Netzwirtschaft

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Verlage treten mit Libreka gegen Google an

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Die deutschen Verlage haben mit Libreka eine eigene Buchsuchmaschine entwickelt, die gegen Google antreten soll, aber schon zum Start hoffnungslos im Rückstand ist.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat auf der Frankfurter Buchmesse seine Buchsuchmaschine Libreka vorgestellt. Libreka, ursprünglich unter dem Projektnamen Volltextsuche-Online (VTO) bekannt, soll Nutzern die Volltextsuche in Büchern ermöglichen und eine Verbindung in die Internet-Shops der Verlage ermöglichen. Nach Angaben von Ronald Schild, dem Geschäftsführer des Börsenverein-Tochterunternehmens MVB, beteiligen sich 300 Verlage wie Langenscheidt oder Hanser an Libreka; insgesamt sind bisher rund 1300 Bücher komplett durchsuchbar; rund 8000 Titel seien von den Verlagen für das Projekt angemeldet worden. „Diese Zahl wird schnell steigen“, sagte Schild. 

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Libreka ist die Antwort der deutschen Verlage auf die Google-Buchsuche. Die Suchmaschine soll alle Bücher digitalisieren, um ihren Inhalt leicht durchsuchbar zu machen. Da viele Verlage beim Start der Google-Buchsuche um ihre Urheberrechte fürchteten, gründete der Börsenverein im Jahr 2005 das Projekt VTO. Während der Börsenverein aber Jahre brauchte, um Libreka auf die Beine zu stellen, hat Google Fakten geschaffen: Mehr als eine Million Titel von rund 10 000 Verlagen sind bereits digitalisiert. Der Großteil sind Bücher, die aktuell noch verkauft werden und die nur in kleinen Ausschnitten am Bildschirm gelesen werden können. Da Google in den kommenden Jahren mehrere Millionen Bücher aus den Beständen großer Bibliotheken einscannt, wird der Anteil der Bücher, die im Volltext vorliegen, stark steigen.

Jeden Tag kommen allein in Deutschland Tausende Bücher hinzu, denen eine Maschine zuerst den Buchdeckel und den Rücken abschneidet, die Seiten dann automatisch umblättert und einscannt. Die Zahl der deutschen Bücher in der Datenbank ist inzwischen sechsstellig. Ein großer Teil der deutschen Verlage, darunter sieben der zehn größten Verlage, nehmen inzwischen an der Initiative von Google teil. „Die Stimmung hat sich vollkommen gedreht. Am Anfang herrschte Unsicherheit unter den Verlagen, ob wir die Urheberrechte schützen. Jetzt kommen die Verlage auf uns zu und wollen ihre Bücher in die Datenbank aufnehmen lassen“, sagte Jens Redmer, Direktor Google Buch Suche in Europa, auf der Frankfurter Buchmesse. Die Kosten der Digitalisierung in Millionenhöhe trage Google, während die Verlage in vielfältiger Weise profitierten: „Menschen, die über die Google-Buchsuche auf die Seite eines Online-Buchhändlers gelangen, bestellen das Buch drei- bis fünfmal häufiger als andere Besucher auf der Seite des Händlers“, hat zum Beispiel der Verlag Simon & Schuster gemessen. Außerdem nimmt der Umsatz mit Büchern, die nicht mehr aktuell im Programm sind, die sogenannte Backlist, deutlich zu. „Und die Verlage profitieren von den Werbeerlösen, die Google mit der Buchsuche erzielt“, sagte Redmer.

Der Übermacht von Google setzt Schild den Appell an die Loyalität der Verlage entgegen. „Wir sind das Projekt der Verlagsbranche; wir haben das Vertrauen der Verlage. Libreka wird die Branche nachhaltig verändern“, sagte Schild. Damit Libreka an Fahrt gewinnt, können Verlage ihre Bücher zunächst kostenlos in die Plattform einstellen. Später kostet die Aufnahme drei Euro je Titel. Auch das Scannen der Bücher übernimmt der Börsenverein zuerst kostenlos, später kostet ein Buch mit 300 Seiten 15 Euro. Bei Google zahlen die Verlage nichts. Google will Schild daher nicht als Konkurrent, sondern als Partner verstehen. „Wir stehen in Verhandlungen mit Google über eine Einbindung in die Buchsuche“, sagte Schild. Unterdessen hat Google die Funktionen ausgebaut. Nun werden die zentralen Schlüsselworte des Buches angezeigt und Bücher angezeigt, die diese Worte ebenfalls enthalten. Außerdem werden Orte, die in einem Buch genannt sind, auf Landkarten gezeigt.

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3 Lesermeinungen

  1. Wenn Libreka keinen Mehrwert...
    Wenn Libreka keinen Mehrwert zu Google bietet – sowohl gegenüber dem Nutzer als auch gegenüber den Verlagen – sehe ich nicht, wie sie bestehen wollen. Eine Alternative um der Alternative willen?

  2. <p>Der Witz ist ja, dass...
    Der Witz ist ja, dass Google hauptsächlich alte Bücher ohne Rechte einscannt. Libreka macht das mit deutschsprachigen Neuerscheinungen. An die Daten kommt google ja gar nicht ran.

  3. <p>das mit den 3 Euro Kosten...
    das mit den 3 Euro Kosten für libreka stimmt übrigens nicht! Das sind die Kosten fürs VLB. Die wurden allerdings für libreka erhöht. Da wird wohl quersubventioniert.

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