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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Funke wechselt die Aufsichtsratsspitze

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Petra Grotkamp lässt ihre Tochter Julia Becker bald den Vorsitz des Aufsichtsrates der Funke-Mediengruppe übernehmen. Das Essener Unternehmen hat viele Titel zugekauft und zählt zu den größten Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen in Deutschland.

Im Hintergrund der Essener Funke-Mediengruppe läutet Mehrheitsgesellschafterin Petra Grotkamp den Generationenwechsel ein. Ihre Anteile von zwei Drittel hat sie an ihre drei Kinder Niklas Jakob Wilcke, Julia Becker und Nora Marx übertragen, worauf das Unternehmen am Mittwoch hinweist.

Unter den drei wird sich besonders Julia Becker um das Geschäft des Familienunternehmens kümmern: Sie steigt im kommenden Jahr zur Aufsichtsratsvorsitzenden auf und folgt dort auf ihre Mutter. „Ich selbst behalte einen Sitz im Aufsichtsrat, dadurch ist die notwendige Kontinuität für einen Generationswechsel gewahrt“, sagte Petra Grotkamp dem Fachmagazin „Kress Pro“.

Vor mehr als fünf Jahren hatte Grotkamp für die Mehrheit etwa eine halbe Milliarde Euro aufgebracht. Die Tochter von Jakob Funke, der gemeinsam mit Erich Brost die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ gründete und damit die Grundlage des Unternehmens legte, kaufte den Brost-Enkeln deren Unternehmenshälfte ab und wurde mit einem Anteil von zwei Drittel zur Mehrheitsgesellschafterin. Unter ihrer Ägide benannte sich das Unternehmen von WAZ-Gruppe in Funke-Gruppe um und kaufte „Hamburger Abendblatt“, „Berliner Morgenpost“ und weitere Zeitschriften wie „Hörzu“ dem Berliner Medienkonzern Axel Springer ab.

Damit spielt die dritte Generation künftig eine wichtige Rolle in dem Unternehmen mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2015. Zum Geschäft gehören besonders Regionalzeitungen sowie Frauen- und Programmzeitschriften wie „Gong“ oder „Die Aktuelle“. Allerdings kam das Unternehmen im Jahr 2015 auf einen Konzernjahresfehlbetrag von 5,6 Millionen Euro. „Durch ihre bisherigen Aufgaben im Aufsichtsrat und Gesellschafterausschuss haben sich meine drei Kinder Niklas Jakob Wilcke, Julia Becker und Nora Marx bereits mit viel Engagement in die Verlagsthemen eingearbeitet und spielen seitdem bei allen Entscheidungen eine wichtige Rolle“, sagte Petra Grotkamp. Sie freut sich, wie sehr sich ihre Kinder einbringen. Damit würden diese das Lebenswerk ihres Vaters würdigen und ein Stück Familiengeschichte fortschreiben.

Weitere Gesellschafter der Funke-Mediengruppe sind Grotkamps Schwester Renate Schubries sowie Stephan Holthoff-Pförtner, die beide jeweils ein Sechstel an der Funke-Mediengruppe besitzen. Holthoff-Pförtner, Adoptivsohn der Funke-Tochter Gisela Holthoff, ist im Juni in die nordrhein-westfälische Landesregierung eingetreten und arbeitet als Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales. Er hält weiter seine Anteile an der Mediengruppe, hat aber seine Stimmrechte auf seinen Adoptivsohn Georg Scheid übertragen, der auch die Ämter von Holthoff-Pförtner in den Gremien des Unternehmens übernommen hat.

Für die Politik trat Holthoff-Pförtner als Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) zurück, zu dem er im vergangenen November gewählt wurde. Ein Nachfolger soll im November gefunden werden. Ob Julia Becker als kommende Aufsichtsratschefin der Funke-Mediengruppe für den Posten des VDZ-Präsidenten kandidieren würde, dazu wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

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