebenfalls eine dreimonatige Gratisphase.

Noch eine grundsätzliche Bemerkung zum Thema Kosten: Das für Freenet TV zu entrichtende technische Entgelt von aktuell 69 Euro jährlich deckt einen Teil der Verbreitungskosten der über diese Plattform verbreiteten privaten HD-Programme. Während die Verbreitung von HD-Inhalten aufgrund der höheren Bandbreite für Fernsehsender teurer wird, werden durch die bessere Bildqualität keine höheren Werbeerlöse erwirtschaftet. Ein technisches Entgelt ist für unsere HD-Angebote über alle Verbreitungswege – also nicht nur bei DVB-T2 HD für Freenet TV – zu entrichten.

Was erhofft sich RTL davon?

Für die Mediengruppe RTL Deutschland war stets klar, dass es eine Zukunft in der Terrestrik nur mit einer ökonomisch tragfähigen Plattform im neuen Standard DVB-T2 HD geben kann, wie sie Media Broadcast mit freenet TV nun anbietet. Wir sind davon überzeugt, dass die Möglichkeit, unsere Programme auch über Antenne in HD sehen zu können, zur Attraktivität des Angebots beitragen wird. Aufgrund der umfangreichen Informationskampagnen durch die Initiative DVB-T2 HD und von freenet TV gehen wir davon aus, dass sich die Mehrzahl der DVB-T2 HD Nutzer für die Plattform freenet TV entscheiden wird.

Wie wird der Empfang der Sender in zehn Jahren aussehen?

Schon heute gelangen unsere Inhalte auf diversen Verbreitungswegen zum Zuschauer, zunehmend auch mobil sowie zeitversetzt. Für uns bedeutet das, dass wir unsere Verbreitung entsprechend anpassen und unsere Programme immer und überall für die Nutzer verfügbar machen, auch über unser Online-Bewegtbildangebot TV Now.

Was kommt nach DVB-T2?

Die Fernsehsender in Deutschland haben sich entschieden, im Zuge der Einführung von DVB-T2 den neusten Standard der Videocodierung einzusetzen: High Efficiency Video Coding (HEVC). So werden die Bildsignale bei gleicher Qualität noch stärker komprimiert. Daher können in einem DVB-T2-Kanal mit HEVC noch mehr Programme oder eine bessere Qualität (HDTV) verbreitet werden. Mit der Kombination von DVB-T2 und HEVC ist Deutschland internationaler Vorreiter. Daher zeichnet sich heute noch keine Folgetechnologie ab.

Ausführliche Informationen zum neuen Antennenfernsehen finden sich in der F.A.Z.-Dienstagsausgabe und im E-Paper.

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2 Lesermeinungen

  1. Erfahrung: DVB-T2 ist teurer Murks
    Nach meiner persönlichen Erfahrung und gemäß einer kleinen Umfrage im Berliner Bekanntenkreis ist die dort Ende März d. J. durchgeführte Umstellung auf T2 ein Desaster. Diese Maßnahme hat zunächst der Fa. Freenet zahlreiche Neuverträge beschert, dann die Umsätze der Technik-Länden gepusht (- neue Receiver, neue Antennen, noch mehr verstärkte Antennen).

    Schließlich, als nach vielen Stunden und Tagen des Suchens der Sender und Verstellens der Antennen, auch des Herumtragens von Antenne und gerät auf der Suche nach einem Ort in der Wohnung mit verlässlichem Empfang, sind die frustrierten TV-Konsumenten zu den Kabelanbietern gegangen.

    Als Zwischenphase – so auch bei mir – hilfesuchende Anrufe beim Fachhandel, die Fachleute lachten nach meinem Eröffnungssatz schon auf und meinten, das hätten sie in den vergangenen Wochen hunderte Male gehört.

    Fazit: Der vorher per Zimmerantenne in Fensternähe einwandfreie Empfang war nach dem 29.3. mit dem neu gekauften Equipment nicht mehr möglich. Je nach Tageszeit fehlten etliche Sender, abends kein ZDF, dann Mittags keine dritten Programme, RTL mal da, mal weg. Der Kauf hochwertigerer Antennen nützte nichts.

    Diese Erfahrung machten Bekannte in mehreren Stadtteilen. Überwiegend wechselte man nach einige frustrierenden Wochen zum Kabelanbieter, die neu erworbenen Geräte kamen in den Elektroschrott. (Bei mir stehen sie, wieder in Originalverpackung, im Keller.) Die Läden nehmen sie nicht zurück – es gibt an Receiver und Antenne ja keine nachweisbaren Fehler.

    Ich empfinde den Titel des Artikels „DVB-T2: Deutschland ist internationaler Vorreiter“ als Hohn.
    Wäre ich für Verschwörungstheorien anfällig wäre die Erkenntnis: Nach der staatlichen Zwangsgebühr für TV ein kollektives Absahnen der Privatwirtschaft und wohlwollender Beteiligung der Behörden.

  2. So sind wir...
    die einstige Spitzenqualität ist irgendwann als Rücklicht der Qualität eine Zeit lang kostenlos und dann gar nicht mehr erhältlich…
    und es gilt weiterhin…(auch für Geld-)Qualität hat ihren (Konsum-ualität-)Preis.

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